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Gamerdingers Fußball-Kolumne

26.02.2019 - Das Schöne am Fußball ist ja, dass nicht alles vorhersehbar und berechenbar ist. Es gibt jede Saison positive wie negative Überraschungen, und das ist auch gut so. Denn diese Ausreißer nach unten und oben halten die Bundesliga am Leben, machen sie interessant und manchmal sogar spannend. Dass zum Beispiel die Frankfurter diese Saison eine gute Rolle spielen würden, hatten Ihnen nicht so viele zugetraut (ich ja schon ;-). Zugetraut wurde dies hingegen vielmehr den Schalker „Knappen“, die nach der guten vergangenen Saison samt Trainer ziemlich hochgejubelt wurden. Die Realität ist allerdings eine ganz andere.

  • Winke, winke! Christian Heidel nimmt spätestens zum Saisonende Abschied von den Königsklauen. Der 55-Jährige kann zumindest erhobenen Hauptes gehen. © picture alliance / dpa / augenklick / firo Sportphoto / Sebastian...

    Winke, winke! Christian Heidel nimmt spätestens zum Saisonende Abschied von den Königsklauen. Der 55-Jährige kann zumindest erhobenen Hauptes gehen. © picture alliance / dpa / augenklick / firo Sportphoto / Sebastian El-Saqqa

Psychose-Gefahr

Nachdem der Saisonverlauf bis dato als ziemlich enttäuschend bezeichnet werden kann, stellte sich die Schalker Mannschaft in der vergangenen Woche gleich zweimal ein Armutszeugnis aus, das in der Abfolge kaum zu toppen ist. Nach insbesondere physisch bärenstarken 84 Minuten führte Königsblau im Champions-League-Achtelfinalhinspiel im eigenen Stadion überraschend mit 2:1 gegen Manchester City, um letztlich in Überzahl doch noch mit 2:3 zu verlieren. So stark wie die Leistung bis zu eben jener 84. Minute war, so stark zehrte die Niederlage dann auch an der eh schon gebeutelten Psyche der S04-Akteure. Der Sieg war quasi sehenden Auges aus den Händen entglitten, und all die Schelte für die eh schon schwache Saison zuzüglich der Riesenenttäuschung nach dem Schlusspfiff blieb an den Trikots und den Seelen der Spieler hängen. Sowas birgt Psychosengefahr!

… Mainz wie singt und lacht

Sie können sicher sein, dass selbst ein Motivationskünstler wie Jürgen Klopp in so einer Situation, das nächste Pflichtspiel vor Augen, erstmal ziemlich ratlos dasteht. So in etwa wird es auch Dominic Tedesco ergangen sein, zumal er sicherlich auch da schon wusste, dass sein bester Verteidiger, Manager und Sportvorstand Christian Heidel, spätestens zum Saisonende seine Arbeit in Gelsenkirchen beenden wird. So verwunderte es irgendwie auch überhaupt nicht, dass die Partie am Samstag in Mainz zum Karnevalskracher für die Hausherren wurde und 05 mit 3:0 gegen 04 siegte. Mainz, wie es singt und lacht, und auf Schalke sagte Heidel „gut Nacht!“

„Think big“ vs. Kontinuität

Was war der Schalker Oberguru Clemens Tönnies doch froh, als die Verpflichtung von Christian Heidel unter Dach und Fach war. Der vormalige Mainzer Manager stand für Kontinuität, strukturelles Arbeiten und vor allem auch Seriösität und Ruhe. All das sollte mit Heidels Amtsantritt auch auf Schalke Einzug halten. Tat es auch – nur eine Zutat fehlte: Die „Think Big“-Mentalität! Christian Heidel sorgte für Ruhe im Umfeld, brachte viele strukturelle Dinge auf den Weg, investierte in die Nachwuchszentren, vertrat in der Öffentlichkeit souverän und sachlich die Schalker Vereinsfarben und hatte das große Glück, dass „sein“ Trainer ebenfalls Glück hatte und mit mehr oder weniger viel Rumpelfußball deutlich häufiger punktete als mit dem gleichen unattraktiven Spielstil in dieser Saison. Eine Erfahrung fehlte Heidel jedoch: die, der wirklich großen Transfers. Große Trainer (Klopp, Tuchel!) konnte er, große Spieler (noch) nicht!

Anspruch und Wirklichkeit

154 Millionen Euro hatte Christian Heidel seit seinem Amtsantritt im Sommer 2016 investieren können. Im Vergleich zu den Transfer-Erlösen satte 40 Millionen mehr, als der Klub für etliche Abgänge eingenommen hatte. Doch es reichte nicht, die hohen Ansprüche auf Schalke zu erfüllen, denn von einem stabilen Spitzenteam ist man im Pott meilenweit entfernt. Zwar konnte er die Gehaltskosten von 100 auf 70 Millionen absenken, aber das interessierte Klubchef Clemens Tönnies am Ende nur noch am Rande. Die öffentliche Empfehlung gen Heidel, einen  Berater mit Fußballsachverstand hinzu zu ziehen, war für den Manager das Signal zum Aufbruch.

Zurück in die Zukunft

Als dann auch noch in der Boulevard-Presse folgender Satz zu lesen war:  "Wenn Heidel ein bisschen Anstand hat, schämt er sich für sein Miss-Management und verschwindet ohne Abfindung“, war das Maß voll. Dass ein solches Vorgehen nichts mehr mit Seriösität zu tun hat und keinerlei Grundlage für Zusammenarbeit bietet, ist offensichtlich. Wieder einmal klafften bei Schalke Anspruch und Wirklichkeit am Ende viel zu weit auseinander. Wenn dann der Präsident auch noch in bester Marty-Mc-Flay-Manier in alte Strickmuster zurückfällt, wird es Zeit zu gehen. Das hat Christian Heidel gut erkannt! Sein nächster Verein wird viel Freude an ihm haben, denn er konnte in den vergangenen zwei Jahren sein eh schon gutes Profil noch einmal schärfen.

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