Dienste

 

 

Wahlen Terroranschlag auf Polizisten überschattet Frankreich-Wahl

Schock vor der Präsidentenwahl: Auf dem Vorzeige-Boulevard der französischen Hauptstadt fallen Schüsse, die Terrormiliz IS reklamiert den Anschlag für sich. Beeinflusst das die Entscheidung der Wähler am Sonntag?
  • Der tödliche Angriff auf Polizisten belastet die kommende Wahl erheblich. Foto: Kamil Zihnioglu © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Der tödliche Angriff auf Polizisten belastet die kommende Wahl erheblich. Foto: Kamil Zihnioglu © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Der Verkehr fließt wieder vor dem Arc de Triomphe. Foto: Michel Euler © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Der Verkehr fließt wieder vor dem Arc de Triomphe. Foto: Michel Euler © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Passanten heben ihre Arme, während die Champs-Élysées von der Polizei gesichert werden. Foto: Thibault Camus © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Passanten heben ihre Arme, während die Champs-Élysées von der Polizei gesichert werden. Foto: Thibault Camus © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Französische Sicherheitskräfte wurden schon mehrfach attackiert. Foto: Michel Euler © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Französische Sicherheitskräfte wurden schon mehrfach attackiert. Foto: Michel Euler © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Der französische Innenminister, Matthias Fekl (l-r), der französische Ministerpresident Bernard Cazeneuve und der französische Justizminister Jean-Jacques Urvoas sprechen vor dem Elysee-Palast. Zuvor haben sie an einer Versammlung des Sicherheitskabinetts teilgenommen. Foto: Christophe Ena © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Der französische Innenminister, Matthias Fekl (l-r), der französische Ministerpresident Bernard Cazeneuve und der französische Justizminister Jean-Jacques Urvoas sprechen vor dem Elysee-Palast. Zuvor haben sie an einer Versammlung des Sicherheitskabinetts teilgenommen. Foto: Christophe Ena © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Polizeieinheiten auf den Champs-Élysées. Foto: TV/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Polizeieinheiten auf den Champs-Élysées. Foto: TV/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Ein Polizist sichert am Abend den Ort des Geschehens. Foto: Thibault Camus © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Ein Polizist sichert am Abend den Ort des Geschehens. Foto: Thibault Camus © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Bewaffnete Polizisten stehen vor einem Geschäft auf dem Prachtboulevard. Foto: Thibault Camus © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Bewaffnete Polizisten stehen vor einem Geschäft auf dem Prachtboulevard. Foto: Thibault Camus © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
  • Ein Soldat sichert das Gebiet um den Arc de Triomphe. Foto: Kamil Zihnioglu © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
    Ein Soldat sichert das Gebiet um den Arc de Triomphe. Foto: Kamil Zihnioglu © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
1 / 9

Der tödliche Anschlag auf Polizisten in Paris hat das Wahlkampf-Finale vor der ersten Runde der französischen Präsidentenwahl überschattet. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Attacke des 39-jährigen Karim C. am Freitag als «terroristische Tat».

Der Mann hatte am Vorabend auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées einen Polizisten erschossen. Eine deutsche Passantin und zwei weitere Beamte wurden verletzt, bevor die Polizei den Angreifer tötete. Der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte Angriff entfachte kurz vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung heftigen Streit über die Sicherheitspolitik.

Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen warf der Regierung Nachlässigkeit im Anti-Terror-Kampf vor. Premierminister Bernard Cazeneuve erwiderte ungewöhnlich scharf, Le Pen schlachte das Drama zu Wahlkampfzwecken aus. Nun stellt sich die Frage, ob der Anschlag einen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten beim ersten Wahlgang am Sonntag hat. Das Rennen gilt als Schicksalswahl für Europa.

In Umfragen lag der pro-europäische Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron zuletzt leicht vorn, gefolgt von Europa-Feindin Le Pen, die ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft will. Aber auch der Konservative François Fillon und der ebenfalls mit scharfer EU-Kritik auftretende Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon können sich noch Hoffnungen machen, sich für die entscheidende Stichwahl am 7. Mai zu qualifizieren. Mehrere Kandidaten unterbrachen nach dem Anschlag ihren Wahlkampf oder sagten Kundgebungen ab.

Der Angreifer hatte am Donnerstagabend mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr das Feuer auf einen Mannschaftswagen der Polizei eröffnet. In der Nähe seiner Leiche fanden die Beamten einen handschriftlichen Zettel, auf dem der IS verteidigt wurde - er sei wahrscheinlich aus der Tasche des Mannes gefallen, so Staatsanwalt François Molins. Im Auto des Angreifers lagen ein Koran und eine weitere Schusswaffe.

Die Behörden hatten den Mann Anfang des Jahres bereits im Visier: Es habe Hinweise auf Äußerungen gegeben, dass er Polizisten umbringen wollte, sagte der Chefermittler. Die Untersuchung habe jedoch zunächst keine ausreichenden Beweise erbracht. Der Angreifer war 2005 schon einmal wegen eines Angriffs auf Polizisten zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Es folgen noch drei weitere Verurteilungen, unter anderem wegen Gewalt gegen einen Justiz-Beschäftigten. Einschließlich Untersuchungshaft saß er damit von 2001 bis 2015 fast durchgängig in Haft. In dieser Zeit habe es keine Hinweise auf eine Radikalisierung gegeben.

Nachdem erst wenige Tage zuvor in Marseille ein Anschlagsplan vereitelt worden war, erhöht die Attacke die Anspannung im terrorgeplagten Frankreich. Regierungschef Cazeneuve rief seine Landsleute auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. «Nichts darf diesen für unser Land fundamentalen demokratischen Augenblick beeinträchtigen», sagte er.

