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Gamerdingers Fußball-Kolumne

24.06.2019 - Sie kennen das: Manchmal passieren sich wiederholende Dinge im Leben und, zum Leben dazugehörig, im Sport. Dann benutzen wir Redakteure und Reporter gern geflügelte Worte oder, noch besser, alte Binsenweisheiten. Eine dieser Weisheiten stammt zwar aus dem Reitsport, wird aber gern auch im Fußball-Genre angewendet. Und spätestens seit gestern Abend sogar völlig zu Recht, wie ich finde: „Ein gutes Pferd springt immer nur so hoch, wie es muss!“

  • Es kann nur einen geben: Luca Waldschmidt (l.) ist auf dem besten Weg, Torschützenkönig der U21-EM zu werden. Der Freiburger erzielte beim 1:1 gegen Österreich bereits seinen fünften Turniertreffer. © picture...

    Es kann nur einen geben: Luca Waldschmidt (l.) ist auf dem besten Weg, Torschützenkönig der U21-EM zu werden. Der Freiburger erzielte beim 1:1 gegen Österreich bereits seinen fünften Turniertreffer. © picture alliance / dpa / Gabriele Menis / ANSA / AP Photo

Sie ahnen es? Genau! Ich nehme Bezug auf das 1:1 der deutschen U-21-Nationalmannschaft, die mit den Minimalzielen „Erreichen des Halbfinals“ und damit  „Qualifizierung für die Olympischen Spiele in Tokio“ in die Europameisterschaft gestartet war. Mindestens genau eines solchen Unentschiedens bedurfte es gestern nämlich,  um vorgenannte Mindestanforderung zu erfüllen. Dass der dänische Nachbar mit seinem Sieg gegen die Serben das Ganze stresslos möglich machte, spielte dem Bundestrainer und seinem Team natürlich wunderbar in die Karten. Man musste eben nur „so hoch springen“ wie notwendig.

Klingelnde Ohren

Aber bitte nicht falsch verstehen: Der deutsche Fußball-Nachwuchs hat sich das Halbfinale mit Siegen gegen die Dänen und (überragend) gegen Serbien natürlich redlich verdient. Selbst eine knappe Niederlage hätte gereicht, aber seit der „Schmach von Cordoba“ 1978 bin ich immer noch ein – Achtung – „gebranntes Kind!“ „Toooor, Toooor, Tooooor – i wer‘ narrisch“ klingelte sofort nach dem gestrigen Ausgleich die Stimme des österreichischen Kult-Moderators Edi Finger in meinen Ohren.

41 Jahre und zwei Tage

Bei der damaligen WM in Argentinien hätte dem amtierenden Weltmeister Deutschland nämlich unter Umständen auch ein Unentschieden zum Weiterkommen gereicht, aber Österreichs Torjäger Hans Krankl, der nach dem Turnier aus Wien zum FC Barcelona wechselte,  schoss mit seinem 3:2 den Titelträger aus dem Turnier. Und das, obgleich Deutschland zuvor 50 Jahre lang nicht gegen die Alpenrepublik verloren hatte. Gut, dass das für mich traumatische Erlebnis gestern „erst“ ziemlich genau 41 Jahre und zwei Tage zurück lag!

Gesteigertes Interesse

Auf ein solches Trauma kann ich beim Frauenfußball glücklicherweise nicht „zurückgreifen“, für den habe ich mich nämlich damals noch nicht die Bohne interessiert, was ich offen gesagt heute ein wenig bedaure, denn das hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. Nun freue ich mich sogar auf das Viertelfinale der Frauen-WM, denn unsere Mädels wissen, wann man(n) Top-Leistungen abrufen muss.

