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Wolf Maahn: Das Klima-Problem kann die Welt vereinen

06.02.2020 - Für den seit Jahrzehnten politisch aktiven Musiker Wolf Maahn sind es «besondere Zeiten». Mit seinem neuen Rock-Reggae-Album appelliert er an Superreiche, viel Geld für Klimaschutz zu geben. Die Deutsche Presse-Agentur hat mit Maahn gesprochen.

  • Wolf Maahn bleibt Optimist. Foto: Jörg Carstensen/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Wolf Maahn bleibt Optimist. Foto: Jörg Carstensen/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mit seinem neuen Studioalbum setzt sich der Rocksänger und Songwriter Wolf Maahn für den Klimaschutz ein und will die besonders Wohlhabenden ködern. Die Deutsche Presse-Agentur sprach mit dem 64-Jährigen über Reggae als Protest-Sound, Politik im Pop - und ein ungewöhnliches Charity-Projekt.

Frage: Sie legen mit «Break Out Of Babylon» ein sehr politisches Album vor, dessen Songs stark vom Reggae geprägt sind. Wie kam es zu dieser Kombination?

Maahn: «Das sind besondere Zeiten. Die Gesamtsituation ist politisch sehr spannend. Daher musste ich eine Lust auf entspannte Musik verbinden mit politischem Aktivismus. Und was geht da besser als Reggae? Diese Musik hat viel zu tun mit Auflehnung, auch gegen Ungerechtigkeit.»

Frage: Fürchten Sie nicht, dass man Ihnen Naivität vorwerfen wird, wenn Sie die Superreichen explizit für Umweltschutz und soziale Projekte einspannen wollen?

Maahn: «Ich glaube, dass die Reichen viel zu wenig auf dem Schirm sind in der ganzen Klimadiskussion. Jeder von uns muss nahezu einen Kulturwandel hinlegen. Und dann sind da die Reichen. Allein von den Billionen Euro, die in den Steuerparadiesen liegen, könnte man das Klima schon retten. Indem man zum Beispiel den Amazonas-Urwald einfach kauft, gegen das Abholzen. Es gibt ja auch schon Beispiele wie Ted Turner von CNN oder Bill Gates - das ist eine tolle Tendenz.»

Frage: Deshalb also die letztlich optimistische Geschichte vom reichen Investor, der geläutert wird durch Tochter und Ehefrau?

Maahn: «Das ganze Album dient dazu, da mal so richtig mit dem Finger draufzuzeigen. Die Superreichen sind die großen Profiteure - ob direkt oder indirekt - dieser wahnsinnigen Gewinnmaximierung, die auf Kosten der Ressourcen seit Jahrzehnten läuft. Das Haus brennt, und ein Handy kann man nicht essen, insofern müssen wir uns beeilen. Je schneller, desto besser.»

Frage: Resigniert man nicht irgendwann, wenn man sich als Musiker schon so lange wie Sie gesellschaftspolitisch engagiert?

Maahn: «Jetzt gerade gar nicht. Ich habe so viele Jahre das Klima- und Umweltthema in Songs auf dem Schirm gehabt - aber jetzt fängt's ja gerade so richtig an, auch die Letzten haben verstanden, dass was passieren muss. Allerdings gibt es derzeit natürlich viele Hooligans als Staatschefs, die sich immer mehr daneben benehmen - Klimawandelleugner, Möchtegern-Cäsaren. Aber wer hätte denn gedacht, dass sich ein 16-jähriges Mädchen mit einem Plakat allein vor ein Parlamentsgebäude setzt und damit eine große Bewegung auslöst?»

Frage: Ist Politik im Pop nicht längst überholt, seit den Goodwill-Bewegungen der 80er?

Maahn: «In den 90ern waren wir mit Protestliedern ja uncool - als Betroffenheitssänger, die mit den Birkenstock-Latschen. Was das parteipolitische Engagement heute betrifft: Ich bin da ein bisschen distanziert. Wobei die Grünen natürlich die Partei sind, die am ehesten Klartext redet in ihrem Programm etwa zum Klimawandel. Da käme es vielleicht auf den Rahmen an. Aber generell möchte ich mich als unabhängig begreifen.»

Frage: Und Sie bleiben Optimist?

Maahn: «Auf jeden Fall. Das Klima-Problem ist ja zumindest theoretisch wirklich dazu geeignet, die Welt wieder zu vereinen. Da kommt man mit Nationalismus nunmal nicht weiter. Dem Klima ist es egal, welche Landesgrenze wo anfängt. Vielleicht werden wir dadurch jetzt gezwungen, uns zusammenzuraufen.»

Frage: Greta Thunberg, Luisa Neubauer, Carola Rackete - liegt der Schlüssel für eine bessere Welt bei den Frauen?

Maahn: «Frauen sind näher an der Natur dran - die Welt wäre besser, wenn sie mehr Macht hätten. Aber es gibt natürlich noch so viele etablierte Männerdomänen, die ganzen Chauvis halten sehr an ihrer Macht fest.»

Frage: Noch einmal zurück zum neuen Album. Sie bieten «Break Out Of Babylon» für eine Million Euro in einer einmaligen Sonderedition an - in signierter Geschenkbox, plus ein ‪Maahn-Privatkonzert mit Band oder solo in Europa, ein USB-Stick mit einem maßgeschneiderten Song, je eine Originalzeichnung von Ihnen und Ihrer Frau Angelika sowie «weitere Specials». Verrückte Idee?

Maahn: «Das richtet sich allein schon durch den Preis an Superreiche. Bedingung ist, dass eine Million Euro gespendet werden an zwei Nichtregierungsorganisationen, je zur Hälfte für Naturschutz und soziale Projekte. Nicht, dass ich unbedingt glaube, dass da einer anbeißt. Aber so promote ich jetzt eben mal meinen Appell an sehr reiche Mitbürger, sich aktiv an der Heilung des Planeten und unseres Gemeinwohls zu beteiligen.»

ZUR PERSON: Der in Köln lebende Musiker Wolf Maahn (64) engagiert sich schon seit den 80er Jahren politisch, etwa in der «Band für Afrika» (1985), für Opfer des Bosnien-Krieges (1996) und gegen Atomenergie. Er trat mit seiner Band Die Deserteure als erster deutscher Act live im legendären TV-«Rockpalast» auf. Ein Großteil seiner Alben kam in die deutschen Charts. Außerdem war er als Filmmusikkomponist, Produzent und Songschreiber für andere Deutschrocker sowie als Schauspieler aktiv.

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