"Ich habe mich mit einem gewissen Schauder genähert", sagt der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Rainer Bomba, der am Mittwoch mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann (beide CDU) und dem Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, das "Stasi-Museum" wiedereröffnet.

Bomba ist nicht nur als Vertreter eines an der Sanierung des Komplexes beteiligten Ministeriums dabei, sondern auch als Betroffener. "Es ist ein besonderer Tag für all diejenigen, die unter dem SED-Regime gelitten haben", sagt er und meint damit auch sich selbst. Die Familie seiner Frau konnte 1985, nach zwei Jahren Wartezeit, aus der DDR ausreisen. Die Zeit dazwischen und danach sei von Repressionen, Bespitzelungen und Anfeindungen geprägt gewesen.

"Wenn wir die Großeltern meiner Frau in der DDR besuchen wollten, wurden wir bei der Einreise bis auf Unterhemd gefilzt", erinnert sich Bomba. Stundenlang habe ihn die Polizei damals verhört. "Man hatte immer das Gefühl: Mach jetzt bloß nichts verkehrt." Die Bedrohung sei stets spürbar gewesen.

"Meilenstein" der Aufarbeitung

Elf Millionen Euro hat der Bund in die knapp ein Jahr dauernde Instandsetzung des denkmalgeschützten Gebäudes investiert. "Dahinter steht der Wille der Bundesregierung, eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit zu ermöglichen", sagt Neumann. Die Wiedereröffnung des Stasi-Museums sei diesbezüglich ein "Meilenstein". "Am Ort der Täter ist es besonders wichtig, an die Opfer zu erinnern, um ihr Leid nicht in Vergessenheit geraten zu lassen", sagt er.

Die provisorische Ausstellung in der ersten Etage des Museums soll unter dem Titel "Feind ist, wer anders denkt", genau das erreichen. So verdeutlicht der eine Teil, bestehend aus Stempeln, Akten und anderen Verwaltungsdevotionalien, den Schein des bürokratisch korrekten Vorgehens. Doch erst die konkreten Schicksale von Menschen, die ins Visier des DDR-Überwachungsapparates geraten sind, lässt nebenan die Denk- und Arbeitsweise der gefürchteten Stasi erahnen.

Einblick in das Büro Mielkes

Einen besonderen Einblick bietet die sogenannte "Mielke-Etage" ein Stockwerk höher. Von hier aus leitete der Chef der Stasi seine gigantische Behörde mit fast 300.000 offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern. Im dem schlichten Arbeitszimmer des Ministers scheint es nur das Nötigste zu geben: Eine Telefonanlage, Schreibmaschinen und eine Schlafcouch für den Fall, dass es mal später wird. Von Luxus keine Spur. Das alte Kartenmaterial im Konferenzraum lässt erahnen, dass von hier aus die Überwachung eines ganzen Volkes koordiniert wurde.

Jahn träumt von "Campus der Demokratie"

Mit der spektakulären Erstürmung des Stasi-Hauptquartieres durch Demonstranten am 15. Januar 1990 konnte ein Teil der geheimen Stasi-Unterlagen gerettet werden. Viele Dokumente fielen jedoch bereits Tage zuvor den Aktenvernichtern der Stasi zum Opfer. Heute geben mehr als 111 Kilometer Aktenmaterial, über 28.000 Tonaufnahmen und 1,4 Millionen Fotos Aufschluss über die Arbeitsweise und die Verbrechen des DDR-Geheimdienstes. Schließlich dokumentierte die Stasi fast alles, wenn jemand verdächtig schien. Viel von dem Material wartet aber noch als Papierschnipsel in Säcken auf die Rekonstruktion.

Der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, träumt von einem "Campus der Demokratie" auf dem Gelände. Im ehemaligen Speisesaal gegenüber von Haus 1 würde er gerne eine Bibliothek einrichten, denn ein Museum allein reiche nicht aus, um nachkommenden Generationen zu vermitteln, was hier geschehen sei.
"Je besser wir Diktatur begreifen, umso besser können wir Demokratie gestalten", sagt Jahn.

 
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