League of Legends (LoL) ist seit Ende 2009 ein zunächst kostenloses Multiplayer-Online-Spiel, bei dem Teams aus drei oder fünf Fantasie-Helden das Ziel haben, die gegnerische Basis zu zerstören. Vom Computer gesteuerte Türme und Soldaten, die Vasallen, erschweren die Eroberung. Klingt banal, denke ich, als meine Jungs mir vor ein paar Wochen davon berichten. Bis ich jüngst lese, dass die Weiterbilder der Red Bull Wings Academy im Sommer 2012 einen Workshop für das Game anbieten, bei dem Teilnehmer von Profis lernen. Und bis ich vor kurzem auf Gamestar.de erfahre, dass LoL in Europa und USA das am meisten gespielte Spiel zwischen Sommer 2011 und 2012 war. Gerundet: 1,3 Milliarden Stunden, 148.000 Jahre, 2.000 Menschenleben à 75 Jahre. Doppelt so viel wie der Zweitplatzierte World of Warcraft. Unglaublich. Was macht dieses Game so erfolgreich? Ich starte meine Recherche beim Zehnjährigen

"Weil die Helden so cool sind", erklärt er. 99 gibt es davon am 27. Juli 2012, von Ahri, der neunschwänzigen Füchsin, bis Zilean, dem Zeitwächter. In zwei Tagen soll Nummer 100 folgen: Zyra, die Gebieterin der Dornen. Allerdings kann nicht jeder Spieler jeden Heroen steuern. Jede Woche stellt das Game der Allgemeinheit zehn zufällige Helden zur Verfügung. Wer andere Helden spielen will, muss sie kaufen. Entweder gegen Punkte, die man im Spiel verdient. Oder gegen echtes Geld. Ich verstehe das erste Erfolgsgeheimnis: Pokemon-Sammelwut trifft auf künstliche Verknappung. Ich besuche meinen 15-jährigen Sohn in seinem Zimmer.
"Ich mag das Spiel, wenn ich schnell gefeeded werde - und die Ulti als erster bekomme", sagt er und erklärt: Englisch "feed" heißt "füttern". Bei Lol bedeutet "füttern", dass sich Gegner leicht besiegen lassen und der eigene Held so rascher die nächste Stufe erreicht. Frühestens ab Level sechs schalten Spieler dann ihre "Ulti" frei, die ultimative Attacke, ihren mächtigsten Angriff. Geheimnis Nummer zwei scheint also das schnelle Machtgefühl zu sein, das einem eine 30 bis 60 Minuten lange Partie schenkt. Das muss ich nun selbst ausprobieren.
Also erstelle ich einen kostenlosen Account, werde von meinen Söhnen in eine Gruppe eingeladen, wähle bei Spielstart Heilerin Soraja, höre wenig später "Papa, Du Noob" - und verstehe viel später zum ersten Mal die Faszination des Spiels, als ich meine "Ulti" einsetze, alle Mitglieder meines Teams heile und wir so den Angriff der Feinde zurückdrängen. Vor allem, als wir später die gegnerische Basis erobern, ich dafür Punkte erhalte und mir vorstelle, welche Helden ich dafür in Zukunft kaufe. Bei der Statistik bis Sommer 2013 werden ab sofort auch meine Lebensstunden enthalten sein.















