Antichrist
Der Skandalfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes: Lars von Triers deftiges Werk über den blutigen Kampf der Geschlechter.
Thriller, POL/SWE/DEU/DNK/FRA/ITA, 2009
Mit
Charlotte Gainsbourg, Willem Dafoe
Dt. Kinostart: 10.09.2009
FSK 18
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Ein trauerndes Paar zieht sich in ihre einsame Hütte, "Eden", in den Wäldern zurück. Sie kämpft nach dem Tod des kleinen Sohnes mit Trauer und Schuldgefühlen, die in ihr eine Depression hervorrufen. Er ist Psychiater und will sie dort im Wald, vor dem sie sich so sehr fürchtet, therapieren. Doch er muss bald erkennen, dass sehr viel mehr hinter dem Verhalten seiner Frau steckt, und beide stürzen in der Abgeschiedenheit der Hütte in eine Spirale aus Sex und Gewalt.
Es beginnt mit einem Schock: Zu den Klängen der Arie "Lascia ch'io pianga" aus der Händel-Oper "Rinaldo" liebt sich ein Ehepaar (Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg) leidenschaftlich - während im Nebenzimmer ihr kleiner Sohn aus dem Bett steigt, langsam auf das geöffnete Fenster zukrabbelt und im Moment der höchsten Ekstase seiner Eltern in die Tiefe stürzt.
Während die Mutter daraufhin in ein emotionales Loch fällt, bietet der Vater dem Alltag mit Rationalität die Stirn. Um seine Ehe zu retten, zwingt er seine Frau schließlich zu einem Ausflug in die Wildnis, wo beide ihre Ängste überwinden wollen. Doch kaum angekommen, mutiert sie zur unberechenbaren Furie, deren Ausbrüche von sexuellem Wahn bis zu menschenverachtender Brutalität reichen. Und dieser Urgewalt ist kein Mann gewachsen.
Horrorfilm, Familiendrama, Charakterstudie? Lars von Trier hat sich dem Mainstream stets verweigert. Als Mitbegründer von "Dogma 95" - eines filmischen Manifests, das sich gegen die zunehmende Wirklichkeitsverfremdung des Kinos stellte - versuchte der Däne Ende der 1990er-Jahre, ein Gegenmodell zu Hollywood zu etablieren. "Antichrist" nun schrieb er während seiner Depression. Nach eigenen Aussagen bedeutete die Arbeit an dem Drehbuch für ihn eine Art Heilungsprozess. Nur, wenn man sich seine Kino-Therapie anschaut, möchte man eigentlich gar nicht wissen, was den 53-Jährigen in den letzten Jahren umtrieb.
Von Triers surreales Kammerspiel, für das "Slumdog Millionär"-Kameramann Anthony Dod Mantle ästhetisch-gewaltige Bilder fand, ist ein kryptisches Schockdrama in drei Kapiteln (Trauer, Schmerz, Verzweiflung). Mit verstümmelten Genitalien, einem blutspritzenden Penis und an die Substanz gehenden Folterszenen erzählt der Regie-Provokateur von der urtümlichen Wucht der weiblichen Sexualität und der zerstörerischen Angst des Mannes davor - versinnbildlicht durch plakative Symbolik: Wenn die Frau am Ende auf dem Scheiterhaufen lodert, dürfte selbst Religionsmuffeln der Hexenbezug klar werden.
Zudem laufen die drastischen Effekte und Hardcoreszenen inmitten der zähflüssigen Handlung ins Leere und verkommen so zum Selbstzweck - egal wie sehr sich die beiden Hauptdarsteller Willem Dafoe ("Spider Man") und Charlotte Gainsbourg ("21 Gramm") körperlich und seelisch entblößen.
Bizarrer Höhepunkt des wirren Psychotreibens ist ein sprechender Fuchs: "Das Chaos regiert", faucht dieser aus dem Unterholz. Recht hat er.
Text u. Wertung: CINEMA Online
Während die Mutter daraufhin in ein emotionales Loch fällt, bietet der Vater dem Alltag mit Rationalität die Stirn. Um seine Ehe zu retten, zwingt er seine Frau schließlich zu einem Ausflug in die Wildnis, wo beide ihre Ängste überwinden wollen. Doch kaum angekommen, mutiert sie zur unberechenbaren Furie, deren Ausbrüche von sexuellem Wahn bis zu menschenverachtender Brutalität reichen. Und dieser Urgewalt ist kein Mann gewachsen.
Horrorfilm, Familiendrama, Charakterstudie? Lars von Trier hat sich dem Mainstream stets verweigert. Als Mitbegründer von "Dogma 95" - eines filmischen Manifests, das sich gegen die zunehmende Wirklichkeitsverfremdung des Kinos stellte - versuchte der Däne Ende der 1990er-Jahre, ein Gegenmodell zu Hollywood zu etablieren. "Antichrist" nun schrieb er während seiner Depression. Nach eigenen Aussagen bedeutete die Arbeit an dem Drehbuch für ihn eine Art Heilungsprozess. Nur, wenn man sich seine Kino-Therapie anschaut, möchte man eigentlich gar nicht wissen, was den 53-Jährigen in den letzten Jahren umtrieb.
Von Triers surreales Kammerspiel, für das "Slumdog Millionär"-Kameramann Anthony Dod Mantle ästhetisch-gewaltige Bilder fand, ist ein kryptisches Schockdrama in drei Kapiteln (Trauer, Schmerz, Verzweiflung). Mit verstümmelten Genitalien, einem blutspritzenden Penis und an die Substanz gehenden Folterszenen erzählt der Regie-Provokateur von der urtümlichen Wucht der weiblichen Sexualität und der zerstörerischen Angst des Mannes davor - versinnbildlicht durch plakative Symbolik: Wenn die Frau am Ende auf dem Scheiterhaufen lodert, dürfte selbst Religionsmuffeln der Hexenbezug klar werden.
Zudem laufen die drastischen Effekte und Hardcoreszenen inmitten der zähflüssigen Handlung ins Leere und verkommen so zum Selbstzweck - egal wie sehr sich die beiden Hauptdarsteller Willem Dafoe ("Spider Man") und Charlotte Gainsbourg ("21 Gramm") körperlich und seelisch entblößen.
Bizarrer Höhepunkt des wirren Psychotreibens ist ein sprechender Fuchs: "Das Chaos regiert", faucht dieser aus dem Unterholz. Recht hat er.
Text u. Wertung: CINEMA Online
Cast
Kino-Neustarts
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