Osteuropa, ein Schmelztiegel der Kulturen und somit auch der kulinarischen Vielfalt. Besonders die russische Küche hat einen starken Einfluss auf die Gerichte der Region. Doch neben dem größten Land der Erde prägen auch die jüdische Küche, die polnischen Essgewohnheiten und die Gerichte des Balkans die Rezepte aus Osteuropa. Viele Spezialitäten kommen ihnen sicher aus der heimischen Küche bekannt vor, ursprünglich stammen diese Gerichte aber aus der regionalen Küche Osteuropas. Die Gulaschsuppe ist ein klassisch ungarisches Rezept und der Mohnkuchen hat seine Herkunft der polnischen Küche zu verdanken. Und auch die Soljanka, die in den neuen Bundesländern besonders verbreitet ist, ist ein russisches Gericht.

Russische Spezialitäten
Zusammen kochen, essen und genießen - so lautet das Motto beim russischen Essvergnügen. Da verwundert es nicht, dass russische Gerichte oft in mehreren Gängen serviert werden. Ein festliches Essen beginnt in Russland stets mit den kalten Vorspeisen, einer ganzen Reihe unterschiedlicher Salate (meist mit Mayonnaise), Sülzen, eingelegtem Fisch, den Piroggen (russisch "Piroschki"), und belegten Brötchen. Zu den traditionellen, kalten Vorspeisen gehören auch der Luxus-Gaumenschmaus "Kaviar" und gefüllte Eier.

Die russische Küche ist reich an Suppen. Besonders bekannt ist Borschtsch (Rote-Bete-Suppe), Soljanka, Ucha (Fischsuppe) und Schtschi (Kohlsuppe). Zu den Suppen werden Roggenbrot und gefüllte Teigtaschen, die Pelmeni, gegessen. Ebenfall beliebt ist die kalte Suppe Okroschka, die besonders gern im Sommer serviert wird. Sie wird aus Sahne und Kwas (einem kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränk, welches durch Gärung aus den Grundzutaten Wasser, Roggen und Malz gewonnen wird), Fleisch, Gurken, Kräutern und Gewürzen zubereitet. Dazu werden saure Sahne und gehackte hartgekochte Eier gereicht. Blinis stammen ebenfalls aus dieser Kochkultur und sind klassische russische Gerichte, die unseren deutschen Pfannkuchen ähneln. In Russland und Osteuropa werden Sie mit saurer Sahne serviert. Bei den Füllungen sind der Kreativität aber keine Grenzen gesetzt. Ob herzhaft oder süß, jeder kann sich die Eierspeise zubereiten, wie er es am liebsten mag.

Nicht zu vergessen ist das bekannteste Getränk Russlands - der Wodka. In Russland wie auch in Polen wird er meist im Rahmen einer langen Mahlzeit konsumiert. Meist werden viele kleine kalte oder warme Speisen über einen Tisch verteilt, von denen jeder etwas isst, während zwischendurch immer wieder ein Wodka getrunken wird. Sowohl Polen als auch Russland beanspruchen die "Erfindung" des Wodkas für sich. Bis heute ist ungeklärt wo im 14. Jahrundert das erste "Wässerchen" (slaw. "voda" = Wasser) hergestellt wurde.

Die Balkanküche
Zur so genannten Balkanküche gehören die bulgarische Küche, die rumänische Küche, die Regionalküchen des ehemaligen Jugoslawiens, die albanische und die türkische Küche. Wobei besonders türkische Rezepte mehr von der orientalischen Küche geprägt sind. Zu den typischen Gerichten gehören Moussaka, Köfte, Börek, Baklava, Dolma und saure Suppen. Das Fleisch wird häufig gegrillt oder am Spieß gebraten, aber Brot und Getreide bilden die Basis der Ernährung. Weit verbreitete Gemüsesorten sind Hülsenfrüchte, Kohl, Wurzelgemüse, Zucchini, Tomaten und Auberginen. In Sachen Gewürze und Kräuter sind vor allem Zwiebeln, Knoblauch, Kapern, Petersilie und Paprika typisch für die Balkanküche. Es gibt diverse Sorten Gemüsepaprikas, aber auch scharfe Chilis. Die Schoten werden als Salate, Gemüse, in Öl oder Essig eingelegte Antipasti oder auch mit Reis und Fleisch gefüllt verwendet und daneben vor allem auch als Gewürzpulver beigemischt.

Polen kocht "Multikulti"
Bedingt durch die bewegte Geschichte des Landes, ist auch die Küche in Polen sehr vielseitig. Es sind sowohl Einflüsse aus der Türkei und Russland aber auch von westeuropäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich zu erkennen. Das polnische Nationalgericht Bigos kommt aber typisch osteuropäisch daher und ist ein herzhafter Schmoreintopf aus Sauerkraut und Weißkohl, mit mehrerlei Fleisch (Rind, Wild, Schwein) und verschiedenen Wurstsorten, mit Waldpilzen und Karotten, Pfeffer, Piment, Lorbeer, Tomatenmark. Das Gericht ist jahrhundertealt, wird wegen seiner Haltbarkeit geschätzt und besonders gern im Winter gekocht und gegessen. Ein unverkennbares Merkmal polnischer Rezepte sind die typischen Gewürze und Kräuter. Neben Pfeffer wird in Polen besonders gern Majoran verwendet. Auch Dill, Piment, Muskatnuss und Petersilienwurzel sind Bestandteil zahlreicher Speisen.