Spanier, Portugiesen, Italiener - viele Einwanderer suchten ihr Glück auf dem kaum bekannten Kontinent Südamerika. Noch heute kann man diese Einflüsse in der Kultur und vor allem auf den Tellern in Brasilien, Kolumbien und Co. spüren. Oder wussten Sie, dass Gnocchi in Argentinien ein echter Klassiker sind?

Argentinien hat mehr zu bieten als Steaks
Bei uns verbindet man mit der argentinischen Küche eher ein lecker Rumpsteak oder einen saftigen Fleischspieß. Zu recht! Denn in kaum einem anderen Land wird so viel Fleisch verzehrt wie hier. Besonders Rind und Lammfleisch kommen häufig auf den Tisch. Die Qualität ist über die Grenzen bekannt und ein argentinisches Rumpsteak gilt hierzulande als echte Delikatesse. Im Süden Südamerikas wird es meist pur, ohne Soße gegessen. Entscheiden sich die Argentinier doch für eine Beilage, ist besonders die scharf gewürzte Soße "Chimichuri" beliebt.

Doch Argentinien hat mehr zu bieten als gegrilltes Fleisch. Kulinarisch ist das Land im Süden des Kontinents ein echter Schmelztiegel. Wie in allen Ländern Südamerikas treffen hier die Gerichte und Essgewohnheiten der Ureinwohner auf die Einflüsse von Kolonialmacht Spanien und anderer Einwanderer aus Europa. Locro, ein Eintopf aus Mais, Bohnen, Kartoffeln, Gemüse und etwas Fleisch, stammt zum Beispiel noch aus der Zeit der Quechua-Indianer. Einige Gerichte sind sehr einfallsreich und benötigen viel Geschick, wie etwa die Humitas en chala. Diese werden aus Maismehl und Maisschalen zubereitet. Die Konsistenz ist mit einer dickflüssigen Polenta zu vergleichen und wird gut gewürzt. Die Maisschalen werden mit der Maismischung gefüllt, fest zugebunden und gekocht. Humita en chala dient zum Beispiel als Beilage zu einem Hühnereintopf. Das optimale Gericht für zwischendurch ist die Chipa, ein herzhaftes Gebäck aus Maniokmehl und Käse, das sehr gerne zu Mate-Tee gegessen wird.

Mate-Tee ist in Südamerika äußerst populär und gilt als Nationalgetränk. Obwohl wir mit dem Kontinent vor allem den Kaffeeanbau verbinden, wird der beliebte Mate häufiger getrunken als Kaffee.

Besonders gern mögen die Argentinier ihre Nachspeise, die vor allem von der spanischen Küche geprägt sind. So sind die argentinischen Churros - krapfenähnliche Fettgebäcke - den spanischen optisch sehr ähnlich. Ansonsten bieten Ziegenkäse mit Honig, Süßkartoffel-Konfitüre mit Käse, oder ein warmer Quittenkuchen eine rießige Auswahl für jeden Geschmack. Beliebt ist vor allem eine Milchreisvariante namens Mazamorra, wobei der Reis durch Mais ersetzt wird. Ein Klassiker sind die frittierten Blätterteig-Teilchen Pastelitos, die entweder mit Quitten oder Süßkartoffel-Konfitüre gefüllt werden.

Das italienische Gerichte wie Spaghetti, Tortellini, Cappelletti, Ravioli und Lasagne in Argentinien so beliebt sind, ist nicht verwunderlich. Anfang des 20. Jahrhunderts kam mit den Einwanderern aus Italien auch deren kulinarischer Einfluss und machte diese Landesküche noch vielfältiger.

Brasilien bietet viele regionale Spezialitäten
Brasilien ist ein rießiges Land mit großen regionalen Unterschieden. Das gilt nicht nur für Bräuche und Kultur, sondern auch für kulinarische Belange. So sind Speisen, die im Süden als Spezialtäten gelten, im Norden nicht einmal mit Namen bekannt. Einwanderer haben die brasilianische Küche sehr beeinflusst: In einigen Gebieten im Süden merkt man den deutschen Einfluss, die italienischen und japanischen Einwanderer haben die Küche in São Paulo geprägt. Vor allem Kolonialmacht Portugal hat die Essgewohnheiten sehr verändert.

Ein Gericht, das im ganzen Land beliebt und bekannt ist, ist die Feijoada, ein deftiger Eintopf, der aus schwarzen Bohnen, Rind- und Schweinefleisch, Speck oder Wurst, Knoblauch und Pfeffer sowie gut zwei Dutzend weiteren Zutaten zubereitet wird. Bei Touristen und in brasilianischen Restaurants weltweit ist vor allem der Churrasco beliebt. Dieser Spiesbraten stammt aus dem Süden des Landes und wird meist als Rodizio angeboten. Beim Rodizio wird zu Beginn des Essens eine feste Summe bezahlt. Anschließend kann der Gast soviel essen wie er will. Die Kellner bringen mehrere gegrillte Fleischsorten und Beilagen direkt an den Tisch. "All you can eat" hat in Brasilien also eine lange Tradition.

In Sachen Desserts steht Brasilien Argentinien in nichts nach.Viele brasilianische Nachspeisen werden aus Früchten, Kokosnuss, Eigelb oder Milch gemacht. Kokosnuss erscheint auf verschiedenste Art als Nachspeise. Portugisische Einflüsse zeigen sich vor allem in Quindim, einer reichhaltige Kokosnuss-Eiercreme, der Doce de leite, eine brasilianische Version von Crème Karamel und Pudim de leite, ein süsser Pudding, der aus Kondensmilch und Karamellsirup gemacht wird.

Die Getränkekarte besticht natürlich durch Caipirinha, ein Cocktail aus Cachaça (Zuckerrohrschnaps), Limonen, viel Eis und Zucker. Auch die frischgepressten Säfte und Guaraná, ein alkoholfreies Getränk aus Amazonien, das überall wie eine Art nationale Coca-Cola in Cafés und Läden verkauft wird, sind eine Kostprobe wert.