Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Ultra-Violett

25.04.2019 - Zwei coole Farbtöne, zwei faszinierende Autos: Großer Bentley Mulsanne der Moderne trifft auf einen späten Vertreter jenes Mulsanne, der vor fast vierzig Jahren auf die Straße gelassen wurde – hier als später Turbo R. Ein Generationentreffen.

  • 40 Jahre Altersunterschied: Und die Farbe passt © SP-X/ Patrick

    40 Jahre Altersunterschied: Und die Farbe passt © SP-X/ Patrick Broich

  • Wer im Fond weilend unerkannt bleiben möchte, schließe die Gardinen für die hinteren Seitenfenster einfach per Knopfdruck © SP-X/ Patrick

    Wer im Fond weilend unerkannt bleiben möchte, schließe die Gardinen für die hinteren Seitenfenster einfach per Knopfdruck © SP-X/ Patrick Broich

  • Holz in Hülle und Fülle, feinstes, dick gepolstertes und duftendes Leder empfangen die Vertreter der besseren Gesellschaft © SP-X/ Patrick

    Holz in Hülle und Fülle, feinstes, dick gepolstertes und duftendes Leder empfangen die Vertreter der besseren Gesellschaft © SP-X/ Patrick Broich

  • Auch von hinten schön anzusehen © SP-X/ Patrick

    Auch von hinten schön anzusehen © SP-X/ Patrick Broich

  • Anders der Turbo R – hier beschränkt sich der Spieltrieb darauf, die Vielzahl der Drucktaster und Schalterchen auszuprobieren  © SP-X/ Patrick

    Anders der Turbo R – hier beschränkt sich der Spieltrieb darauf, die Vielzahl der Drucktaster und Schalterchen auszuprobieren © SP-X/ Patrick Broich

SP-X/Köln. Von wegen Turbo ist so ein neumodisches Ding, und von wegen, Hubraum alleine macht das Rennen. Bentley war zwar bei weitem nicht die erste Personenwagen-Marke, bei der Motoren mit dem ausströmenden Abgas beflügelt wurden, aber die Briten pimpen ihren traditionellen 6,75-Liter-Achtzylinder bereits seit 34 Jahren, um den reichen Automobil-Nimmersatt bei Laune zu halten. Doch dazu später mehr. Zunächst zum Mulsanne. Hierbei handelt es sich aktuell um den größten Bentley, mancher Fan mag auch sagen: um den wahren Bentley. Als Volkswagen seinerzeit in der Auseinandersetzung mit BMW und dem Vickers-Konzern zwar die Hoheit über die Edelbriten erlangten, es ihnen aber an standesgemäßem Triebwerkbau fehlte, entschieden die Wolfsburger, den traditionellen Sechsdreiviertel-Achtzylinder aus den Sechzigern in die Moderne zu überführen. So wurden schon die späten Ausführungen des Vorgängers Arnage mit dem Großkolben-Brocken befeuert; der Mulsanne – auch schon seit immerhin 2010 im Verkauf – natürlich ebenfalls.

Und so steckt im „wahren“ Bentley auch ein Traditionsherz. Hubraum wird hier noch hochgehalten, aber an so manchen Stellen – seien es Taster oder das Layout der Bildschirmmenüs – trägt der als Langversion 5,7 Meter messende Superliner natürlich schon die Handschrift des Großserienherstellers aus Niedersachsen. Meckern wir nicht und sind froh, dass es sowas überhaupt noch gibt. Holz in Hülle und Fülle, feinstes, dick gepolstertes und duftendes Leder empfangen die Vertreter der besseren Gesellschaft. Wer im Fond weilend unerkannt bleiben möchte, schließe die Gardinen für die hinteren Seitenfenster einfach per Knopfdruck.

Auf dem Arbeitsplatz halten mechanische Anzeigenadeln, die von oben nach unten laufen, ebenfalls die Tradition wach. Und der rote Drehzahl-Bereich ab 4.500 Touren erinnert vor der Losfahrt noch einmal an den Monster-Hubraum, so etwas kennt man bei allen anderen modernen Autos nur aus der Diesel-Welt. Der Tacho sieht beim verflossenen Turbo R im Vergleich dazu konventionell aus – der rote Bereich des Tourenzählers allerdings beginnt hier genauso früh. Zwischen den Skalen prangt aber natürlich kein hoch auflösendes Farbdisplay, wo auf Wunsch die Daten des Bordcomputers oder des Navigationssystems ausgegeben werden. Recht modern ist die neueste Ausbaustufe des Mulsanne – beim Infotainment hat Bentley selbst in jüngster Zeit noch draufgelegt: So ist der Screen neuerdings berührungsempfindlich und reagiert ziemlich schnell. Selbst Apple CarPlay kann man nutzen.

