Scheinbar ungerührt beobachtet Leopold auf einer nächtlichen Diebestour, wie eine Gruppe nackter Frauen von SS-Soldaten durch den Wald getrieben und wenig später ermordet wird. Die Szene, mit der "In Darkness" beginnt, lässt den Zuschauer vor Entsetzen erstarren. Schon nach wenigen Filmminuten scheint die Grenze des Zumutbaren erreicht, doch es kommt noch schlimmer.
Die polnische Regisseurin Agnieszka Holland ("Hitlerjunge Salomon") erzählt die wahre Geschichte des Kanalarbeiters und Kleinganoven Leopold Socha. Über ein Jahr lang versorgte er eine Gruppe von Flüchtlingen, die sich nach der Räumung des jüdischen Gettos in der Kanalisation von Lemberg versteckt hielt, mit Lebensmitteln. In aufwühlenden Bildern zeigt Holland, wie die Juden (u. a. Maria Schrader, Herbert Knaup und Benno Fürmann) in Dunkelheit, Gestank und Feuchtigkeit versuchen, sich einen Rest an Würde zu bewahren. Der Film verschweigt auch nicht, dass jene, die überleben wollten, fast zwangsläufig schuldig wurden. So wird in einer der erschütterndsten Szenen ein KZ-Häftling für die Nachlässigkeit eines anderen erschossen. Leider behandelt der Film diesen moralischen Konflikt nur am Rande - und konzentriert sich stattdessen auf die äußere Handlung, die in einer Weise zugespitzt wird, die für den Kinobesucher kaum zu ertragen ist. Sochas Skrupel, seine Gerissenheit und Instinkthaftigkeit machen ihn zum idealen (Anti-) Helden in unmenschlichen Zeiten. Es ist Agnieszka Hollands Verdienst, dass sein mutiges Handeln nicht in Vergessenheit gerät. Man hätte ihm allerdings einen Film gewünscht, der den Zuschauern als weniger qualvoll in Erinnerung bleibt.
Text u. Wertung: CINEMA Online