Ein Brief an Jogi Löw
User «Ecko» schrieb bei Blogs@spox.com sogar einen «offenen Brief» an den Bundestrainer. Der «besorgte Fan und Beobachter» aus dem Netz schreibt darin: «Lieber Joachim Löw, selbst wenn man sich mit allen Fasern des Körpers gegen die Diskussionen rund um die Nationalmannschaft, die infolge des Halbfinalscheiterns gegen Italien aufkamen, wehrte, so lässt der nahezu historische Einbruch gegen Schweden viele Fragen offen. Schweigen oder seichte Kritik ist nicht mehr angebracht. Deutschland hat sich im internationalen Fußball - vor allem bei den von einigen Spielern formulierten Zielen - bis auf die Knochen blamiert. Einen Vier-Tore-Vorsprung innerhalb einer halben Stunde zu vergeigen, das passiert hierzulande mancher Kreisligamannschaft, das darf aber nicht der Auswahlmannschaft des DFB widerfahren. (...) Nach dieser gefühlten Niederlage braucht es keine Fundamentalkritik an allem. Doch leider fällt Ihnen nun Ihre Kritikresistenz auf die Füße. Sie belächeln die Worte einzelner Fußballakteure, sie belächeln Diskussionen rund um Tischtennisplatten und Nationalhymne. Dabei stehen diese Kritikpunkte stellvertretend für ein ganz grundsätzliches Problem. Selbst wenn man schön spielen kann, muss eine Mannschaft manchmal einfach dreckig gewinnen. (...) Wie kann es sein, dass die Truppe nach einem Gegentor und beim Stand von 4:1 im heimischen Olympiastadion in Konfusion verfällt? Warum wirkt man weitestgehend ratlos, wenn die Mannschaft 0:1 in einem EM-Halbfinale zurückliegt? Fakt ist, die meisten Spieler können ein sicheres Spiel gegen einen unterlegenen Gegner dominieren, doch können diese Spieler auch bei Gegendruck wirklich bestehen? (...) Wie kann es sein, dass beim schwedischen Tor in der Nachspielzeit nur noch wenige Deutsche im eigenen Strafraum stehen? (...) Herr Löw, bei aller Offensivkunst sollten Sie ihr Defensivkonzept schleunigst überdenken. Es hilft an manchen Stellen mehr, einen Schönspieler auf die Bank zu schicken und einen Holzfäller an seine Stelle zu platzieren.» Damit nicht genug.
«Kaschmir tragender Schönwetter-Trainer»
«Ecko» schreibt weiter: «Es wäre besser - sofern Sie weiter den Dienst des Nationaltrainers verrichten möchten - Sie hinterfragen auch Ihre Person. Denn als Trainer stagnieren Sie seit Jahren. Wollen Sie nur als der kaschmirtragende Schönwettertrainer in die Geschichte eingehen oder wollen Sie doch noch etwas Zählbares gewinnen? In den letzten Minuten des Schweden-Spiels schienen Sie es mehr oder weniger regungslos hinzunehmen. Das darf ein Trainer aber niemals machen.» Die «beste und schlechteste Leistung in einem Spiel» sah der Nationalmannschaftsblog jogisjungs.de. Bastian Weber stellte auch hier die Frage nach Führungsspielern: «Das 4:4 gegen Schweden fühlt sich nicht nur in Kreisen der Nationalmannschaft wie eine Niederlage an. (...) Was war verantwortlich für diese desaströse Halbestunde in der zweiten Halbzeit? War es einfach nur Pech, oder Charakterschwäche der Mannschaft? Zeigte sich hier, dass ein Führungsspieler tatsächlich fehlt, oder ist die Mannschaft einfach noch zu grün hinter den Ohren? Ein bisschen von allem trifft zu. (...) Die DFB-Elf hatte das Spiel gedanklich schon abgehakt, was nicht verwundert, bei einem Stand von 4:0. Also könnte man annehmen, den Akteuren im deutschen Trikot hat es an Charakterstärke gefehlt. Doch gekämpft haben sie ja noch, nur ohne Erfolg. Individuelle Fehler schlichen sich urplötzlich nach dem Anschlusstreffer der Schweden ein und auf einmal stimmte es nicht mehr in der Zuordnung und im Zweikampfverhalten. Die deutsche Mannschaft wirkte wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, ohne jegliche Organisation. (...) Vielleicht sollte tatsächlich einer innerhalb der Gruppe das Heft in die Hand nehmen und klar die Verantwortung auf sich laden. Das wäre dann der geforderte Führungsspieler. Löw und Bierhoff wollen nicht die Verantwortung auf die Schultern eines Einzelnen abladen. Doch was wäre, wenn einer innerhalb der Mannschaft freiwillig hervortreten würde, einer dem es egal ist, ob er sich unbeliebt macht bei den Mannschaftskollegen und vor der Öffentlichkeit. Vielleicht würde es tatsächlich nicht schaden, wenn einer hier im richtigen Moment klare Worte findet. Bei Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm hat man ja öfter das Gefühl, dass sie genau das versuchen, doch irgendwie verpassen sie immer den richtigen Zeitpunkt und wählen die falschen Worte, oder rudern bei nächster Gelegenheit wieder zurück, um das Klima in der Mannschaft nicht zu gefährden. Doch wichtiger als ein Wortführer vor der Presse, wäre eine Führungsperson auf dem Platz.»