Anders der Turbo R – hier beschränkt sich der Spieltrieb darauf, die Vielzahl der Drucktaster und Schalterchen auszuprobieren von der Klimatisierung über die E-Sitzverstellung bis hin zum Tempomat. Doch jetzt wird losgefahren, schließlich ist das – komfortable – Fahren die ureigene Disziplin der großen Limousinen. Und es gilt herauszufinden, ob die beiden Mega-Luxusliner ihrem Ruf entsprechen können. Auch wenn gerade die Langversionen, in deren zweiter Reihe selbst Dirk Nowitzki seine Beine noch bequem austrecken könnte, angeblich eher für den Chauffeurbetrieb herhalten müssen, machen sie extrem neugierig. Also, Gentlemen, start your Engine.

Der betagte Turbo R mit seinen 389 Pferdchen klingt ziemlich gedämpft nach teurem Motor und schiebt trotz altmodischer Viergang-Wandlerautomatik kraftvoll an. Binnen kaum mehr als sechs Sekunden soll der Zweieinhalbtonner auf Landstraßentempo stürmen, das ist durchaus glaubwürdig. Viel Drehzahl braucht der altehrwürdige Engländer naturgemäß nicht. Der Beschleunigungsdrang hält übrigens bis 241 km/h an – auch nicht gerade langsam. Dies sei der Leihgabe hier und heute aber nicht angetan.

Tempo ist übrigens ein gutes Stichwort auch beim neuzeitlichen Bentley, der Mulsanne ist quasi die schnellste Extrem-Luxuslimousine, die der Markt zu bieten hat. Der 5,83 Meter lange Deutsch-Brite ist mit 296 km/h in den Papieren eingetragen, alle Achtung. Den Standard-Sprint beziffert der Hersteller übrigens mit 5,5 Sekunden, das ist ein Sportwagen-Wert. Bei Kickdown hebt die Limousine ihre Nase gen Himmel und treibt die Passagiere urgewaltig in die edlen Polster. Wer auf einer leeren, hiesigen Autobahn unterwegs ist, erreicht, falls erwünscht, derart vehement Tempi jenseits der 250km/h-Marke, dass man einen Sportwagen kaum vermisst. Vor allem läuft der Brite stoisch geradeaus – hektische Lenkkorrekturen? Nö. Schön herausgearbeitet haben die Techniker auch das Klangbild des großen Briten. Dass es sich um einen Achtzylinder handelt, ist kaum überhörbar: Innen murmelt der Mulsanne zurückhaltend, während es aus den Auspuffendrohren dezent, aber deutlich bollert.

Vergleicht man die beiden Luxusliner, zwischen denen von Modelldebüt aus betrachtet ziemlich genau dreißig Jahre liegen, zeigt sich, dass die Bentley-Besatzung einen guten Job gemacht hat und es ihr auch beim Mulsanne gelungen ist, Tradition und Moderne beinahe perfekt zu verbinden. Dass man mindestens 351.000 Euro für einen Neuwagen auf den Tisch legen muss, macht den Kundenkreis entsprechend exklusiv. Dafür gibt es dann ultraleise Fahrgeräusche, unglaublich komfortable Sitze und liebevolle Details wie das Gläserset samt Kühlfach zwischen den Fondsitzen (okay, letzteres dürfte wiederum Aufpreis erfordern). Ein klassischer Turbo R ist dagegen ein wahres Schnäppchen-Angebot. Ihn samt ähnlichem Luxus gibt es bereits für zehn Prozent des Mulsanne-Preises – und dann handelt es sich schon um ein gepflegtes Exemplar. Selbst wenn mal eine kostspielige Reparatur anfällt, bleibt das Luxus-V8-Turbovergnügen in diesem Fall relativ günstig. Viel Spaß also bei der Fahrzeugwahl.

Bentley Turbo R LWB – technische Daten:

Gesamtbauzeit 1985 bis 1998, Länge: 5,40 Meter, Breite: 1,95 Meter, Höhe: 1,49 Meter, Radstand: 3,16 Meter

6,75-l-Achtzylinder-Benzinmotor mit Turboaufladung, 286 kW/389 PS, maximales Drehmoment: 750 Nm bei 2.000 U/min, 0-100 km/h: 6,1 s, Vmax: 241 km/h, Viergang-Automatikgetriebe

Ehemaliger Neupreis:  ab 355.005 Mark (1995)

Heutiger Marktpreis nach Classic Data

Note 2: 24.700 Euro

Note 3: 14.100 Euro

Note 3: 6.200 Euro

Bentley Mulsanne EWB – technische Daten:

Luxuslimousine, Länge: 5,83 Meter, Breite: 1,93 Meter, Höhe: 1,54 Meter, Radstand: 3,52 Meter

6,75-l-Achtzylinder-Benzinmotor mit doppelter Turboaufladung, 377 kW/513 PS, maximales Drehmoment: 1.020 Nm bei 1.750 bis 3.250 U/min, 0-100 km/h: 5,5 s, Vmax: 296 km/h, Achtgang-Wandlerautomatik, Durchschnittsverbrauch: 16,2 l/100 km, CO2-Ausstoß: 342 g/km, Grundpreis: ab 351.526 Euro

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren