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Gamerdingers Fußball-Kolumne

18.02.2019 - Es ist doch immer wieder herrlich, was der Fußball für schöne (und manchmal auch unschöne) Geschichten ans Tagesicht befördert. Das ist sicherlich einer der vielfältigen Gründe, warum wir diesen Sport so lieben. Und wenn dann auch noch ein Akteur ins Rampenlicht rückt, den man guten Gewissens als Vorzeige-Profi und Aushängeschild für Verein und Liga bezeichnen kann, dann ist das aller Ehren wert.

  • Der alte Mann und das Mehr an Toren...: Claudio Pizarro ist für Werder Bremen immer noch Gold wert, bescherte den Norddeutschen den Einzug ins Pokal-Viertelfinale und sicherte nun in Berlin einen Punkt. © picture alliance / dpa /...

    Der alte Mann und das Mehr an Toren...: Claudio Pizarro ist für Werder Bremen immer noch Gold wert, bescherte den Norddeutschen den Einzug ins Pokal-Viertelfinale und sicherte nun in Berlin einen Punkt. © picture alliance / dpa / nordphoto / Engler

Humor ist, wenn...

Als sich Werder Bremens Fußball-Methusalem Claudio Pizarro mit seinen zarten 40 Lenzen und 136 Tagen Lebensalter am Samstag in der sechsten Minute der Nachspielzeit das Leder für einen letzten Freistoß in Berlin zurecht legte, zählten nur zwei Dinge: Der Peruaner und der bei ihm stehende Max Kruse wussten, dass es a) die letzte Möglichkeit zum 1:1, und damit zum eher glücklichen Punktgewinn im Olympiastadion sein würde, und Kruse wusste zudem, dass der von Pizarro kurz angesprochene Plan, das Leder ins entferntere Torwarteck bugsieren zu wollen, kein guter sei: „Ich habe ihm gesagt, dass er dafür in seinem Alter nicht mehr genug Kraft haben würde“, zeigte Bremens Offensivkraft erstaunlichen Humor in der doch entscheidenden Situation.

…Mann trotzdem lacht

In Ehrfurcht vor dem Alter überließ Werders Kapitän dem abgezockten Oldie das Leder, und der bedankte sich. Ja, es war ein bisschen Glück dabei, aber in der Situation den Ball einfach flach in Richtung Mauer zu schießen und zu hoffen, dass die Akteure darin hochspringen, muss „Mann“ auch erst einmal machen. Claudio Pizarro tat genau das, der Ball wurde zweimal abgefälscht und landete zum vielumjubelten 1:1 im Netz der Hertha. „Das ist ein Punkt, der uns sehr bei unseren Zielen hilft. Und ich bin auch sehr stolz, dass ich der älteste Spieler bin, der in der Bundesliga ein Tor gemacht hat“, freute sich „Pizza“ völlig zu Recht über sein Murmeltor, das andere Bremer Experten als den schlechtesten jemals in Strafraumnähe getretenen Freistoß bezeichneten... Immerhin ist er mit bis dato 195 erzielten Bundesliga-Treffern ja eh schon seit geraumer Zeit der erfolgreichste in der Liga spielende Ausländer (wenn auch nur noch zwei Treffer besser als Robert Lewandowski).

Altersrekorde sind Bremer Recht

Dass er als neuer Altersrekordhalter mit Mirko Votava (40 Jahre/121 Tage) einen weiteren Ex-Bremer ablöste, machte die Geschichte nicht nur rund, sondern zeigt auch eindeutig auf, dass Altersrekorde irgendwie (dreimal) Bremer Recht sind. Die Nähe zur Nordsee und die eher beschauliche Bremer Lebensart scheinen guten Einfluss auf die Gene der dortigen altersstarken Fußballer zu haben. Da verwundert es nicht, dass mit Manfred „Manni“ Burgsmüller (39/226 Tage) auch der drittälteste Torschütze der deutschen Eliteliga zuletzt für Werder traf. Beim 2:2 am 2.Spieltag der Saison 1989/90 erzielte Burgsmüller, der danach noch einige Zeit für das Düsseldorfer American-Football-Team „Rhein-Fire“ aktiv war, gegen eben jene Düsseldorfer Fortuna sein letztes Bundesligator.

Selbst "Budde" traf in der Liga

Der eigentliche Bremer Rekordspieler bleibt aber für alle Rheumaliga-Kicker (zu denen ja auch noch Klaus Fichtel oder Willi Neuberger gehörten) unerreichbar: Dieter Burdenski. Der Ex-Nationaltorwart und heutige Event-Agentur-Inhaber bleibt mit 444 Bundesliga-Einsätzen (inklusive eines Elfmeter-Tores 1979 gegen den VfB Stuttgart) Rekordhalter an der Weser. Kurioserweise hat „Budde“ nach wie vor noch einen Altersrekord in Schweden inne: Nach dem Gewinn des Meistertitels 1988 mit Werder Bremen beendete Burdenski zunächst seine Karriere. Jedoch überredete ihn der ehemalige Werder-Profi Sanny Åslund, nunmehr Trainer beim schwedischen Traditions-Klub AIK Solna, zu einem Einsatz in der schwedischen „Allsvenskan“, also der dortigen ersten Liga. So stand „Budde“ am 25. August 1988 beim 0:0 gegen Hammarby IF zwischen den Pfosten und wurde damit zum ältesten Erstligadebütanten in Schweden.

Keine Alterserscheinung

Notiz am Rande: Außerdem ist Werders Ehrenspielführer Burdenski der erste Torwart, der bei einem offiziellen Elfmeterschießen in Deutschland einen Elfmeter halten konnte. So geschehen und gesehen beim DFB-Pokalspiel am 23. Dezember 1970 gegen den VfL Wolfsburg. Dies nur als Nachweis, dass es nicht zwingend erforderlich ist, jenseits der 35 als Fußballprofi aktiv zu sein, um Rekorde für sich zu beanspruchen. Es hilft aber, wenn man für Werder Bremen aktiv ist! Vielleicht überlegt Pizarro aktuell auch deshalb, ob er noch eine Saison dranhängt...

Warum er eigentlich wieder da ist...

Noch einmal zur sportlichen Einordnung: Werder Bremen verpflichtete den beim Absteiger 1.FC Köln vom Hof gejagten Pizarro zu Saisonbeginn zum fünften Mal (bei seiner Premiere kassierte er übrigens noch D-Mark...) auf Vorschlag von Nachwuchschef Björn Schierenbeck - und zwar als persönlichen Stürmer-Berater-Trainer für das große Talent Joshua Sargent, das damals noch zwischen U19 und U23 pendelte. Deshalb durfte Pizarro am Profi-Training teilnehmen, und weil zu Saisonbeginn gleich drei Angreifer verletzt waren, rutschte er wieder in den Profikader. Nun zählte seinLehrling zu den ersten Gratulanten auf dem Platz in Berlin - schließlich hatte der 18-Jährige diesen legendären Freistoß herausgeholt...

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