Dienste

 

 

Justiz Arkansas: Todeskandidat per Giftspritze hingerichtet

Weil das Haltbarkeitsdatum eines Giftmittels naht, will Arkansas innerhalb kurzer Zeit acht Häftlinge hinrichten. Noch blockieren die Gerichte in den meisten Fällen. Doch im Falle Ledell Lees waren die Rechtsmittel in letzter Minute erschöpft.
Noch vor wenigen Tagen protestierten Personen gegen eine geplante Serie von Hinrichtungen im US-Bundesstaat Arkansas vor dem Parlamentsgebäude in Little Rock. Foto: Stephen B. Thornton/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
Noch vor wenigen Tagen protestierten Personen gegen eine geplante Serie von Hinrichtungen im US-Bundesstaat Arkansas vor dem Parlamentsgebäude in Little Rock. Foto: Stephen B. Thornton/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der US-Bundesstaat Arkansas hat nach langem juristischen Tauziehen zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder einen Häftling hingerichtet.

Der 51-jährige Ledell Lee, der wegen des Mordes an einer jungen Frau im Jahr 1993 verurteilt worden war, wurde am späten Donnerstagabend (Ortszeit) im Gefängnis von Grady per Giftspritze getötet. Die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates, Leslie Rutledge, erklärte anschließend, sie bete dafür, dass die Familie der ermordeten Frau nun mit dem Fall abschließen könne.

Lee war einer von insgesamt acht Häftlingen, die Arkansas ursprünglich vom Ostermontag an binnen elf Tagen hinrichten wollte. Die Exekution war die bislang einzige, die nicht von Gerichten verhindert wurde. In der kommenden Woche sind drei weitere Hinrichtungen geplant. Allerdings wird es deswegen wahrscheinlich weitere juristische Auseinandersetzungen geben.

Lee wurde das Gift nach Angaben der Staatsanwaltschaft um 23.44 Uhr gespritzt. Er starb zwölf Minuten später. Journalisten berichteten unter Berufung auf Zeugen, er habe anscheinend schnell das Bewusstsein verloren und offensichtlich nicht gelitten. Es war die siebte Exekution in diesem Jahr in den USA.

Arkansas hatte nach der langen Hinrichtungspause so viele Exekutionen binnen kurzer Zeit angesetzt, weil Ende April die Haltbarkeit des Wirkstoffes Midazolam in dem Giftcocktail abläuft. Es ist eines von drei Mitteln, die Gefangenen bei der Hinrichtung eingespritzt werden. Die Verwendung dieser Substanz ist wegen Berichten über qualvolles Sterben bei Exekutionen höchst umstritten.

Lee verzichtete Medienberichten zufolge auf letzte Worte. Er war im Februar 1993 festgenommen worden, kurz nachdem die 26-jährige Debra Reese in der Stadt Jacksonville mit einem Werkzeug zu Tode geprügelt worden war. Er bestritt die Tat stets.

Das «Innocence Project», ein Netzwerk, das sich der Entlastung von mutmaßlich zu unrecht verurteilten Häftlingen durch DNA-Beweise widmet, teilte in der Nacht mit: «Die Entscheidung von Arkansas, die Hinrichtung von Herrn Lee hastig durchzudrücken, weil der Vorrat an tödlichen Medikamenten am Ende des Monats abläuft, hat ihm die Gelegenheit für DNA-Tests verwehrt, die seine Unschuld hätten beweisen können.»

Die Hinrichtung war wiederholt ausgesetzt worden. Der gerichtliche Streit zog sich bis in die Nacht hin. Eine Bezirksrichterin hatte am Mittwoch eine einstweilige Verfügung gegen den Gebrauch des Mittels Vecuronium erlassen, das ebenfalls Teil des Giftcocktails ist. Die Richterin war einer Klage des Pharmahändlers McKesson gefolgt: Er hatte dem US-Staat vorgeworfen, beim Kauf vorgetäuscht zu haben, das Vecuronium zu medizinischen Zwecken benutzen zu wollen.

Das höchste Gericht des Staates hob das Verbot der niedrigeren Instanz nur wenige Stunden vor dem geplanten Exekutionstermin auf. Schließlich prüfte der Oberste Gerichtshof der USA den Fall, lehnte aber eine Aussetzung der Vollstreckung ab.

© dpa-infocom GmbH
 
5832926
Arkansas: Todeskandidat per Giftspritze hingerichtet
Weil das Haltbarkeitsdatum eines Giftmittels naht, will Arkansas innerhalb kurzer Zeit acht Häftlinge hinrichten. Noch blockieren die Gerichte in den meisten Fällen. Doch im Falle Ledell Lees waren die Rechtsmittel in letzter Minute erschöpft.
http://www.arcor.de/content/aktuell/news_politik_ausland/5832926,1,Justiz--Arkansas%3A-Todeskandidat-per-Giftspritze-hingerichtet,content.html
http://www.arcor.de/iimages/gimages/iElZUTRp9hrKff0oTlSU7+gtoc4uahfLzfc10LSToQUNcEbhSWHRVhh77eaJErOCa13jVzDsldT+GrMFoz9ZMw==.jpg

Arcor Video-News des Tages

 
 

Topthema - Empfehlung der Redaktion

 
Viele Verbraucher zahlen gerne mit der EC-Karte. Allerdings unterschreiben sie oft, ohne zuvor auf dem Kassenzettel das Kleingedruckte zu lesen. Foto: Oliver Berg/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

Wie heikel ist das Kleingedruckte beim Zahlen an der Kasse?

Schnell etwas unterschreiben, ohne es zu lesen? Was sonst ziemlich riskant wäre, tun Millionen Kunden regelmäßig bei Kartenzahlungen an der ...  mehr
 
 
 

Eine Million Euro Schadensersatz für Altkanzler Kohl

 © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
Altkanzler Kohl wird im Rechtsstreit mit seinem Ghostwriter ein Schadensersatz von einer Million zugesprochen. In dem Streit geht es um den Bestseller "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" mit nicht freigegebenen Äußerungen Kohls, der mittlerweile verboten wurde. Ein faires Urteil?
 Es bestand eine Geheimhaltungsvereinbarung - und die wurde gebrochen, also ist das definitiv die richtige Entscheidung.
 So ein Quatsch. Kohl muss zu seinen Aussagen stehen! Jetzt weiß doch eh jeder, was er über seine Kollegen denkt...
 Grundsätzlich finde ich es richtig, dass der Autor bestraft wird, aber eine Million Euro ist schon ziemlich übertrieben...
Abstimmen Ergebnis
 
Verfolgungsjagd: Polizei rammt Motorradfahrer zu Boden
 

Verfolgungsjagd: Polizei rammt Motorradfahrer zu Boden

Diese Verfolgungsjagd in Estland ist filmreif. Dashcam-Aufnahmen zeigen, wie Polizisten einen Motorradfahrer und seine Begleiterin rammen und das Bike ...  mehr
 
 
 
 

Topthema - Empfehlung der Redaktion

 
Thomas Gottschalk sollte mit "Little Big Stars" sein großes Comeback als Showmaster feiern. © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

"Little Big Stars": Gottschalk kritisiert Sat.1

Mit "Little Big Stars", einer Talentshow für die Kleinen, wollte Thomas Gottschalk am Sonntagabend sein Comeback als Showmaster feiern. Die Quoten ...  mehr
 
 
 
Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

Kalenderblatt 2017: 28. April

Das aktuelle Kalenderblatt für den 28. April 2017:  mehr