Der Landwirt Horst Seide hat neuerdings Nutztiere, die er mit bloßem Auge nicht sehen kann. Dass sie dennoch da sind, verrät ihm lediglich eine Batterie von Messinstrumenten und ein herber Geruch. Und: Mit dem, was sie produzieren, tankt er seinen VW Passat.

Schon 50 Meter vor den tankartigen grünen Riesenbehältern im niedersächischen Dannenberg beißt es in der Nase: Kein wirklich unanständiger Duft ist es, aber dennoch penetrant, typischer Bauernhof-Muff. Landluft eben, so ähnlich wie gärende Mais-Silage.

Und genau darum geht es: Gärung. In den drei Behältern, jeder etwa 50 Meter im Durchmesser, wimmelt es vor Getier. Mikroskopisch kleine Nutztiere machen sich da im Dunkeln über organisches Material her. Das große Fressen der kleinen Tiere. "Nebenbei pupsen sie das Biogas aus", sagt Bauer Seide.

Es ist Methan, also Erdgas, das in den Fermentern entsteht. Als echtes Naturprodukt muss es noch getrocknet und gereinigt werden - das geschieht in der benachbarten Anlage, die einer winzigen Raffinerie ähnelt - , und schon kann es über ein paar Meter Rohrleitung zur nächsten Tankstelle gelangen.

Dass Erdgas ein Auto-Brennstoff ist, noch dazu ein nachhaltiger, hat sich noch nicht sonderlich herumgesprochen: Seit Einführung dieses Antriebs vor gut 18 Jahren sind in Deutschland nicht einmal 100.000 Erdgasautos verkauft worden. Dabei lohnt sich die Anschaffung: Um 1 Euro pro Kilogramm (entspricht etwa einem Liter Flüssigkraftstoff) kostet das Erdgas derzeit.

Und wird konstant so bleiben: Über das Jahr 2018 hinaus, hat die Regierung inzwischen durchblicken lassen, wird Biosprit steuerlich begünstigt sein. Etwa 900 Zapfpunkte bieten den flüchtigen Sprit an - zum Vergleich: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 14.000 Tankstellen.

Horst Seide, der selbst seit Jahren Biogas in seinen Kombi presst, glaubt bedingungslos an die Zukunft des neuen Anbauprodukts. Sogar den Abfall kann er noch verwenden: "Was aus dem Fermenter herauskommt, wird von mir als Dünger für die Felder genutzt."

Wer Öko-Bedenken gegen den Öko-Kraftstoff hat, kann beruhigt werden: Bisher wurden keine Nahrungsmittel an die Bakterien in Dannenberg verfüttert, sondern lediglich Abfälle aus einer nahen Gewürzfabrik. Die erhält Seide sogar für lau, denn der Hersteller erspart sich damit die kostenpflichtige Entsorgung. Insgesamt gibt es bundesweit mehr als 6.000 Biogasanlagen; doch die überwiegende Mehrheit produziert daraus Strom.

Biogas wird in Deutschland erst seit sechs Jahren als Kraftstoff genutzt: Im benachbarten Jameln liegt die erste Tankstelle ihrer Art. Seide sah sich an, was ein Landwirt aus der Nachbarschaft organisierte, dann machte er seine eigene Spritproduktion auf. Es wird nicht die letzte bleiben.
 
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