Black Swan
"Der Tanz ist die versteckte Sprache der Seele": Nach seiner Loserballade "The Wrestler" blickt Darren Aronofsky nun hinter die disziplinierte Fassade der Primaballerinen. Ein Psychoalbtraum mit Tiefenwirkung.
Thriller, USA, 2010
Mit
Natalie Portman, Mila Kunis, Vincent Cassel
Dt. Kinostart: 20.01.2011
FSK 16
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In dem Psychothriller "Black Swan" bekommt die junge, aufstrebende Ballerina Nina (Natalie Portman) die Doppelrolle ihres Lebens: In "Schwanensee" soll sie sowohl den unschuldigen weißen als auch den dämonischen schwarzen Schwan verkörpern. Während sie die perfekte Besetzung für den weißen Schwan ist, muss sie für den Gegenpart der Figur lernen loszulassen und die dunkle Seite in sich hervorbringen. Angetrieben von dem charismatischen Ballettdirektor Thomas Leroy (Vincent Cassel) versucht sie verzweifelt ihre Blockaden zu überwinden. Ausgerechnet die neue, attraktive Kollegin Lily (Mila Kunis) hat all das, was Nina zu fehlen scheint. Droht Nina sogar die Rolle an Lily zu verlieren?
Ninas Verzweiflung wächst und sie stößt einen ebenso befreienden wie selbstzerstörerischen Prozess an, bei dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Aber ungeachtet aller Gefahren treibt Nina ihre Vorbereitungen für die Premiere des Stücks weiter - denn für sie zählt nur eines: Vollkommenheit.
Gute Laune machen seine Filme nicht gerade: Melancholisch und beklemmend erzählt Regisseur Darren Aronofsky ("Pi", "Requiem for a Dream", "The Fountain") von Hörigkeit, Liebe, Einsamkeit, Wahn und Tod. Nichts für Hardcore-Romantiker, dafür für Zuschauer, die den Schattenseiten der menschlichen Existenz in verstörend-betörenden Bildkompositionen ins Auge blicken wollen. Und in dieser düsteren Tradition steht auch sein neues Drama über die entbehrungsreiche Welt der Primaballerinen.
Seit ihrer Kindheit träumt die introvertierte und manisch ehrgeizige Nina (Natalie Portman) davon, die Hauptrolle in Tschaikowskys "Schwanensee" an der New Yorker Ballet Company zu spielen. Als ihr Traum eines Tages tatsächlich in Erfüllung geht, währt ihre Freude nicht lang: Während sie die weiße, unschuldige Königin Odette perfekt beherrscht, stößt sie bei der Darstellung der schwarzen, verruchten Odile an ihre prüden Grenzen. Die Doppelrolle entwickelt sich für das Mädchen zu einem emotionalen Albtraum. Bis es mithilfe des künstlerischen Leiters Leroy (Vincent Cassel) und seiner leichtlebigen Konkurrentin Lily (Mila Kunis) nach und nach die dunkle Seite seiner Seele erkundet - und dabei den Bezug zu seiner von Drill und Verzicht geprägten Realität verliert.
"Der Körper des Tänzers ist die leuchtende Äußerung der Seele", sagte Tanzikone Isadora Duncan (1877-1927). Für diesen Ausdruck trainieren die Besten der Zunft bis zur Selbstaufgabe: Mit 40 leiden viele unter Arthrose oder Gelenkdeformierungen. Ein ganzes Jahr lang, zuletzt acht Stunden am Tag, setzte sich Natalie Portman ("Hautnah") genau dieser Tortur des Pas de deux aus, um das zu erreichen, wofür frau normalerweise 20 Jahre braucht: eine Ballerina zu werden. Und das Training hat sich gelohnt.
Allein mit ihrer physischen Präsenz dominiert die 29-Jährige den Film - getragen von dem wundervollen "Schwanensee"-Score, der den Übergang von der realen zur halluzinatorischen Welt Ninas unterstreicht. Wenn sich das abgemagerte Mädchen seine Schultern blutig kratzt, um seine eingebildeten Schwanenflügel freizulegen, kontrastiert dies gekonnt den auf bedingungslose Disziplin ausgerichteten Glitzerkosmos des Balletts. Durch die Vermischung von Musik, Tanz, Traum und Realität gelingt es Darren Aronofsky zudem, seine Figuren als personifizierte Metaphern des "Schwanensee"-Stücks zu porträtieren. Dramatischer, spannender und bedrohlicher hat man Ballett im Kino noch nie gesehen.
