
Die Szene könnte aus seinem düstersten Drama stammen: Mit 34 Jahren zieht es Heinrich von Kleist auf eine malerische Anhöhe am Berliner Wannsee. Nervlich angeschlagen, beruflich enttäuscht und finanziell ruiniert macht der große deutsche Dichter seinem Leben ein Ende.
Eine 31-jährige, schwer krebskranke Freundin begleitet ihn in den Freitod. Zwei Schüsse fallen. «Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war», schreibt Kleist im Abschiedsbrief an seine Lieblings(halb)schwester Ulrike.Am Montag jährt sich der berühmteste Doppelsuizid der Literaturgeschichte zum 200. Mal. In dem Kleistjahr, das Anfang März aus diesem Anlass ausgerufen wurde, hat der Schriftsteller all das, was ihm zeitlebens an Aufmerksamkeit verwehrt wurde, nun im Übermaß erfahren.