In den kommenden Tagen werden mehr als 50 000 Polizisten eingesetzt, um die Präsidentenwahl zu schützen. Auch Spezialeinheiten der Polizei sind dann in Alarmbereitschaft. In dem Land gilt nach einer beispiellosen islamistischen Anschlagsserie mit mehr als 230 Toten der Ausnahmezustand.

Le Pen forderte am Freitag erneut ein härteres Vorgehen im Kampf gegen den Terror. Unter anderem will sie Ausländer abschieben, die von den Behörden in eine Datei mutmaßlicher Gefährder aufgenommen wurden. Seit zehn Jahren sei unter den Regierungen der Konservativen und der Sozialisten alles getan worden, damit Frankreich den «Krieg» gegen den Terrorismus verliere, so Le Pen. «Sie versucht schamlos, die Angst und die Emotion zu rein politischen Zielen auszuschlachten», kommentierte Premierminister Cazeneuve.

Freitag war offiziell der letzte Wahlkampf-Tag vor der ersten Runde, am Wochenende ist dann die Veröffentlichung neuer Umfragen verboten. US-Präsident Donald Trump zeigte sich bereits überzeugt, dass der neue Anschlag einen «großen Effekt» auf die Wahl haben werde. «Die französischen Menschen werden sich das nicht länger gefallen lassen», schrieb er auf Twitter.

Laut einer noch vor dem Anschlag erstellten Ipsos-Umfrage könnten 31 Prozent derjenigen, die sicher zur Wahl gehen wollen, ihre Wahlentscheidung noch ändern. Der Sozialliberale Emmanuel Macron lag demnach bei 24 Prozent, gefolgt von Le Pen mit 22 Prozent. Der Konservative Fillon und der Linkspolitiker Mélenchon kamen beide auf 19 Prozent.

Zahlreiche Staats- und Regierungschefs kondolierten dem französischen Präsidenten François Hollande nach dem Anschlag. Darunter waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Trump und die britische Premierministerin Theresa May.

© dpa-infocom GmbH
 
5832508
Terroranschlag auf Polizisten überschattet Frankreich-Wahl
Schock vor der Präsidentenwahl: Auf dem Vorzeige-Boulevard der französischen Hauptstadt fallen Schüsse, die Terrormiliz IS reklamiert den Anschlag für sich. Beeinflusst das die Entscheidung der Wähler am Sonntag?
http://www.arcor.de/content/aktuell/news_politik_ausland/5832508,1,Wahlen--Terroranschlag-auf-Polizisten-%C3%BCberschattet-Frankreich-Wahl,content.html
http://www.arcor.de/iimages/gimages/NVN46KdD76JHO88Py6Hc9RH0lQNvbyFeVVDaXwPyQSxEDWJuklmjBbvMK6c8H7r3s2A4qYiqmdbSK4t1Wagjiw==.jpg

Arcor Video-News des Tages

 
 

Topthema - Empfehlung der Redaktion

 
Mit der Abschaffung der Störerhaftung müssen WLAN-Betreiber nicht mehr befürchten, für die Vergehen von Nutzern ihres Internetzugangs haftbar gemacht zu werden. Foto: Julian Stratenschulte © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

Koalition einigt sich auf WLAN-Gesetz

Die Gesetzgebung zum Betreiben eines öffentlichen WLAN-Hotspots drohte zu einer Endlosschleife zu werden. Kurz vor Ende der Legislaturperiode einigte ...  mehr
 
 
 

Kostendruck auf Studenten nimmt zu

Das Bafög ist nicht nur für Studenten relevant. Wer eine schulische Berufsausbildung absolviert, kann die Förderung ebenfalls in Anspruch nehmen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
Wachsende Mietkosten, zu niedrige staatliche Unterstützung durch das Bafög: Der Kostendruck auf Studenten nimmt zu. Eine Lösung wäre das Studenten-Gehalt, wie es in Dänemark gezahlt wird - Monatlich sind da bis zu 737 Euro drin. Sollten besonders talentierte oder arme Studenten auch hierzulande auf diese Weise gefördert werden?
 Absolut! Kann ja nicht sein, dass junge Leute einen Berg von Schulden machen müssen um sich aufs Berufsleben vorzubereiten.
 So ein Quatsch. Keiner ist gezwungen zu studieren. Gibt ja auch genügend Faulenzer, die aus reiner Arbeitsscheu an der Uni eingeschrieben sind...
 Das würde ganz schön viele Schmarotzer an die Uni locken. Bei arbeitsintensiven Pflichtstudiengängen wie Medizin oder Jura wäre es aber sinnvoll.
Abstimmen Ergebnis
 
In letzter Sekunde: Polizisten verhindern Unglück
 

In letzter Sekunde: Polizisten verhindern Unglück

Eine US-Polizeistreife im kalifornischen Grass Valley schützt einen jungen Mann vor einer großen Dummheit. Hätten die Beamten hier nicht so beherzt ...  mehr
 
 
 
 

Topthema - Empfehlung der Redaktion

 
Alexandra Kassen, Gründerin des Senftöpfchen-Theaters. Foto: Senftöpfchen/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

«Senftöpfchen»-Gründerin Alexandra Kassen ist tot

Köln (dpa/lnw) - Die Gründerin und langjährige Leiterin des Kölner «Senftöpfchen»-Theaters, Alexandra Kassen, ist tot. Die 94-Jährige sei am ...  mehr
 
 
 
Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

Kalenderblatt 2017: 26. Juni

Das aktuelle Kalenderblatt für den 26. Juni 2017:  mehr