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Sparen ohne Stinkefinger

26.09.2019 - Klimakrise? Wirtschaftskrise? Die wohl drängendsten Fragen der jüngeren Zeit weiß der Seat Arona TGI souverän zu kontern. Vor allem deshalb fiel uns der Abschied von unseren Dauertester schwer.

  • In der Erdgasversion TGI ist der Seat Arona ein echtes Sparmobil ©

    In der Erdgasversion TGI ist der Seat Arona ein echtes Sparmobil © Seat

  • Mit Erdgasbetrieb fährt sich der Seat Arona nicht ganz so spritzig wie mit Benzin. Sogar störend ist seine ausgeprägte Anfahrschwäche in den ersten beiden Gängen ©

    Mit Erdgasbetrieb fährt sich der Seat Arona nicht ganz so spritzig wie mit Benzin. Sogar störend ist seine ausgeprägte Anfahrschwäche in den ersten beiden Gängen © Seat

  • Mit seinen 4,14 Meter ist der Seat Arona etwas länger als typische Kleinwagen ©

    Mit seinen 4,14 Meter ist der Seat Arona etwas länger als typische Kleinwagen © Seat

  • Sollte der Erdgasvorrat aufgebraucht sein, schaltet der Antrieb automatisch und eigentlich unmerklich auf Benzinbetrieb um ©

    Sollte der Erdgasvorrat aufgebraucht sein, schaltet der Antrieb automatisch und eigentlich unmerklich auf Benzinbetrieb um © Seat

  • Wenn man genau hinschaut, kann man zwei Tankanzeigen im Kombiinstrument entdecken - eine für Benzin, die andere für Erdgas ©

    Wenn man genau hinschaut, kann man zwei Tankanzeigen im Kombiinstrument entdecken - eine für Benzin, die andere für Erdgas © Seat

  • Ein besonderer Vorteil der Erdgasbetankung: Man bekommt beim Hantieren mit dem Zapfhahn keine Stinkefinger ©

    Ein besonderer Vorteil der Erdgasbetankung: Man bekommt beim Hantieren mit dem Zapfhahn keine Stinkefinger © Seat

Köln/SP-X. Auch die jüngste Generation an Erdgasautos ändert nichts an den Nachteilen dieser Antriebsart: Wie schon vor 20 Jahren fährt sich auch ein neuer Seat Arona TGI im Gasbetrieb etwas träger und mit rauerem Motorlauf. Zudem können das unvermindert grobmaschige Tankstellennetz als auch niedrige Reichweiten den Alltag verleiden. Dennoch fiel am Ende eines mehrmonatigen Dauertests über fast 10.000 Kilometer der Abschied vom Spar-Spanier schwer, denn trotz antriebsbedingter Nachteile bietet er seinem Nutzer das Potenzial zum Glücklichsein.

Vor allem wer sich, wie in unserem Fall, jedes Wochenende auf eine längere Pendlertour begibt, wird schnell Freundschaft mit dem Arona schließen. Man erlebt mit ihm sogar Glücksmomente, vor allem wenn die Spritpreise hoch sind. So kann man sich häufiger darüber freuen, als Erdgaskonsument von steigenden Benzin- und Diesel-Preisen unbehelligt zu bleiben. Dessen ungeachtet kommt zudem Freude auf, wenn auch das Erdgas teuer ist. Dann bekommt man nämlich in der Regel H-Gas, welches eine höhere Energiedichte hat und damit mehr Reichweite erlaubt. Im Vergleich zum L-Gas liegt der Aufpreis bei rund 20 Prozent, ähnlich erhöht sich auch die Reichweite. Reicht im Fall des Arona TGI eine L-Gas-Tankung praktisch für 250 bis 280 Kilometer, sind bei H-Gas sogar 350 Kilometer drin. Wie üblich, kann die Reichweite abhängig von der Fahrweise deutlich variieren. Die genannten Werte beziehen sich vornehmlich auf Autobahntouren mit Richtgeschwindigkeit. Dann wird man ziemlich verlässlich mit ungefähr vier bis fünf Euro auf 100 Kilometer hinkommen. Selbst mit den sparsamsten Dieselmodellen ist es unmöglich, ein derart niedriges Kostenniveau zu erreichen.

Im Vergleich zu einem parallel von unserer Redaktion als Dauertester genutzten Kompakt-SUV (8 Liter Benziner/100 km) verursachte der Arona etwa 60 Prozent weniger Spritkosten. Auf einer Gesamtstrecke von 700 Kilometern lag die Ersparnis bei fast 50 Euro. Und das jedes Wochenende. Wer übers Jahr gerechnet seine 30.000 Kilometer zusammen pendelt, kann im Vergleich zu einem moderat durstigen Benziner seine jährlichen Spritkosten um gut 2.000 Euro senken. Über zehn Jahre gerechnet hätte man so die 20.320 Euro Anschaffungskosten für den kleinen Erdgas-Seat bereits eingefahren.

