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In Bremen brennt es lichterloh, ...

02.03.2018 - Ich komme leider nicht umhin, den Fokus meiner heutigen Kolumne einmal mehr gen Norden der Republik zu richten. Als wären die sportlichen Probleme in Hamburg, Wolfsburg und zumindest bis zum Samstag auch Bremen nicht schon groß genug (gewesen), so scheint dies einigen HSV-Anhängern nicht zu genügen. Sie gaben Ihr vermutlich Bestes, um dem ach so geliebten „Dino“ zu schaden und fackelten im Weserstadion nicht nur alles ab, was irgendwie brannte, sondern warfen auch noch brennendes „Gut“ völlig Sinn befreit ins restliche umstehende Publikum – im Zweifel einen Rang tiefer.

  • Nicht nur sportlich ist beim HSV „Feuer unterm Dach“. Die Anhänger machen gegen ihren eigenen Klub mobil und gefährden das Stadionpublikum. Die nächste Partie gegen Mainz (! – nicht etwa St. Pauli, Werder oder Schalke...)...

    Nicht nur sportlich ist beim HSV „Feuer unterm Dach“. Die Anhänger machen gegen ihren eigenen Klub mobil und gefährden das Stadionpublikum. Die nächste Partie gegen Mainz (! – nicht etwa St. Pauli, Werder oder Schalke...) wurde zum Hochrisikospiel erklärt - Foto: Carmen Jaspersen © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Auch St.Pauli-Fans können doof sein (wir verschließen hier ja unsere Augen nicht). Nur ist dieses Verhalten beim Spiel gegen Kiel noch eine andere Qualität als Raketen in den Unterrang oder auf den Platz zu feuern... -...

    Auch St.Pauli-Fans können doof sein (wir verschließen hier ja unsere Augen nicht). Nur ist dieses Verhalten beim Spiel gegen Kiel noch eine andere Qualität als Raketen in den Unterrang oder auf den Platz zu feuern... - Foto: Fotostand / Welle © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Auch in Hannover brodelt es schon lange. Hier haben die Fans aber wenigstens eine Meinung – Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH	 / dpa – Deutsche Presse-Agentur

    Auch in Hannover brodelt es schon lange. Hier haben die Fans aber wenigstens eine Meinung – Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Die öffentliche Ordnung wird von der Polizei gewährleistet. Punkt. Aus. Ende. Aber nun sollen die Fußballklubs dafür zur Kasse gebeten werden – Foto: Daniel Reinhardt © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH	 / dpa –...

    Die öffentliche Ordnung wird von der Polizei gewährleistet. Punkt. Aus. Ende. Aber nun sollen die Fußballklubs dafür zur Kasse gebeten werden – Foto: Daniel Reinhardt © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Haben Sie das gesehen? Mal ehrlich: Da haben doch der Bremer Ordnungsdienst und Teile der HSV-Fans zusammen nachträglich Silvester gefeiert, oder? Denn außer zum Jahreswechsel habe ich selten so eine geballte Ladung „Pyro“ auf so einem begrenzten Raum gesehen. Bei allen bekannten Schmuggelkünsten von Ultras und Gleichgesinnten, glaubt doch niemand wirklich „nur“ an die Geschichte mit dem über den Zaun geworfenen Rucksack und ein paar „Körperverstecken“, oder?
Die Aktion war doch 1887%ig von langer Hand geplant und weiter reichenden Händen ausgeführt, wäre doch ansonsten in dem Ausmaß nicht annähernd so zustande gekommen.

Den Fußball nie geliebt

Dass sie nicht nur „ihrem“ Verein, sondern gleich auch noch allen Pro-Pyro-Kämpfern der Nation einen Bärendienst erwiesen haben, ist den Knalltüten aus Hamburg (oder woher die auch immer kamen) wahrscheinlich nicht einmal bewusst. Denn wer brennende Fackeln willkürlich in umstehendes Publikum (ja, da standen auch Familien, Mütter und Väter mit Ihren kleinen Töchtern oder Söhnen, die den Fußball lieben lernen wollen oder sollen) wirft, dem muss ich jegliches Bewusstsein absprechen. Solche Menschen sind Straftäter, vor denen unsere Gesellschaft mit aller Konsequenz geschützt werden muss. Den Fußball haben die jedenfalls nie geliebt. Denen geht es nur um Krawall und Straftaten im Schutze der Menge.

Qualitätsunterschiede

Und da genau liegt auch der Unterschied zu dem, was im Bremer Block, was in Hannover im Stadion oder am vergangenen Sonntag am Hamburger Millerntor passierte. Hier (Bremen, Hamburg) Pyroaktionen, die zumindest  kontrolliert oder gar (offensichtlich geplant) einer Choreografie glichen, die Aussagekraft hatte und dort (Hannover) eindeutige Positionierungen und stummer Protest gegen die Abschaffung der 50+1-Regel und damit gegen 96-Präsident Martin Kind. Ja, nicht immer ganz stubenrein, was da zu lesen ist, aber ein Statement, das man so vertreten kann. Ohne Gewalt, ohne Platzsturm, ohne wilde Pyro-Orgien.

Wer soll das bezahlen

Und bei allen den ganzen Fanaktionen immer mit im Blickpunkt: die Polizei, "Dein Freund und Helfer!“, wie es ein Werbeslogan von 1926 besagte und noch heute von jedem Kind im Schlaf abgefragt werden kann. Aktuell wird die Rolle der Polizei mehr diskutiert, denn es ist ein Rechtsstreit zwischen der Land Bremen und der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Köcheln. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bremen hat am 21. Februar (also gerade zufällig vor dem Derby gegen den HSV...) die Gebührenforderungen des Bundeslandes Bremen an die DFL  für rechtens erklärt, was die Hansestadt ermächtigt, den Verband an den Mehrkosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen der Bundesliga zu beteiligen. Die DFL hatte sich zuvor im Mai vergangenen Jahres vor dem Bremer Verwaltungsgericht mit einer Klage gegen einen entsprechenden Gebührenbescheid Recht eingeholt. Dieses Urteil wurde nun im Berufungsverfahren einkassiert. Fußballspiele seien auch aufgrund der Sicherheitsleistungen der Polizei wirtschaftlich erfolgreich, lautete die lapidare Begründung des Gerichts.

Gesellschaftliches Allgemeingut

Meine Meinung: Egal wieviel „Kohle“ in der Bundesliga oder sonstwo mit Fußball von Vereinen umgesetzt wird: Der Fußballsport ist ein gesellschaftliches Allgemeingut, und in Deutschland ist die Polizei laut Verfassung für den Schutz von Allgemeingut zuständig. Das muss auch so bleiben, denn Vereine dürfen nicht finanziell für Fehlentwicklungen der Gesellschaft verantwortlich gemacht werden. Eine Hintertür zur Kostenbeteiligung gibt es für den Staat allemal. Die eh schon reichlich Steuern zahlenden DFL-Klubs könnten mit einer zusätzlichen „Schutzsteuer“ an Risiko-Ereignissen und deren Schutz beteiligt werden. Das spart eine Verfassungsdiskussion und wird aus meiner Sicht der Sache gerecht, oder?

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