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Thees Uhlmann: Der Erfolg macht ihm Angst

06.09.2019 - Thees Uhlmann hat eine ungewöhnliche Einstellung zum Thema Geld. Warum er nicht spart und nichts anlegt, erklärte er nun in einem Interview.

  • Thees Uhlmann hat eine ungewöhnliche Einstellung zum Thema Geld © imago images/Future

    Thees Uhlmann hat eine ungewöhnliche Einstellung zum Thema Geld © imago images/Future Image

Er ist Musiker, Sänger, Songwriter, Autor und ja, man kann es so sagen, auch Dichter. Seine Texte sind voller Wortwitz, heiterer Melancholie, dunkler Poesie und mitreißendem Wahnsinn. "Wenn du aufwachst, bin ich lang gegangen. Ich hab' begonnen mit aufhören anzufangen...", singt Thees Uhlmann (45) in seinem Song "Die Nacht war kurz". Auch das wahre Leben sieht der Frontmann der Hamburger Band Tomte ("Buchstaben über der Stadt") nicht durch die rosa Brille.

Erfolg? "Das ist eine reale Angst für mich", sagt Uhlmann in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Er habe schon oft erleben müssen, wie fragil Erfolg sein könne: "Es kann ja immer einen Grund geben - ein falscher Satz im Interview, oder das, was ich sage, trifft nicht den Zeitgeist -, dass die Leute sagen: Jetzt kaufe ich nichts von dem, vielleicht in zwei oder drei Platten wieder, aber jetzt nicht!"

Deshalb gehe es für ihn auch darum, "möglichst wenig Geld auszugeben, damit ich das mit meiner Tochter, die jetzt zwölf Jahre alt ist, noch zehn Jahre durchziehen kann. Und eine Weltreise für sie sollte auch noch drin sein".

"Ich habe mich nie für Mode oder Kokain interessiert"

Seine sprichwörtliche Bescheidenheit hat sich der aus dem norddeutschen Hemmoor (Landkreis Cuxhaven) stammende Künstler hart erarbeitet. Nach dem (abgebrochenen) Lehramtsstudium in Köln und Hamburg und einer Tätigkeit als Altenpfleger stellte sich mit Tomte die ersten Erfolge ein. Dann schrieb er den Roman "Sophie, der Tod und Ich" (Verlag Kiepenheuer & Witsch), eine Geschichte über den Gevatter Tod, die Lust aufs Leben macht. "Spiegel.de" urteilte: "Wäre das Buch ein Bier, es wäre mit Liebe gebraut." Das Buch wurde ein Bestseller (über 100.000 Exemplare).

Doch seine Bedürfnisse sind nicht mitgewachsen. "Ich habe mich nie für Mode oder Kokain interessiert. Meine Gitarre kostet 1800 Euro, das ist ein normaler Preis für einen Musiker meiner Qualität. Alles andere empfinden meine Mutter und ich als vulgär, und vulgäre Sachen machen wir nicht. Wir sind Protestanten."

Er spart auch nicht, weil das "kein Konzept" sei, "das mir nahe ist. Ich geb' einfach nix aus." Er habe sich dazu entschieden, "ein abgefuckter Typ zu sein. Nicht im Sinne von Drogen oder so was, sondern eher im Sinne von: Alle ja - ich nicht!"

"Geile Rockplatten" vs. "sattes Leben"

Dabei gab es schon mal einen Versuch Geld zu investieren. "Ich habe am Freitag mal was unterschrieben, und am Montag ging die Finanzkrise durch. Irgendein Fonds. Das war ein Zeichen Gottes: 'Thees, versuch's erst gar nicht.' Girokonto for life. Auch weil mir sehr bewusst ist, dass diese ganze Sache bald ein Ende haben kann."

Seine Zeit als Altenpfleger war für ihn eine "gute, gerechte, harte Schule". Er erinnert sich noch heute an ein schwules Pärchen, das den Vater des einen gepflegt hat. Ich bin zwei- oder dreimal am Tag vorbeigekommen und habe morgens um halb sieben mit dem alten Mann meine ersten Zigaretten geraucht..."

Damals habe er erlebt, dass "ein schwules Pärchen wesentlich romantischer sein kann als ein Hetero-Pärchen. Und ich habe gesehen, wie ein Mensch ein halbes Jahr lang stirbt. Dagegen waren meine Probleme später eine Lachnummer." Für ihn wäre es auch nicht möglich, "dass ich geile Rockplatten aus einem gut gelaunten, satten Leben heraus mache". Er hat die Angst, dass ihm Geld "die Unschuld der Kunst" raubt. "Geld ist das, was passiert, während ich das tue, was ich liebe."

Neues Album: "Junkies und Scientologen"

Uhlmann, der ab Ende September mit seinem neuen Solo-Album "Junkies und Scientologen" auf Tour geht, lebt mit seiner Tochter zur Miete in Berlin. Der Musiker, der auch vom Verkauf seiner Schallplatten lebt, kauft selbst keine Alben. "Das wäre doch nur ein Asset, so von wegen, ich bin Veganer, und hier ist mein Plattenspieler. Und dann gerne noch ein Instagram-Foto davon raushauen, was man gerne hört. Für einen Plattenspieler ist meine Wohnung außerdem zu klein."

Die hat zwar 100 Quadratmeter, aber "der Fernseher ist so groß. Und ich habe keine Lust, meine Tochter mit Beatles zu beschallen. Das ist doch bedrückend, wenn sie die Musik vom Altvorderen hören muss".

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