KRASSE SELBSTEINSCHÄTZUNG
Auch Paul macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Spielt deine Freundin genauso gut Tennis wie du?", wurde der ehemalige Ranglistenspieler kürzlich gefragt. "Wenn sie so spielte wie ich, würde sie es bis ins Finale von Wimbledon bringen", so der 46-Jährige. Eine Selbsteinschätzung, die an die alte Denke "Herreneinzel mit Damenbehinderung" erinnert - und so ähnlich häufig unter ehrgeizigen Freizeitsportlern vertreten ist.
Dabei könnte alles so schön und harmonisch sein: Zwei, die sich lieben, gehen biken. Oder laufen. Stehen als gemischtes Doppel auf dem Tennisplatz. Oder carven gemeinsam die Hänge hinunter. So weit der schöne Schein. Doch die Praxis sieht oft anders aus. Wissenschaftler haben untersucht, warum beim gemeinsamen Sport so häufig die Fetzen fliegen und aus Dream-Teams erbitterte Gegner werden.
Auch wenn es doch ziemlich nach Klischee klingt: Für den Sportpsychologen Dr. Oskar Handow scheint die geschlechtsspezifische Motivation dabei einer der Gründe zu sein. Männer sind wettkampforientierter und messen sich gern. Frauen dagegen treiben überwiegend Sport, weil sie fit sein wollen, ihr Gewicht im Blick haben und Entspannung suchen.
UNTERSCHIEDLICHE LEISTUNGSNIVEAUS
Dr. Jeannine Ohlert, Sportpsychologin an der Deutschen Sporthochschule Köln, hält darüber hinaus ein unterschiedliches Leistungsniveau für potenziellen Zündstoff: "Wer mit seinem Partner zusammen trainieren will, muss ungefähr auf dem gleichen Leistungsniveau sein. Sonst können die Anpassungsprozesse auf beiden Seiten zur echten Belastungsprobe werden", so die Expertin. Was nicht bedeuten muss, dass sporttechnisch nichts mehr zusammen stattfindet. Allerdings, so ihr Credo: "Auf jeden Fall vorher gemeinsam Ziele abklären und darüber reden."
Manchen gelingt das richtig gut. Zu ihnen gehört Rainer, ein begnadeter Skifahrer, dem es nie steil genug sein konnte. Inzwischen ist er mit Tina liiert, seiner großen Liebe, die man skifahrtechnisch bestenfalls als ungeübt einstufen könnte - und fährt nur noch flache Pisten. Weil sie es ihm wert ist.











