Wenn Helmut Kohl Staatsgäste in seiner Heimat begrüßte, dann kam keiner am Pfälzer Saumagen vorbei, der so zu internationalem Ruhm gelangte. Doch das Leibgericht unseres verehrten Altkanzlers ist bei weitem nicht das einzig leckere Highlight, das im Südwesten der Republik auf den Tellern präsentiert wird. Teilt man den kulinarischen Südwesten in Gebiete auf, so handelt es sich um Baden, die Pfalz und das Saarland. Je nach Gebiet gibt es recht unterschiedliche Spezialitäten, doch auch viele Gemeinsamkeiten. Überall werden gern Flammkuchen, Schupfnudeln (auch "Bubespitzle" oder "Wargenudle" genannt), Weinbergschnecken, in Weißwein zubereitetes Sauerkraut und Kirschenmichel gegessen.

Die Badische Küche zwischen Konstanz und Walldürn weist große regionale Unterschiede auf. Trotz des wärmsten Klimas Deutschlands, den fruchtbaren, vulkanischen Böden und den vielen Obst- und Gemüsekulturen gibt es keine typische badische Spezialität. Die Gerichte sind meist Abwandlungen aus angrenzenden Regionen und Ländern, wobei die meisten Anregungen aus dem Elsass und der Schweiz stammen. Als typisch badisch würde man trotzdem Innereien, Schnecken, Spätzle, Knöpfle und Eiernudeln, badische Schneckensuppe, feines Sauerkraut oder Schäufele und Baeckeoffe bezeichnen. In Baden befindet sich das drittgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands, das als einziges Gebiet unseres Landes zur Weinbauzone B der Europäischen Union zählt. Damit schließt es sich den Anbaugebieten wie dem Elsass, der Champagne und dem Loire-Tal an. Neben Wein werden viele Edelbrände sowie Bierspezialitäten und Säfte aus lokaler Produktion getrunken.

Die Pfälzer Küche besteht aus regionalen Gerichten und ist ähnlich deftig wie auch die restliche Küche Deutschlands, jedoch deutlich schärfer gewürzt. Typisch für die Pfalz sind Esskastanien (Keschte oder Keschde), die zusammen mit Rotkraut als Beilage zu einem Enten- oder Hasenbraten an Sonn- und Feiertagen serviert werden. Weitere Spezialitäten der Pfalz werden nach den Himmelsrichtungen aufgeteilt. So werden in der Westpfalz "Hoorische", zu Hochdeutsch Haarige, verzehrt - kleine Kartoffelklöße aus rohen, geriebenen Kartoffeln mit Speck und Lauchzwiebeln. Genauso beliebt ist Lakzervelat, eine Zervelatwurst aus gepökeltem Fleisch. Die gekochte Wurst gibt es zwischen Weihnachten und Neujahr zusammen mit Sauerkraut. Dampfnudeln mit salzigen oder süßen Beilagen schätzt man in der Vorderpfalz. In der Südpfalz gedeihen vor allem Mandeln, Kiwis, Zitrusfrüchte und Feigen, darum ist die Küche auch von mediterranem Flair geprägt. Sehr berühmt ist auch der Pfalzwein, der an der Weinstraße, am Westrand der Rheinebene und im Schutz des Gebirgszuges der Haardt gedeiht. Die größte Weinanbauregion Deutschlands, nämlich Rheinhessen, liegt in Rheinland-Pfalz. Etwa ein Fünftel dieser Region ist mit circa 120 Millionen Rebstöcken bepflanzt. Diese bringen jährlich mehr als 2,5 Millionen Hektoliter Wein.

Die Saarländische Küche ist sehr reichhaltig und es werden viele regionale Produkte verwendet, zum Beispiel Kartoffeln, Zwiebeln, Lauch, Bohnen und Sauerkraut. Bekannt ist der "Schwenker", gewürztes Schweinefleisch, das auf einem Schwenkgrill zubereitet wird. Dibbelabbes ähneln Kartoffelpuffer, nur das der Teig aus Kartoffeln, Lauch und Speck besteht. Bier und Wein wird gleichermaßen in dieser Region getrunken. Die bekannteste Brauerei ist Karlsberg und das Weinanbaugebiet an der Mosel ist zwar klein, doch unter Kennern sehr geschätzt.