Dienste

 

 

Immobilien Treiben Immobilienkonzerne die Mieten?

Börsennotierte Immobilienkonzerne sind Giganten auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Kritiker werfen ihnen vor, sie würden die Mieten mit ihrer Marktmacht übermäßig anheben. Was ist dran an dem Vorwurf?
Mieterschützer werfen Immobilienkonzernen vor, die Mieten in die Höhe zu treiben. Die Verwalter argumentierten oft mit Vergleichswohnungen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
Mieterschützer werfen Immobilienkonzernen vor, die Mieten in die Höhe zu treiben. Die Verwalter argumentierten oft mit Vergleichswohnungen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Sie verwalten Hunderttausende Wohnungen: In den vergangenen Jahren haben Konzerne wie Vonovia, LEG Immobilien und Deutsche Wohnen einen rasanten Aufschwung erlebt.

Allein Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia besitzt 340 000 Wohnungen und ist an der Börse rund 15,7 Milliarden Euro wert. Wie viele andere ist er mit Privatisierungen früherer Arbeiterwohnungen um die Jahrtausendwende gewachsen. Erhöht Vonovia die Mieten, freut das die Investoren, trifft aber Hunderttausende Menschen.

Die Marktmacht sorgt für Kritik von Mieterschützern. So warf der Berliner Mieterverein dem Unternehmen Deutsche Wohnen jüngst eine «expansive Mieterhöhungsstrategie» in der Hauptstadt vor. Sie erhebe Mieten über den ortsüblichen Vergleichswerten. Doch lässt sich belegen, dass börsennotierte Konzerne Gewinne auf dem Rücken der Mieter maximieren?

Tatsächlich ist die Marktmacht der Privaten geringer als oft angenommen. So gibt es nach letzten verfügbaren Erhebungen von 2011 gut 41 Millionen Wohnungen hierzulande. 17,5 Millionen werden laut Statistischem Bundesamt selbst genutzt, der Rest wird vermietet. «Davon entfallen mit 3,2 Millionen nur rund 15 Prozent auf private Wohnungsunternehmen», sagt Günther Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School Bochum. Der Rest befinde sich in der Hand von Genossenschaften, öffentlichen Wohnungsunternehmen oder privaten Kleinvermietern.

Konzerne wie Vonovia haben angekündigt, die Mieten weiter anzuheben. «Ich sehe nicht, warum sich das ändern sollte», sagte Chef Rolf Buch jüngst. Kritik wegen überhöhter Steigerungen weisen sie aber zurück. Dort, wo es einen qualifizierten Mietspiegel gebe, habe das Unternehmen diesen anerkannt, sagt eine Vonovia-Sprecherin. Zuletzt habe man die Mieten eher moderat angehoben. Im Schnitt lägen sie bei rund 6 Euro je Quadratmeter kalt. Zu Mieterhöhungen von im Schnitt 1,5 Prozent kamen 2016 noch 1,8 Prozent mehr nach Modernisierungen. So waren die Nettokaltmieten rund 3,3 Prozent höher als im Vorjahr.

Konkurrent LEG Immobilien hat die Mieten um 2,5 Prozent auf 5,34 Euro kalt angehoben, die Deutsche Wohnen um 2,9 Prozent auf 6,09 Euro pro Quadratmeter. Zu Vorwürfen äußerte sich letztere nicht.

«Der Trend ist, dass die Mieten weiter steigen», sagt Silke Gottschalk vom Deutschen Mieterbund in Düsseldorf. Gerade Mieter bei Vonovia hätten «ganz ordentliche» Erhöhungen verkraften müssen. Aber steigen die Mieten bei der Privaten stärker als anderswo?

Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft, sieht das nicht. Er hat auf Basis von 300 000 Wohnungsinseraten in den zehn größten Städten Nordrhein-Westfalens untersucht, wie die Mieten bei verschiedenen Anbietern ausfallen. Sein Fazit: «Die Durchschnittsmieten bei privaten Wohnungsunternehmen sind ähnlich hoch wie etwa bei öffentlichen Verwaltern.» Auch kommunale Firmen schauten auf die Rendite. Zwar sagt die Studie nichts über die gesamte Bundesrepublik, doch in Nordrhein-Westfalen sind Konzerne wie Vonovia und LEG mit vielen Wohnungen vertreten.

Und selbst bei großen Übernahmen wie 2015, als Vonovia den Konkurrenten Gagfah schluckte, habe das Kartellamt keine marktbeherrschende Stellung moniert, sagt Voigtländer. Auch die Monopolkommission, die die Entwicklung der Mieten laufend beobachte, erhebe keine Einwände. «Der Wettbewerb funktioniert doch», sagt er.