Titelträume in Frankreich

Auch wenn gegen die Elf aus Nigeria der Videoassistent bei den ersten beiden Treffern – völlig berechtigt – unterstützen musste, war der souveräne 3:0-Sieg im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich hochverdient und ein echtes Ausrufezeichen, denn für die deutsche Mannschaft muss auch am kommenden Samstag die „Tour de France“ noch nicht beendet sein. Der Gegner soll sich heute finden: Schweden und Kanada sind in der Verlosung. Ich glaube ja, dass in Frankreich Titelträume wahr werden können…

Ärgernis VAR

Was da aber in Frankreich in Sachen Videobeweis passiert, ist einfach nur noch krank. Und schlimmer: Es macht unseren Fußball kaputt, nicht nur den Frauenfußball. Vor diesem Turnier hat noch nie ein Frauen-Spiel mit dem VAR stattgefunden – einfach aus dem Grund, dass die technischen Voraussetzungen in den kleinen Stadien fehlen. Nun soll aber plötzlich und über Nacht eine chinesische Schiedsrichterin namens Qin Liang per Headset mit dem deutschen Video-Assistenten Bastian Dankert kommunizieren, um dann dessen manchmal hanebüchenen Vorschläge kamerunischen Fußballerinnen zu erklären. Und das, ohne dass auch nur ein Zuschauer im Stadion irgendetwas davon versteht, was gerade auf dem Rasen diskutiert wird. Es gibt keine Einblendungen, keine Wiederholungen, keine Erklärungen! Nein, natürlich gehört es sich nicht, dass die kamerunischen Kickerinnen beim 0:3 gegen England zwischenzeitlich zweimal aufhören wollten, und ja: Die Entscheidungen im Keller waren richtig und zentimetergenau. Aber der Sport geht spätestens dann kaputt, wenn wir wegen dieses kläglichen Video-Schauspiels einmal acht und einmal zehn Minuten Nachspielzeit aufgebrummt bekommen.


Rolle Rückwärts

Kameraschwenk: Auch in Deutschland kommt das runde Leder so langsam wieder ins Rollen. Die meisten Zweitligisten sind bereits in die Vorbereitung gestartet. Ganz so weit ist man in Paderborn und Leipzig zwar noch nicht, aber im administrativ-organisatorischen Bereich wurde bereits eine Übung vollzogen – und zwar die der Rolle rückwärts!

Kooperation abgeblasen

Nach erhöhtem öffentlich Druck und einer Petition der eigenen Anhänger gegen die angestrebte Kooperation zwischen Aufsteiger Paderborn und den finanzstarken „RasenBallsportlern“  aus Leipzig wurde das angestrebte Unterfangen nun wieder ad acta gelegt. Dass es den Verantwortlichen in Paderborn an der notwendigen Weitsichtigkeit in Sachen möglicher Kritik gefehlt hat, mag ich noch halbwegs entschuldigen. Dass aber die Leipziger dermaßen dilettantisch agieren, kommunizieren und handeln, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ein Verein, der fast täglich um seine Akzeptanz kämpfen muss und im Haifischbecken des Profifußballs wirtschaftlich ziemlich weit oben mitschwimmt, macht sich mit derlei betriebsblinden Aktionen all das selbst kaputt, was sich in mühevoller Kleinarbeit erarbeitet werden musste: Vertrauen bei den Anhängern und Fußball-Fans. Unfassbar!

Übrigens genauso unfassbar, wie 31,5 Millionen für einen 30-jährigen Abwehrspieler auszugeben. Es sei denn, der Spieler trägt hinter den Kulissen selbst einen Teil der „Abstecke“. Mats ab!

Auch im Amateurfußball geht's wieder los

Die schönste Anekdote meines Fußball-Wochenendes möchte ich Ihnen aber nicht vorenthalten: Am Sonntagvormittag durfte ich das erste Testspiel einer Mannschaft der Kreisklasse A gegen ein neu gegründetes Team (also Kreisklasse B) als Schiedsrichter begleiten. Vor dem Spiel kam der Kapitän der Heimmannschaft in meine Kabine und fragte, ob der Innenverteidiger sein eigenes Trikot tragen dürfte, obwohl es etwas heller als die anderen ist. Er hatte es sich in der Sommerpause gekauft, weil er nicht mehr in die Team-Trikots hinein passte... Die Partie endete übrigens 3:3, denn der Innenverteidiger hatte doch mehr oder weniger leichte Tempodefizite.

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