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Offen wie selten: Tunesien wählt neuen Präsidenten

15.09.2019 - Am Morgen bilden sich schon vor Öffnung der Wahllokale erste Schlangen. Tunesien gilt als Musterbeispiel einer Demokratie in der arabischen Welt. Der Wahlausgang ist offen wie nie.

  • Männer verteilen Wahlurnen und Wahlmaterial in Tunis. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Männer verteilen Wahlurnen und Wahlmaterial in Tunis. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Menschen stehen vor einem Wahllokal an. Rund sieben Millionen Tunesier sind an diesem Sonntag aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Menschen stehen vor einem Wahllokal an. Rund sieben Millionen Tunesier sind an diesem Sonntag aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Eine Frau gibt in einem Wahllokal ihre Stimme ab. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Frau gibt in einem Wahllokal ihre Stimme ab. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Einem Mann wird nach seiner Wahl der Finger eingefärbt. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Einem Mann wird nach seiner Wahl der Finger eingefärbt. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Abdelfattah Mourou ist Präsidentschaftskandidat der moderat-islamischen Ennahda. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Abdelfattah Mourou ist Präsidentschaftskandidat der moderat-islamischen Ennahda. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Soldaten stehen vor einem Wahllokal Wache. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Soldaten stehen vor einem Wahllokal Wache. Foto: Khaled Nasraoui © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen sind Millionen Tunesier nach dem Tod des bisherigen Staatschefs Beji Caid Essebsi aufgerufen gewesen, einen neuen Präsidenten zu wählen.

Schon am Morgen bildeten sich teils längere Schlangen vor den Wahllokalen. Am Mittag lag die Wahlbeteiligung nach Angaben der Unabhängigen Wahlkommission ISIE bei 16,3 Prozent und damit im Vergleich etwa fünf Prozent über der Beteiligung der vergangenen Präsidentschaftswahl 2014.

Während ein Großteil der mehr als 4.500 Wahllokale gegen 8.00 Uhr morgens (9.00 Uhr MESZ) öffnete, wurden die Öffnungszeiten für rund 250 Wahllokale nach Angaben der ISIE aus Sicherheitsgründen verkürzt. Die betroffenen Wahllokale lagen im Süd-Westen Tunesiens, wo es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften kommt. Etwa 100.000 Sicherheitskräfte von Polizei und Militär überwachten die Wahlen.

Offiziell traten 26 Kandidaten zur Wahl an. Mit Slim Riahi und Mohsen Marzouk hatten aber bereits zwei Kandidaten erklärt, sich aus dem Rennen zurückzuziehen. Sie riefen ihre Unterstützer auf, für den bisherigen Verteidigungsminister Abdelkarim Zbidi zu stimmen, der aus dem bürgerlichen Lager als Favorit für die Stichwahl galt.

Sollte keiner der 26 Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit gewinnen, kommt es zur Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen. Zu den Favoriten zählte auch der Medienunternehmer Nabil Karoui, dessen Inhaftierung die Wahl überschattete. Kurz vor Beginn des offiziellen Wahlkampfs vor drei Wochen war Karoui verhaftet worden. Die tunesische Justiz wirft ihm Geldwäsche und Steuerhinterziehung vor. Die Vorwürfe sind allerdings bereits drei Jahre alt. Die Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union hatte die Inhaftierung Karouis scharf kritisiert.

Gute Chancen auf das Erreichen der Stichwahl wurden auch dem bisherigen Regierungschef Youssef Chahed, dem Kandidaten der moderat-islamischen Ennahda, Abdelfattah Mourou, und dem Verfassungsrechtler Kais Saied ausgerechnet.

Rund sieben Millionen Tunesier waren aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Sie war eigentlich für November geplant, musste aber wegen des Todes des 92 Jahre alten Präsidenten Beji Caid Essebsi vorgezogen werden. Am Tag der Wahl starb auch die frühere First Lady Tunesiens, Chadlia Farhat, im Alter von 83 Jahren, wie die tunesische Nachrichtenagentur TAP berichtete.

Es war erst das zweite Mal nach dem sogenannten «Arabischen Frühling» von 2011, dass die Tunesier in freier Wahl ihr Staatsoberhaupt bestimmen konnten. Beobachter schätzten den Ausgang der Wahl als vollkommen offen ein. Unklar war zunächst, wann die Ergebnisse offiziell bekanntgegeben werden würden.

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