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Marathon in der Krise: Läufer brauchen einen langen Atem

14.07.2020 - Auch die Marathonszene bekommt die Corona-Krise schmerzhaft zu spüren. Derzeit läuft kaum noch was. Das betrifft weniger die gut versorgte kleine Elite, sondern vor allem Amateure und Veranstalter. Lauf-Manager Jos Hermens spricht von einem «Drama» in Afrika.

  • Marathonläufe finden wegen der anhaltenden Coronavirus-Pandemie nicht statt: Den Elite-Athleten fehlen Wettkämpfe und Einkünfte. Foto: Richard Drew/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Marathonläufe finden wegen der anhaltenden Coronavirus-Pandemie nicht statt: Den Elite-Athleten fehlen Wettkämpfe und Einkünfte. Foto: Richard Drew/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nun ist der sprichwörtliche lange Atem der Marathonläufer gefragt: Hunderttausende Freizeitläufer können in Corona-Zeiten nicht mehr an den Start gehen, den Elite-Athleten fehlen Wettkämpfe und Einkünfte, die Veranstalter bangen um ihre Zukunft.

Die Corona-Pandemie hat so gut wie alle bedeutenden internationalen Laufveranstaltungen gestoppt, darunter die Marathon-Klassiker von Berlin, Boston und New York. Am 13. Juli wurde das Rennen in Chicago gecancelt. Der Hamburg-Marathon steht offenbar kurz vor einer Absage, und auch in Frankfurt deutet alles auf einen Ausfall hin. Die allein in Deutschland millionenschwere Branche City-Marathonlauf steht auf der Kippe. «Wenn weiterhin keine bedeutenden Rennen stattfinden dürfen, ist bei den Leistungssportlern ein Rückfall in den Semi-Amateurstatus zu befürchten», sagt Manager Christoph Kopp, der unter anderen Hendrik Pfeiffer, Amanal Petros und Alina Reh betreut. «Ausrüsterverträge federn zurzeit noch etwas ab, aber sie dürften auch reduziert werden, denn sie sind leistungsabhängig. Ohne Wettkämpfe ist natürlich keine Leistung möglich», erklärt Kopp. «Die Enttäuschung ist riesig bei allen. Aber ich glaube, die Leistungssportler sind noch nicht so demotiviert, dass sie alles in die Ecke schmeißen.»

Solange das Verbot für Großveranstaltungen gilt und es für Veranstalter trotz aufwendiger Hygiene-Konzepte kaum politische Unterstützung gibt, sieht es schlecht aus. «Noch hat niemand das Handtuch geworfen. Aber eine zweite Absage 2021 wird so gut wie keiner verkraften, dann gibt es eine Pleitewelle«, sagt Horst Milde, der Vorsitzende der deutschen Straßenlaufveranstalter, German Road Races (GRR), und Gründer des Berlin-Marathons. Im April hat GRR beim Innenministerium einen Rettungsfonds für den Straßenlaufsport beantragt. «Bisher ist noch nichts entschieden», sagt Milde. International hegen ein paar Veranstalter bedeutender Rennen noch Hoffnungen: Amsterdam, Istanbul, Paris oder auch London gehören dazu. Hamburg und München haben mit großem Aufwand Schutz-Konzepte vorgelegt, die beispielhaft sein können für einen Neuanfang des internationalen Laufsports. In Hamburg soll der Veranstalter jedoch nicht nur für die Teilnehmer, sondern offenbar auch für etwaige Zuschaueransammlungen außerhalb von Start- und Zielbereichen Konzepte umsetzen. Dies ist bei einer Streckenlänge von 42,195 Kilometern nicht zu leisten. «Die Hamburger haben ein sehr gutes Konzept erarbeitet», betont Kopp, der für die Rennen in Frankfurt und Hannover das Elitefeld zusammenstellt und zudem etliche deutsche Topläufer betreut. «Die Stadt müsste jetzt ein Interesse zeigen, Verantwortung übernehmen und mit Zuschauer-Regeln sowie punktuellen Kontrollen die Rahmenbedingungen schaffen, damit etwas stattfinden kann.» Ähnlich sieht es Branchenkenner Jos Hermens. Der niederländische Manager betreut unter anderen Kenias Marathon-Superstar Eliud Kipchoge. «In Afrika ist es ein Drama», warnt der frühere Weltklasseläufer. Die absoluten Stars der Szene sind aufgrund guter Werbeverträge bislang noch nicht gefährdet. Aber selbst für Athleten, die Weltklasse-Marathonzeiten von 2:05 (Männer) beziehungsweise 2:21 Stunden (Frauen) erreichen, wird es schwierig.

«Sie sind abhängig von Preisgeldern», erklärt Hermens, sagt aber auch, dass Kenianer oder Äthiopier nicht so schnell aufgeben. «Sie akzeptieren die Situation, sie haben in ihrem Leben gelernt, mit schwierigen Bedingungen fertig zu werden.» Zudem gibt es in Afrika große Solidarität. So versorgt Eliud Kipchoge Athleten und deren Familien in seiner Umgebung mit Essen.

Hermens gehört auch zum Organisations-Team des Amsterdam- Marathons, der für den 18. Oktober geplant ist. «Wir versuchen alles», sagt er, «denn es ist wichtig für den gesamten Laufsport, dass Läufe wie Hamburg oder Amsterdam stattfinden können.»

© dpa-infocom, dpa:200714-99-783971/2

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