Wenn ein Hersteller heute ein Fahrzeug anbieten würde, das bei einer Länge von gut drei Metern mäßigen Komfort und jämmerliche Sicherheit mit der kümmerlichen Leistung von 56 PS sowie horrenden Verbrauch verbindet, würden die meisten Kunden wohl dankend ablehnen.
Erst recht, wenn der Autozwerg auch noch um die 28.000 Euro kosten soll. Anders sieht es aus, wenn dieser Zwerg zudem auch noch alt und gebraucht ist. Im Falle des Austin Mini Coopers von 1965 zum Beispiel haben sich nach Berechnungen des Branchendienstes Classic Car Data die Preise für gut gepflegte Exemplare auf diesem Niveau eingependelt. Auch ein NSU TT, damals ähnlich sportlich unterwegs wie der kleine Brite, ist demnach heute 30.000 Euro wert, während das zivile Pendant, der NSU 1000, für relativ bescheidene 10.000 Euro gehandelt wird. Während man diese Preise eventuell noch mit der noch heute spürbaren Leistungsfähigkeit dieser zwar schwach motorisierten, aber leichten Kleinwagen erklären könnte, erstaunen 12.000 Euro, die für eine gebrauchte Ente in Form eines Citroen 2CV aufgerufen werden. Das kultige Gefährt hat anscheinend inzwischen den Übergang vom verschrottungsreifen Gebrauchten zum Klassiker geschafft. Noch vor wenigen Jahren war eine "Ente" für 2.000 Euro zu haben. Mehr als 29 PS haben das ulkige Vehikel regulär niemals angetrieben. Das gilt auch für Modelle wie die Isetta oder den Messerschmitt Kabinenroller. Die bayrische Knutschkugel mit Fronteinstieg wird heute für unglaubliche 18.000 Euro feilgeboten, der Kabinenroller gar für 20.000 Euro. Selbst inflationsbereinigt liegen die Preise damit um ein Vielfaches über dem damaligen Neupreis. So kostete der NSU TT in der Sportversion bei seinem Produktionsende 1972 knapp 7.000 Mark und rund ein Drittel mehr als die zivile Variante. Auch der 2CV lag 1971 in ähnlichen Preisregionen. Rund 7.400 Mark verlangten Citroen-Händler damals für den Viertürer mit 28 PS. Die hohen Preise der einstigen Arme-Leute-Autos erklärt Frank Wilke vom Analyseinstitut Classic Car Tax gegenüber dem Fachmagazin Motor Klassik mit dem besonderen Charme der Fahrzeuge. "Die Autos besitzen völlig unabhängig von ihren PS-Zahlen einen hohen Sympathie und Wiedererkennungseffekt", und der wiederum spiele beim Kauf eines Oldtimers eine zentrale Rolle. Als Beweis für diese These mag auch der VW Käfer gelten. Zwar sind für das Modell, das Deutschlands Mobilität vor allem in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ins Rollen brachte, bislang keine exorbitanten Preissteigerungen verbrieft, doch ist Deutschlands Nachkriegsmassenauto mit 26.857 für den Straßenverkehr zugelassenen Exemplaren die unangefochtene Nummer 1 unter den Oldtimern hierzulande. Vom damals fast so erfolgreichen Opel Kadett tauchen nur 3.133 Exemplare in der KBA-Liste auf. Neben Käfer und Kadett ist übrigens der VW Bulli, der Bus der ersten Generation, das einzige Fahrzeug in den Top Ten der deutschen Oldtimer, das nicht von Mercedes oder Porsche produziert wurde. Der Bulli mit seinem 45-PS-Boxermotor kostet heute 45.000 Euro und bestätigte damit eindrucksvoll die Preisentwicklung der einst unscheinbaren Massenmobile. Diese Fahrzeuge haben sich bereits zu Ikonen entwickelt: Sie tauchen in schöner Regelmäßigkeit als dekoratives Accessoire in Modekatalogen, als Bausatz, Puzzle-Motiv oder Spielzeuge auf - und das dürfte ihren Bekanntheitsgrad und Popularität, wenn nicht noch steigern, so zumindest auf hohem Niveau stabilisieren. Neue Exemplare werden nicht mehr gebaut; eher nimmt die Zahl ab. Damit sind diese Youngtimer, ob luxuriös oder schlicht, auf dem besten Weg, den Status von Antiquitäten zu erreichen: Sie werden immer nur wertvoller. SP-X/gw, UAC/rwYoungtimer
Oldtimer-Preise - Teure Zwerge
Wer in Youngtimer investieren möchte, muss nicht unbedingt nach Ferrari oder Bentley schielen: Auch kleine Klassiker sind dem Markt lieb und teuer. Im Verhältnis zu ihrer eingeschränkten Leistungsfähigkeit und Kapazität zahlt man für die entzückenden Zwerge einen hohen Preis - und der dürfte in Zukunft weiter steigen.
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