Mit seinen wunderschön gefilmten, aber dennoch unheilvollen Arrangements zieht der New Yorker den Zuschauer von der ersten Minute an in seinen Bann. Wie sich Nina vom behüteten Entlein in einen unberechenbaren Schwan verwandelt, hinterlässt auch lange nach dem Kinobesuch eine Gänsehaut. Das erinnert in der Darstellung der erwachenden Sexualität seiner Hauptfigur an die Stephen-King-Adaption "Carrie" - jener von ihrer Umwelt drangsalierten Teenagerin, die sich am Ende für das erlittene Unrecht rächt.
Demnächst wird Darren Aronofsky das Comicspektakel "The Wolverine" in Szene setzen, bei dem ihm erstmals richtig viel Geld zur Verfügung stehen wird. Bleibt nur zu hoffen, das sich der Regievisionär nicht vom Hollywood-Mainstream einlullen lässt und stattdessen mehr von seinen poetisch-beklemmenden Albträumen auf die Leinwände zaubert.
Text u. Wertung: CINEMA Online
Seit ihrer Kindheit träumt die introvertierte und manisch ehrgeizige Nina (Natalie Portman) davon, die Hauptrolle in Tschaikowskys "Schwanensee" an der New Yorker Ballet Company zu spielen. Als ihr Traum eines Tages tatsächlich in Erfüllung geht, währt ihre Freude nicht lang: Während sie die weiße, unschuldige Königin Odette perfekt beherrscht, stößt sie bei der Darstellung der schwarzen, verruchten Odile an ihre prüden Grenzen. Die Doppelrolle entwickelt sich für das Mädchen zu einem emotionalen Albtraum. Bis es mithilfe des künstlerischen Leiters Leroy (Vincent Cassel) und seiner leichtlebigen Konkurrentin Lily (Mila Kunis) nach und nach die dunkle Seite seiner Seele erkundet - und dabei den Bezug zu seiner von Drill und Verzicht geprägten Realität verliert.
"Der Körper des Tänzers ist die leuchtende Äußerung der Seele", sagte Tanzikone Isadora Duncan (1877-1927). Für diesen Ausdruck trainieren die Besten der Zunft bis zur Selbstaufgabe: Mit 40 leiden viele unter Arthrose oder Gelenkdeformierungen. Ein ganzes Jahr lang, zuletzt acht Stunden am Tag, setzte sich Natalie Portman ("Hautnah") genau dieser Tortur des Pas de deux aus, um das zu erreichen, wofür frau normalerweise 20 Jahre braucht: eine Ballerina zu werden. Und das Training hat sich gelohnt.
Allein mit ihrer physischen Präsenz dominiert die 29-Jährige den Film - getragen von dem wundervollen "Schwanensee"-Score, der den Übergang von der realen zur halluzinatorischen Welt Ninas unterstreicht. Wenn sich das abgemagerte Mädchen seine Schultern blutig kratzt, um seine eingebildeten Schwanenflügel freizulegen, kontrastiert dies gekonnt den auf bedingungslose Disziplin ausgerichteten Glitzerkosmos des Balletts. Durch die Vermischung von Musik, Tanz, Traum und Realität gelingt es Darren Aronofsky zudem, seine Figuren als personifizierte Metaphern des "Schwanensee"-Stücks zu porträtieren. Dramatischer, spannender und bedrohlicher hat man Ballett im Kino noch nie gesehen.
Mit seinen wunderschön gefilmten, aber dennoch unheilvollen Arrangements zieht der New Yorker den Zuschauer von der ersten Minute an in seinen Bann. Wie sich Nina vom behüteten Entlein in einen unberechenbaren Schwan verwandelt, hinterlässt auch lange nach dem Kinobesuch eine Gänsehaut. Das erinnert in der Darstellung der erwachenden Sexualität seiner Hauptfigur an die Stephen-King-Adaption "Carrie" - jener von ihrer Umwelt drangsalierten Teenagerin, die sich am Ende für das erlittene Unrecht rächt.
Demnächst wird Darren Aronofsky das Comicspektakel "The Wolverine" in Szene setzen, bei dem ihm erstmals richtig viel Geld zur Verfügung stehen wird. Bleibt nur zu hoffen, das sich der Regievisionär nicht vom Hollywood-Mainstream einlullen lässt und stattdessen mehr von seinen poetisch-beklemmenden Albträumen auf die Leinwände zaubert.
Text u. Wertung: CINEMA Online
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