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Unordnung gefährdet Weltmeister-Hierarchie

20.06.2018 - Spieler-Chefs wie Khedira und Müller suchen noch die WM-Form. Auch Dauersieger Kroos wird kritisch beäugt. Die sportliche Unordnung stellt auch die Hierarchie im Nationalteam auf den Prüfstand.

  • Thomas Müller bei der Pressekonferenz in Sotschi. Foto: Ina Fassbender © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Thomas Müller bei der Pressekonferenz in Sotschi. Foto: Ina Fassbender © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wenn die Anführer schwächeln, wird es kompliziert. Genau das erlebt die Fußball-Nationalmannschaft in Russland. Wenn dann noch über erste Risse diskutiert wird in der Hierarchie des Weltmeisters und im Spielergefüge, sind das Alarmsignale.

Und so sagte Thomas Müller, seit acht Jahren einer der Protagonisten in der Mannschaft von Joachim Löw, drei Tage vor dem Alles-oder-nichts-Spiel gegen Schweden in Russland: «Der Druck ist enorm groß, wir haben zwei dicke Aufgaben vor uns. Wir werden nicht gewinnen, wenn wir uns selbst zerfleischen und Fehler bei anderen suchen.»

Zerfleischen? Auseinanderfallen? Nach der überraschenden und zugleich selbst für die Nationalspieler rätselhaften Niederlage zum Auftakt gegen Mexiko geht es vor allem um Verantwortung, um den Stellenwert einzelner Akteure und das Innenleben des Teams überhaupt. «Zusammen. Geschichte schreiben», ist auf dem Bus zu lesen, mit dem die deutschen Weltmeister auch jetzt durch Sotschi fahren. «Man braucht in einer Mannschaft Kommunikation und Führungspersönlichkeiten, die das große Ganze im Auge behalten», sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Schon nach einem Spiel steht das auf dem Prüfstand. «Die Hauptursache liegt bei uns Führungsspielern, dass wir die Bereitschaft nicht hatten, es auf dem Platz in die Hand zu nehmen und zu organisieren», sagte Manuel Neuer. Er ist der einflussreichste Chef unter den Akteuren. Der 32-Jährige ist der Kitt im Team. Nur: Durch seine Verletzungspause war er 18 Monate lang praktisch raus. Auch in der Vorbereitung hatte der Torwart lange mit seiner Genesung zu kämpfen. Jetzt musste er feststellen: Es knarrt und knackt im Team-Gerüst.

Die Abwehrspieler Jérôme Boateng und Mats Hummels sind unzufrieden mit dem schlampigen Spiel der Vorderleute. Ihre von Löw weiter hoch eingeschätzten Weltmeister-Kollegen Toni Kroos, Sami Khedira, Mesut Özil und Müller haben sichtbare Probleme, in Russland wieder in den Rhythmus zu kommen. Junge Stammkräfte wie Joshua Kimmich beanspruchen für sich mehr Freiheiten und wollen mitreden. Confed-Cup-Sieger wie Leon Goretzka müssen mit einer Nebenrolle zufrieden sein. Das ist ein nicht unproblematischer Mix. «Der Bundestrainer weiß auch, wie die Situation ist», sagte Neuer. Löw bezieht vor allem die Führungskräfte ein. «Wir haben einen wahnsinnig starken Mannschaftsrat.»

Die sportlich-taktische Unordnung gefährdet den Teamfrieden, auch wenn Teammanager Oliver Bierhoff Risse dementiert: «Ich sehe keinerlei Konflikte. Es gibt wie immer Spieler, die mehr zusammen sind oder weniger.» Müller hat schon weitaus kompliziertere Turniergruppen erlebt, etwa bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine, als es eine Dortmunder und eine Bayern-Fraktion gab. «Da hatten wir nicht die beste Teamchemie. Das ist jetzt nicht der Fall», sagte der Münchner.

Das Problem in Russland resultiert aus der Form und dem Status aktueller Spielerchefs - und der unterschiedlichen Beurteilung von Löws WM-System. «Es ist unheimlich schwer, eine Mannschaft zu führen. Speziell hier in der Nationalmannschaft, die zusammengewürfelt ist mit vielen internationalen Topspielern. Jeder hat eine eigene Idee vom Verein, jeder hat eine eigene Auffassung vom Fußball», sagte der 31 Jahre alte Khedira.

Khediras Rolle als Löws Vertrauter wird genauso kritisch beäugt wie die Zugeständnisse an den viermaligen Champions-League-Sieger Kroos. Nach dem jüngsten Triumph mit Real Madrid bekam der 28-Jährige gleich eine Woche Urlaub, bevor er in Südtirol zu den Kollegen stieß. Die internen Diskussionen sind heftig. «Es war wichtig, nicht zur Tagesordnung übergehen zu wollen, dass wir ein bisschen tiefergehen. Und dass es nicht einseitig vom Trainerstab kommt», sagte Bierhoff.

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