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A Girl Called Eddy: 15 Jahre Wartezeit - üppig belohnt

01.02.2020 - Wo war sie bloß, diese wunderbare Sängerin und Songwriterin Erin Moran? Vor rund 15 Jahren veröffentlichte sie ihr Solo-Debüt als A Girl Called Eddy, erst jetzt kommt der Nachfolger. Doch der ist das lange Warten wert. Ein Retropop-Meisterwerk.

  • Urplötzlich ist sie wieder da: A Girl Called Eddy. Foto: Elefant/Julian Simmons/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Urplötzlich ist sie wieder da: A Girl Called Eddy. Foto: Elefant/Julian Simmons/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Girl, where've You been?», sagt jemand zu Beginn des zweiten Albums von Erin Moran alias A Girl Called Eddy. Wo bist Du bloß gewesen? Diese Frage an eine der (ja, ganz sicher!) besten Pop-Sängerinnen unserer Zeit ist mehr als berechtigt.

Endlose fünfzehneinhalb Jahre hat Moran auf ihr Solo-Comeback warten lassen, seit sie mit dem Retropop-Debüt «A Girl Called Eddy» die Songwriter-Szene verzauberte. Umso heller glänzt nun «Been Around», die beim kleinen spanischen Label Elefant erschienene zweite Platte der geheimnisvollen Dame, die sich auf Fotos fast versteckt oder (für das neue Albumcover) mit einer großflächigen Audrey-Hepburn-Sonnenbrille tarnt.

Das passt irgendwie, denn die in England lebende US-Sängerin aus New Jersey ist so schön, so scheu und so «Sixties» wie die rehäugige Schauspielerin Hepburn. Diese hatte mit Henry Mancinis Lied «Moon River» (aus dem Kinofilm «Frühstück bei Tiffany») bekanntlich selbst einen Welthit als Sängerin - gern würde man die Melodie mal als Coverversion vom Mädchen namens Eddy hören, aber das nur nebenbei. Denn «Been Around» hat ja so viele andere wunderbare Songs aus Morans Feder zu bieten.

Insgesamt zwölf sind es, und hier trifft die Kritikerphrase «Besser geht's nicht» wirklich mal zu. War es beim Debüt 2004 noch der britische Crooner Richard Hawley, der die Tracks als Produzent mit einer samtig-edlen orchestralen Glasur überzog, so kümmerte sich diesmal im Studio Daniel Tashian um den Feinschliff. Dieser führt mit The Silver Seas selbst eine herausragende Retropop-Band und betreute zuletzt das Grammy-Gewinner-Album «Golden Hour» (2018) von Kacey Musgraves.

Zurück zu «Been Around» - zu einer Platte, die mit opulenten, aber nie überladenen Arrangements und Songs voller Anmut und Melancholie brilliert. Piano- und streicherverzierte Balladen in Burt-Bacharach-Manier wie «Big Mouth», «Charity Shop Window», «Lucky Jack» oder vor allem das Album-Highlight «Finest Actor» (mit einer Art Cembalo) berühren auch textlich sehr - also gern wie bei einem 60er-Jahre-Filmmelodram Taschentücher bereitlegen.

Anderswo lassen Moran/Tashian Background-Sängerinnen, Bacharach-Trompeten und Soul-Bläser losschmettern («Not That Sentimental Anymore», «Come To The Palisades»), ein Mundharmonika-Solo wie einst von Stevie Wonder aufblitzen («Been Around») oder den Westcoast-Funkpop von Steely Dan mit stilechter Walter-Becker-Gedächtnisgitarre Revue passieren (in der Freundschafts-Ode «Jody»). Alles erhaben und blitzeblank perfekt, jedoch zum Glück nicht altbacken oder steril-unterkühlt.

Dafür sorgt schon allein die warme, volle Altstimme der Erin Moran. Begeisterte Kritiker-Vergleiche nach ihrem Debüt und dem neuen Meisterwerk wildern bei den Besten: Aimee Mann, Chrissie Hynde (Pretenders), Tracey Thorn (Everything But The Girl), Amy Boone (The Delines) - aber auch große Easy-Listening-Sängerinnen wie Karen Carpenter (The Carpenters) oder Dionne Warwick.

Die Lieder von A Girl Called Eddy beleihen derweil neben dem Girlgroup-Wall-of-Sound der 60er und den großen Balladen dieses Jahrzehnts auch jüngeren Sophisticated-Pop von Prefab Sprout, The Divine Comedy, Richard Hawley oder Josh Rouse. Und doch ist dieser Sound so eigenständig, dass nur eines zu hoffen bleibt: Lass uns bitte nicht noch einmal 15 Jahre warten, Erin Moran!

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