Die Bewohner um und an der Ostsee kombiniern mit Vorliebe süße und salzige oder saure Speisen miteinander. Diese Gerichte werden als "broken sööt" bezeichnet - gebrochene Süße. In Thomas Manns Roman "Die Buddenbrooks" dreht sich eine Szene genau um diese Essgewohnheit: Tony Grünlich, eine geborene Buddenbrook, will sich eines Predigers entledigen, der ihr vor allem durch seinen übermäßigen Appetit zu Last fällt. Darum reicht sie ihm ein süßsaures Gericht. Beispielhafte Rezepte für diese Geschmacksrichtung sind die "Göösküül söötsuur", sprich süßsaure Gänsekeule, das Holsteiner Sauerfleisch, der Eintopf "Birnen, Bohnen und Speck", Grünkohl mit Kassler und karamellisierten Röstkartoffeln, Mecklenburger Pflaumenbraten und das süßlich angemachte Rübenmalheur. Somit wird in dieser Region Deutschlands also sehr gern Fleisch mit süßen Beilagen gegessen. Diese können als Füllung, Fruchtsoßen oder Kompott zum Essen serviert werden.

Neben den süßsauren Essgewohnheiten ist auch die Nähe zum Meer für diese Region prägend: Viel Fisch kommt hier auf die Teller. Die Fischküche der Ostsee hat viel zu bieten, so wird in Mecklenburg-Vorpommern gern geräucherter Fisch gegessen. Aale, Makrele und Forelle gehören hier zu den beliebtesten. Die Kieler Sprotten, die eigentlich aus Eckernförde kommen, werden ebenfalls geräuchert und gelten als Ostsee-Delikatesse. Jedes Jahr im Juni werden in Glücksburg die Matjeswochen gefeiert. Matjes sind besonders milde Salzheringe, die durch Enzyme in einer Salzlake heranreifen. Als nicht geräucherter Fisch werden die Maischollen und der Karpfen gegessen. Letzterer ist ein typischer Weihnachts- oder Silvesterschmaus. Der Fisch findet sich auch in vielen traditionellen Gerichten wieder, so gibt es hier Kak't Dösch (Dorsch mit Gemüse), Stralsunder Fischtopf, Rügener Aalsuppe, Saßnitzer Herings-Kartoffel und Doberaner Fischsuppe.

Die Küche der Ostseeregion wird durch die Bundesländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Beide Küchen sind bürgerlich, derbe-deftig und beziehen ihre kulinarischen Einflüsse aus Niedersachsen und Dänemark. Daher verwundert es nicht, dass die Kartoffeln, hier "Tüften" genannt, zu einer beliebten Beilage gehören. In Sachen Fleisch und Fleischgerichte gibt es jede Menge Auswahl aus den beiden Bundesländern. Eine bekannte und für die Region berühmte Spezialität sind die Deichschafe. Diese grasen auf den Salzwiesen, dadurch wird ihr Fleisch besonders aromatisch. Deftige und beliebte Fleischrezepte sind der Kloppschinken, Mecklenburger Rippenbraten, Pommersche Tollatschen, Gestowte Wruken (Schweinebauch mit Kohlrüben), Schweriner Grützwurst mit Sauerkraut und Bratkartoffeln, Holsteiner Sauerfleisch und die Swarrsuer (zu Hochdeutsch Schwarzsauer, eine Blutsuppe). Neben diesen Gerichten bietet die Ostseeküche aber auch noch zwei ganz besondere kulinarische Delikatessen: Holstein-Käse und Holsteiner Kantenschinken.

Ohne Fisch oder Fleisch kommen hier nur recht wenige Rezepte aus, doch es gibt auch Ausnahmen. Zum Beispiel die Mehlbüddel (Mehlbeutel), Schüüsch (gemeint ist eine Gemüsesuppe) und Fliederbeersuppe. Die Mehlbüddel zählen sogar als Nationalgericht der Region Dithmarschen. Diese Hauptspeise wird aber auch gern mit einem Stück Fleisch gegessen. Zum Nachtisch wird es dänisch, denn die verbreitetste Nachspeise an der Ostsee ist die Rote Grütze, die mit flüssiger Sahne verzehrt wird. Ein Rezept, das aus dem nahen Dänemark stammt, doch es gibt auch noch andere Leckereien zum Dessert: Brotpudding, Honigkuchen und weiße Pfeffernüsse. Letztere Süßigkeiten gibt es vor allem zur Weihnachtszeit.

Wer rund um die Ostsee in einer Kneipe ein "Lütt un Lütt", also "Klein und Klein" bestellt, der bekommt ein kleines Bier mit Schnaps. Diese Kombination ist hier sehr beliebt. Zu den Schnäpsen der Region zählen Korn und Köm, beim Bier gehören das Flensburger Pilsener und das Dithmarscher Pilsener mit der obligatorischen Bügelflasche zum Kneipenbild. Bekannt ist auch die "Tote Tante", welches ein Heißgetränk aus Kakao mit einem Schuss Rum meint.