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Gamerdingers Fußball-Kolumne

01.04.2019 - Michael Kutzop steht bereit. Der kleine Wolfgang hüpft in der damals noch nicht überdachten Ostkurve des Weserstadions am vorletzten Spieltag. Noch nie hat der Bremer Abwehrchef einen Elfmeter verschossen. Aber dem kleinen Wolfgang dauert das alles schon viel zu lange – besonders das Gelaber der Bayern und der Fotografen-Rummel um Otto Rehhagel, der zehn Minuten zuvor den langzeitverletzten Rudi Völler eingewechselt hat. „Wir haben '86“ (frei nach Clowns & Helden), Kutzop steht Jean-Marie Pfaff gegenüber, läuft an... — und trifft den Pfosten! Es sind diese Momente, die Meisterschaften entscheiden. Am nächsten Samstag schaut Fußball-Deutschland ab 18.30 Uhr selbstverständlich nach München, wenn der FC Bayern auf den Jetzt-wieder-Tabellenführer Borussia Dortmund trifft. Das ist der Gipfel; das ist der deutsche „Clasico“ (auch wenn ich mit dem Begriff eher das Duell in den 1970er-Jahren zwischen Mönchengladbach und den Bayern verbinde...); das ist der Tag der Wahrheit!

  • Duell auf Augenhöhe: Marco Reus (r.) konnte sich im Hinspiel gegen Mats Hummels durchsetzen und verschaffte seinem BVB einen 3:2-Erfolg. In der Vorsaison gab’s in München allerdings eine 0:6-Klatsche. © picture alliance /...

    Duell auf Augenhöhe: Marco Reus (r.) konnte sich im Hinspiel gegen Mats Hummels durchsetzen und verschaffte seinem BVB einen 3:2-Erfolg. In der Vorsaison gab’s in München allerdings eine 0:6-Klatsche. © picture alliance / dpa / sampics / Stefan Matzke / augenklick

Direkte Duelle

Doch die Meisterschaft wird da nicht entschieden. Nein, das ist keine Trainer-Floskel, sondern das Resultat meiner Fleißarbeit vom gestrigen Abend: Ich habe mir alle 55 Duelle (also eigentlich 110 wegen Hin- und Rückspiel) zwischen dem jeweiligen Bundesliga-Meister und dem Vizemeister herausgesucht und festgestellt, dass diese in gerade mal acht Fällen entscheidend waren. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1996 war dies sogar nur einmal so - nämlich 1999, als der 1. FC Kaiserslautern letztlich mit zwei Punkten Vorsprung den Titel holte, weil er den FC Bayern mit 1:0 und 2:0 besiegt hatte. Im Jahr 2005 wurde der FC Bayern sogar mit 14 Punkten Vorsprung Meister – und hatte gegen Verfolger Schalke 04 zweimal 0:1 verloren.

Selbst als Zweiter die Nummer eins

Übrigens: Wissen Sie, wer in der Bundesliga Rekord-Vizemeister ist? Nein, nicht Bayer Vizekusen, äh: Leverkusen (fünfmal), nicht Werder Bremen (siebenmal), sondern...: Bayern München (neunmal)! Und als Tabellenzweiter gehen die Roten auch am nächsten Samstag in das Duell gegen den BVB. Dass sich nun die halbe Welt darüber aufregt, dass der Dauer-Champion „nur“ 1:1 beim SC Freiburg gespielt hat, verstehe ich nicht. Das ist doch den Breisgauern, die eine herausragende Saison spielen, gegenüber völlig respektlos. Selbst wenn das Team von Trainer Christian Streich in der Schlussphase eine gehörige Portion Glück gehabt hat, muss es doch einer Bundesligamannschaft gestattet sein, zu Hause ein Unentschieden gegen den FC Bayern zu erreichen. Und der BVB? Der duselte sich nach der 90.Minute zu einem 2:0 gegen den VfL Wolfsburg. Auch das völlig okay, weil die Nachspielzeit nunmal genauso zum Fußball gehört wie Einwechslungen, Verletzungspausen und inzwischen leider auch Pyrotechnik... Rückschlüsse auf das Top-Duell am nächsten Samstag lässt dieses Wochenende nicht zu.

