Ja, so muss es seit Jahrtausenden sein, denke ich mir. Während sich die beiden Segel der Samira im Wind blähen, entdecke ich die Langsamkeit neu. Gemächlich nimmt das Schiff mich mit auf eine Zeitreise, mitten hinein ins alte Land der Pharaonen. Sie dürften den Nil einst auf ähnliche Weise bereist haben - und fast fühle ich mich selbst wie einer. Die orientalische Sitz- und Liegelandschaft auf dem Achterdeck lädt ein zu solchen Träumereien. Wo sonst ließe sich besser in Erinnerungen schwelgen? In Erinnerungen etwa an den Besuch im Karnak-Tempel in Luxor zu Beginn der Reise: 134 majestätische Säulen, die seit mehr als zweitausend Jahren bis zu 24 Meter hoch in den blauen Himmel ragen und übersät sind von geheimnisvollen Hieroglyphen. Oder an den Sonnenaufgang, als Dutzende Ballonfahrer wie bunte Lampions im Halbdunkel über dem Tal der Könige schwebten - ein magisches Bild.
Inzwischen liegt all das trotz eines entspannten Tempos längst hinter uns. 16 Passagiere hat Kapitän Ramadan auf seine Reise in die Vergangenheit mitgenommen - einer von ihnen bin ich. Nur noch zwei Stunden sind es bis zum Sonnenuntergang, als wir bei Edfu an Land gehen. "Die ideale Zeit", sagt Tour-Guide Hassan. Aber nicht, weil das sanfte Licht so schöne Fotos ermöglicht: "Alle großen Schiffe", sagt er, "sind jetzt bereits unterwegs zum Etappenziel für die Nacht. Da ist außer uns kein Mensch mehr in Edfu."








