Es ist jedes Jahr aufs Neue das größte Sportereignis der Welt. Die ganze Welt schaut in diesen Tagen nicht nur auf die beiden Teams, am Sonntag stehen sich die New England Patriots (zuletzt 2005 Sieger) und die New York Giants (zuletzt 2008 Sieger) gegenüber, sondern auch auf die Stadt. Erstmals seit 1967 ist der Super Bowl zu Gast in Indianapolis. Und seit Tagen bereiten sich Mannschaften, Top-Stars (Madonna wird in der Halbzeit-Pause auftreten) und Fans auf das Spektakel vor.

Mit dem neuen Stadion hat Indianapolis nur darauf gewartet, erstmals die beiden besten Football-Teams der Welt in der Stadt zu begrüßen. 2008 wurde das Lucas Oil Stadium eröffnet, bis zu 70.000 Zuschauer haben bei einem Football-Spiel Platz in der Arena, die nach einem Motoren-Öl-Hersteller benannt wurde. Der hat sich die Namensrechte für 20 Jahre gesichert, der Bau des Stadions kostete 720 Millionen US-Dollar.

Das Stadion hat ein einziehbares Dach, das den Indianapolis Colts (das Football-Team der Stadt) ermöglicht, unter freiem Himmel zu spielen. An der Nord- und Südseite hat das Stadion eine große Glaswand, die ebenfalls geöffnet werden kann. Viel Spaß hatten die Fans in diesem Jahr aber nicht: Die Colts, 2007 Champion und 2010 Finalist, gewannen nur zwei von 16 Spielen und schlossen die reguläre Saison als schlechtestes Team der Liga ab.

Indianapolis, das seinen Namen vom Bundesstaat Indiana und dem griechischen Wort für Stadt ("Polis") ableitet, ist traditionell republikanisch eingestellt. In den vergangenen 40 Jahren gelang es nur einem Demokraten, Bürgermeister zu werden. Bei der Wahl zum US-Präsidenten 2008 setzte Indiana aber auf den Demokraten und späteren Sieger Barack Obama.

Indianapolis wurde 1821 gegründet. Ziel war es, wie im Fall von Washington D.C. auf föderaler Ebene, eine zentrale Hauptstadt im Bundesstaat zu erschaffen. So wurde Indianapolis nach dem Vorbild Washingtons erbaut: Alle Straßen führen zum Mittelpunkt der Stadt, dem Monument Circle. Dort steht ein Denkmal für die gefallenen Soldaten, und da es von einem Kreisverkehr umgeben ist, wird die Stadt auch "Circle City" genannt.

Viel lieber ist Indianapolis aber der Spitzname "Motorsport-Hauptstadt der Welt". Denn Ende Mai werden auf dem Motor Speedway die Indy 500, eines der bekanntesten Rennen der Welt, ausgetragen. Seit 1911 gibt es das Rennen, bei dem die Fahrer 500 Meilen (804,5 Kilometer) auf 200 Runden zurücklegen. Unter anderem siegten hier die späteren oder ehemaligen Formel-1-Weltmeister Mario Andretti (1969), Emerson Fittipaldi (1989 und 1993) und Jacques Villeneuve (1995).

Der Aufstieg zum wirtschaftlichen Zentrum Indianas erfolgte erst Mitte des 19. Jahrhunderts. 1847, als nicht einmal 8.000 Menschen in Indianapolis lebten, wurde die Stadt von der Eisenbahn erschlossen. Als Verkehrsknotenpunkt zwischen Chicago und St. Louis, Columbus und Cincinnati wuchs die Stadt rasant. Heute ist sie nicht nur das politische, sondern auch das unumstrittene wirtschaftliche Zentrum Indianas - und am Sonntag für wenige Stunden der Mittelpunkt der Sportwelt.

 
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