Was macht den Unterschied?

Ich bin trotzdem gespannt: Wird Mario Götze in diesem Leben mal ein gutes Spiel in München machen? Schießt Robert Lewandowski sein 200. Bundesligator „ausgerechnet“ gegen seinen Ex-Klub? Wird Marco Reus seiner Vaterrolle gerecht? Mit wem tauscht Mats Hummels nach dem Spiel sein Trikot? Mit solchen Fragen wird uns der Boulevard in den nächsten Tagen auf den Showdown einstimmen. Doch für mich gilt eigentlich nur: Wichtig ist auf dem Platz! Und darauf freue ich mich angesichts des 3:2 im Hinspiel wirklich. Auch wenn ich weiß, dass die Meisterschaft auch am Samstag um 20.20 Uhr noch nicht entschieden sein wird. „ Schließlich trifft der FC Bayern in seinem Rest-Programm noch auf die 2019 ungeschlagene Eintracht aus Frankfurt. Und Werder Bremen – in diesem Jahr ebenfalls noch ohne Niederlage – spielt sogar noch gegen beide Titelanwärter.

Die Zukunft des Fußballs

Apropos Werder: Die Hanseaten sind amtierender Deutscher Meister und stellen nun die komplette Nationalmannschaft. Im E-Sport! Am Sonntag wurden die beiden Konsolen-Artisten „Megabit“ und „MoAuba“ vom DFB nominiert und nehmen nun Mitte April an einem offiziellen FIFA-Wettbewerb teil, bei dem in London 100000 Euro auf dem Spiel stehen. Vielleicht sieht ja so die Zukunft des Fußballs aus, bevor sich unsere Funktionäre die nächste Nations League, eine Neuordnung der Champions League oder eine Europa League drei bis sieben ausdenken... Dann gehe ich doch lieber am Sonntagmorgen zu meinem Senioren-Spiel – ob als Schiedsrichter oder Kaffeetrinker.

Fußballfans sind keine Verbrecher

Bei allen sportlichen Wichtigkeiten liegen mir wie schon in der Vorwoche erneut zwei Dinge am Herzen, die nur so halb mit dem Geschehen auf den grünen Rasen zu tun haben: Erstens ist da das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, das erklärte, dass der Gebührenbescheid des Landes Bremen für ein Hochsicherheitsspiels zwischen Werder und dem HSV aus dem Jahr 2015 richtig war. Natürlich ist das Urteil ein Schlag für die DFL und damit auch für den Fußball. Ich bringe grundsätzlich Verständnis auf, allerdings: Fußballfans sind keine Verbrecher!

Das Problem ist die in unserer Demokratie verankerte Gewaltentrennung: Wer entscheidet denn, ob ein Bundesligaspiel ein Hochrisikospiel ist? Richtig: die Polizei. Und wer profitiert von den Einnahmen? Richtig: die Polizei! Da sind in Sachen Einnahmequelle Manipulationen Tür und Tor geöffnet. Natürlich müssen (leider) inzwischen Derbys zwischen Dortmund und Schalke oder St.Pauli und dem HSV grundsätzlich von der Polizei begleitet werden. Aber warum werden in Magdeburg wiederholt auswärtige Fans direkt am Bahnhof eingekesselt, weil sie auswärtige Fans sind? Wenn da sechs Stunden lang rund 120 Polizisten „die Räume eng machen“, kommt da an Personalkosten einiges auf den Steuerzahler zu - oder eben auf die DFL... Die Verhältnismäßigkeit der Mittel (und damit Gebühren) muss aber gewährleistet sein. Und das sehe ich leider zur Zeit nicht so, wenn – wie selbst erlebt - bei einem Viertligaspiel des FC St. Pauli II zwei Wasserwerfer vor dem Stadion stehen. Bei 128 zahlenden Zuschauern...

Und zweitens zu dem allseits geschätztem Dr. Reinhard Grindel: Ach, zu unserem DFB-Präsidenten fällt mir dann doch nichts mehr ein...

So freuen wir uns also lieber auf eine hochspannende Pokalwoche – und dann auf das offensichtlich unbedeutende Gekicke am nächsten Samstag um 18.30 Uhr...

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