Mieterschützerin Gottschalk stellt indes fest, dass große Wohnungsgesellschaften Mieterhöhungen mit «allen rechtlichen Hebeln» durchsetzen. «Die Großen sind viel professioneller.» So werde bei Mieterhöhungen häufig nicht der örtliche Mietspiegel zugrunde gelegt, sondern mit Vergleichswohnungen argumentiert.

Sie kritisiert, dass Sanierungen die Mieten treiben. So will Vonovia künftig jährlich eine Milliarde Euro in Neubau und Modernisierung stecken. Während Mieterschützer früher oft die Vernachlässigung von Wohnungen angeprangert hätten, gebe es heute Streit um Modernisierungen, meint Gottschalk. Es sei oft schwierig abzugrenzen, ob es sich um Instandhaltungen handele, die Vermieter tragen müssten. Nach dem Einbau neuer Fenster oder Bäder würden im Schnitt sieben bis acht Prozent der Kosten auf die Nettokaltmiete umgelegt. Gerade für sozial Schwächere könne das eine hohe Belastung sein.

In regionalen Märkten könnten die Konzerne schon Einfluss haben, sagt Stefan Mitropoulos, Immobilienexperte bei der Bank Helaba. So hat Vonovia in Bochum und Bremen einen Anteil im Mietmarkt von bis zu 20 Prozent. Und Deutsche Wohnen zählt zu den größten Vermietern in Berlin. «In diesen Bereichen hat die Strategie der Konzerne schon eine Wirkung, aber eben keine marktbeherrschende», sagt Mitropoulos.

Das lange rasante Wachstum der Mega-Verwalter über große Käufe scheint aber ohnehin vorüber. Es gebe einen Trend zu öffentlichem Eigentum, sagt Professor Vornholz. «Städte wollen kommunale Wohnungsgesellschaften nicht mehr veräußern und so politische Steuerungsinstrumente aus der Hand geben», sagt er. Auch habe sich die Haushaltslage vieler Kommunen verbessert. «Die Zeit der großen Deals ist vorerst vorbei.»

© dpa-infocom GmbH
 
 Zur Übersicht Haushalt & WohnenZur Startseite 
 

 
 
5786180
Treiben Immobilienkonzerne die Mieten?
Börsennotierte Immobilienkonzerne sind Giganten auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Kritiker werfen ihnen vor, sie würden die Mieten mit ihrer Marktmacht übermäßig anheben. Was ist dran an dem Vorwurf?
http://www.arcor.de/content/leben/wohnen/5786180,1,Immobilien--Treiben-Immobilienkonzerne-die-Mieten,content.html
http://www.arcor.de/iimages/gimages/j6AzQ70N2OODMH727rqbC2VnfrXHI6UB4GPVXyGS2RRXL6FDFk7fbAICbm7NKNtLKoCNcoWhEzTuY897iDpI1w==.jpg

Tierisch!

 
 

Topthema - Empfehlung der Redaktion

 
Viele Verbraucher zahlen gerne mit der EC-Karte. Allerdings unterschreiben sie oft, ohne zuvor auf dem Kassenzettel das Kleingedruckte zu lesen. Foto: Oliver Berg/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

Wie heikel ist das Kleingedruckte beim Zahlen an der Kasse?

Schnell etwas unterschreiben, ohne es zu lesen? Was sonst ziemlich riskant wäre, tun Millionen Kunden regelmäßig bei Kartenzahlungen an der ...  mehr
 
 
 

Voting

 © ingimage.com
Immer mehr Promi-Ladys lassen sich stolz mit üppiger Achselbehaarung ablichten. Doch der haarige Trend stößt nicht überall auf Begeisterung...was sagst Du zu dem umstrittenen Thema?
 Pfui, das ist einfach nur eklig und unhygienisch...
 Natürlichkeit ist Trumpf - ein echt lässiger Trend! Find ich super!
 Für mich wäre das nichts, aber leben und leben lassen, nicht wahr?!
Abstimmen Ergebnis
 

Topthema - Empfehlung der Redaktion

 
Thomas Gottschalk sollte mit "Little Big Stars" sein großes Comeback als Showmaster feiern. © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH
 

"Little Big Stars": Gottschalk kritisiert Sat.1

Mit "Little Big Stars", einer Talentshow für die Kleinen, wollte Thomas Gottschalk am Sonntagabend sein Comeback als Showmaster feiern. Die Quoten ...  mehr
 
 
Verfolgungsjagd: Polizei rammt Motorradfahrer zu Boden
 

Verfolgungsjagd: Polizei rammt Motorradfahrer zu Boden

Diese Verfolgungsjagd in Estland ist filmreif. Dashcam-Aufnahmen zeigen, wie Polizisten einen Motorradfahrer und seine Begleiterin rammen und das Bike ...  mehr