Auch wenn sich Experten uneins sind, ob man lieber "respekt­voll wegsieht" oder die Außenbeziehungen der Partner besser einvernehmlich regelt - deutlich wird: Es lohnt sich, darüber nach­­zu­denken, wie man lieben will. Das kann durchaus monogam sein, etwa solange zwei Partner das empfinden, was die Schauspielerin Julie Andrews so schön formuliert hat: "Treue ist, wenn Liebe Spaß macht." Aber viele predigen Wasser und wollen doch Schampus. Im Klartext: Der hohe morali­sche Anspruch der Treue fällt dem irgend­wann willigen Fleisch nur allzu oft zum Opfer. Für Paarberaterin Fischbach zählt deshalb, Verantwortung für die Liebe zu übernehmen: "Treue 2.0 braucht kein Nein zu Dritten, sondern ein Ja zum Geliebten und der Beziehung mit ihm."

Aber was passiert mit Gefühlen wie Verlustangst und Eifersucht, die ent­ste­hen, wenn sich der Partner fremdverliebt? "Kurzfristig nichts, weil wir gelernt haben, Eifersucht als Zeichen von Liebe zu interpretieren und nicht als ein Selbstwert­problem in Verbindung mit Ab­hängigkeit in Beziehungen", sagt Lendt. "Wer aber die Verantwortung für seine Eifersucht übernimmt, kann an ihr wachsen und sie überwinden lernen." Auf einer stabilen, vertrauens- und liebevollen Basis ver­liert die Angst, den anderen zu verlieren, an Bedeutung. "Es gibt keine Kriminalisierung mehr - also auch kein Fremdgehen im eigentlichen Sinne", ergänzt Fischbach.

Wie die Liebesbeziehungen der Zukunft aussehen können, zeigt die entspannte Haltung von Rainer und Ragna, beide 40. Wenn die Ban­kerin Liebeskummer mit ihrem Freund hat, gibt es für sie immer nur einen, bei dem sie sich ausweinen würde: ihren Ehemann.
 
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