Auch wenn vor allem das Kostenkapitel in äußerst überzeugender Weise für den Erdgasantrieb spricht, findet der weiterhin in Deutschland wenig Verbreitung. Gleiches trifft auch auf die Tankstellen zu. Rund 850 sind es aktuell. Wer einigermaßen vorausschauend die Tankanzeige im Blick behält, kann das Navi nach entsprechenden Tankmöglichkeiten auf der Route befragen und in der Regel vor dem Gasende eine an der Strecke liegende Zapfsäule auftun. In unserem Fall haben wir nur äußerst selten den ebenfalls vorhandenen Benzinvorrat anzapfen müssen. Manchmal waren wir allerdings genötigt, auf der Suche nach Erdgas kleinere Umwege zu fahren. Doch auch das kann sich lohnen, denn auf eingefahrenen Pendlertouren wird man gelegentlich in Gegenden geführt, die man sonst nie kennengelernt hätte. Es muss allerdings kein Umweg sein, denn der kleine Benzinvorrat reicht locker für 100 Kilometer.      

Das Tanken von Erdgas ist übrigens etwas komplizierter und dauert zudem länger als bei Benzin oder Diesel, doch dafür muss man keinen Zapfhahn in die Hand nehmen, der nach Sprit stinkt. Erdgas bleibt an dieser Stelle geruchsneutral. Entsprechend lautet das Motto des TGI: Sparen ohne Stinkefinger. Auch in Hinblick auf die Umwelt ist der Erdgas-Arona eine echt saubere Sache. Das Institut Ökotrend bescheinigt dem Modell sogar eine herausragend gute Umweltbilanz, denn das Gas verbrennt mit wenig schädlichen Rückständen. Stickoxid-, Kohlenmonoxid-, vor allem aber Rußpartikelemissionen bleiben auf sehr niedrigem Niveau. Auch im Hinblick auf den CO2-Ausstoß ist der Vorteil gegenüber Benzinern enorm. Wenn es schon ein SUV mit Verbrenner sein muss, fährt man mit einem Arona TGI jedenfalls am umweltfreundlichsten.   

Doch unabhängig von den eindeutigen Vorteilen fürs eigene Portemonnaie und für die Umwelt ist das kleine SUV auch sonst durchaus eine Empfehlung wert. Am Ende bleibt der Arona ein vernünftig zugeschnittenes Auto mit ordentlich Platz für Passagiere und Gepäck, manierlichem Komfort, vielseitig talentiertem Infotainmentsystem und einigen wirklich praktischen Assistenzsystemen wie etwa dem Abstandstempomat. Vermisst haben wir lediglich eine Automatik, die für diese Antriebsversion nicht zu haben ist. Wer ein TGI-Antrieb mit Selbstschaltgetriebe kombinieren will, muss im Fall von Seat zum größeren und dann rund 25.000 Euro teuren Leon greifen. Apropos Mehrinvestitionen: Die halten sich bei Seat für ein Erdgasmodell im Vergleich zum Benziner-Pendant in bescheidenen Grenzen. Für den Arona TGI muss man lediglich 1.000 Euro mehr zahlen. Ein paar Monate im Alltag und eine Urlaubsreise später hat man diese Zusatzkosten bereits wieder eingefahren. Fortan spart man richtig, weshalb man gerne die mit einem Erdgasmotor verbundenen Nachteile in Kauf nimmt.

Seat Arona 1.0 TGI - Technische Daten:

Kleinwagen-SUV, Länge: 4,14 Meter, Breite: 1,78 Meter (1,94 Meter mit Außenspiegel),Höhe: 1,55 Meter, Radstand: 2,57 Meter, Kofferraumvolumen: 282 bis 1.162 Liter.

1,0-Liter-Dreizylinder-Ottomotor mit Turboaufladung, Sechsgang-Schaltgetriebe, 66 kW/90 PS, maximales Drehmoment: 160 Nm bei 1.900 bis 3.500 U/min, 0-100 km/h: 13,3 s, Vmax: 172 km/h, Durchschnittsverbrauch: 3,9 kg (WLTP), CO2-Ausstoß: 106 g/km, Tankinhalt: 13,8 kg, Normreichweite 360 Kilometer, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Testverbrauch: 5,2 kg CNG/100 km; Preis: ab 20.320 Euro.

Kurzcharakteristik – Seat Arona 1.0 TGI:

Warum: Weil seine extrem niedrigen Spritkosten das Budget deutlich entlasten können
Warum nicht: geringe Reichweite, wenig Tankstellen, leichte Dynamikeinbußen
Was sonst: Seat Leon TGI, Seat Mii Electric, Toyota Yaris Hybrid

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