Gegen König Fußball tun sich alle schwer. Aber zwei Dinge waren diesmal anders: Erstens schlugen sich die konkurrierenden Privatsender Sat.1, Pro Sieben, Vox und Kabel eins deutlich besser. Und zweitens laufen RTL nicht erst seit der EM die Zuschauer davon.
Fast alle Säulen des RTL-Programms wanken. Keine einzige der großen Unterhaltungssendungen konnte 2012 Zuschauer hinzugewinnen, die meisten verloren im Vergleich zum Vorjahr oder zur letzten Staffel Teile ihres Publikums, einige sogar dramatisch. Für RTL ist diese Entwicklung besonders gefährlich, weil der Sender bislang dem Bewährten fast immer den Vorzug vor dem Neuen gab.
Während Sat.1 die preisgekrönte Serie "Danni Lowinski" ins Programm hob und Pro Sieben das Potenzial von Sitcoms wie "Two and a Half Men" erkannte, klammerte sich RTL an seine Erfolgsformate "DSDS" und "Alarm für Cobra 11", frei nach dem Adenauer-Slogan von 1957 "Keine Experimente!". Jetzt, wo die RTL-Zugpferde lahmen, zeigen sich die Schattenseiten dieser Strategie. Der Wiederkehr des Ewiggleichen überdrüssig, vom Kandidaten mit Dachschaden bis zum Auto mit Blechschaden, verlassen immer mehr Zuschauer den RTL-Altbau.
Die glänzende Bilanz des Senders hat lange Zeit die strukturellen Schwächen überdeckt. Ende 2011 hatte RTL seinen Marktanteil von 13,6 auf 14,1 Prozent gesteigert, den Abstand zu ARD und ZDF vergrößert und die private Konkurrenz Sat.1 und Pro Sieben abgehängt. Die Werbeeinnahmen sprudelten dank Spotpreisen von bis zu 90 000 Euro bei Formel-1-Übertragungen und zusätzlichen Reklameplätzen auf Onlineportalen.













