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Gamerdingers Fußball-Kolumne

09.10.2018 - Stürmischer Herbst oder Goldener Oktober? Aus Sicht der Bundesligisten ist die Spanne aktuell sehr breit, aber vor allem auch entgegengesetzt den üblichen Wettererwartungen. Dort, wo man es eher stürmisch kennt, oben im Norden am Weserstrand (wo inzwischen mit dem SV Werder der nördlichste Bundesligist zu Hause ist), da scheint die Sonne mit voller Kraft und macht den Oktober, wie er goldener kaum daherkommen könnte. Je tiefer sich der Blick jedoch gen Süden richtet, desto ungemütlicher wird es. Fragen Sie mal in Stuttgart oder München nach!

  • So langsam wird der Jubel an der Weser wieder salonfähig. Neuzugang Davy Klaassen schoss den SV Werder, der nun seit 16 Heimspielen ungeschlagen ist, mit seinem 1:0 gegen den VfL Wolfsburg in die Europacup-Ränge  © picture...

    So langsam wird der Jubel an der Weser wieder salonfähig. Neuzugang Davy Klaassen schoss den SV Werder, der nun seit 16 Heimspielen ungeschlagen ist, mit seinem 1:0 gegen den VfL Wolfsburg in die Europacup-Ränge © picture alliance / dpa / nordphoto / Ewert

Es war kein gutes Wochenende für Trainer mit den Anfangsbuchstaben Ko im Nachnamen: Beim Zweitligisten SV Sandhausen kassierte Kenan Kocak den K.o., weil sich sein hochgradig überlegenes Team am Hamburger Millerntor in der Nachspielzeit zwei Gegentreffer des FC St.Pauli einfing. Beim VfB Stuttgart erwischte es Tayfun Korkut, und beim FC Bayern wird Nico Kovac reflexartig nach der ersten Heimniederlage bis achteinhalb angezählt und steht vor dem K.o. Michael Koellner kassierte mit Nürnberg die nächste Voll-Klatsche in Leipzig und gerät langsam ins wackeln. Nur Florian Kohfeldt sitzt beim SV Werder fest im Sattel...

Aber der Reihe nach: In Stuttgart hat bereits der erste Herbststurm die schon länger kursierende „K-Frage“, nämlich ob Tayfun Korkut noch der richtige Trainer für den VfB ist, nicht nur aufgewirbelt, sondern eben jenen Korkut gleich mit vom wackeligen Trainerstuhl geblasen. Interessant sind dabei die Argumente der Verantwortlichen: Präsident Wolfgang Dietrich war bei Korkuts Einstellung vor acht Monaten ein großer Fürsprecher, weil die defensive Spielphilosophie des damals neuen Coaches Stabilität mit sich bringen sollte und brachte. Das passte gut zum Plan, wieder mehr Kontinuität auf der Trainerposition zu schaffen.


Wirre Entscheidungen

Doch gerade mal gut 32 Wochen später stimmt das alles nicht mehr. Plötzlich forderte die Klubführung, Dietrich vorn weg, eine Weiterentwicklung der Mannschaft und stärkere Motivationselemente durch den Coach ein. Anforderungen, die aber nicht gerade in das Repertoire von Tayfun Korkut gehörten oder gar gehören. Das weiß aber jeder auf dem Markt, dass der Fußball unter Korkut nunmal nicht so filigran ist wie seine Anzüge... Ich nenne das kurzsichtige und fahrlässige Planung der Verantwortlichen, der der nun ehemalige Trainer zum Opfer fiel. Und dann ist da noch Sportvorstand Michael Reschke, der nach der Niederlage in Hannover in jedes ihm hingehaltene Mikrofon sagte: Die Trainerfrage stellt sich nicht“, um am nächsten Morgen zum Handy greifen und Korkut zu beurlauben. Die SMS-Tasten funktionierten wohl gerade nicht - sonst wäre es noch etwas stilloser gegangen... Übrigens: Reschke investierte vor der Saison für vermeintlich verstärkende Transfers 30 Millionen Euro, aber bis dato haben weder Gonzalo Castro, noch Pablo Maffeo, Nicolas Gonzalez und Borna Sosa die Mannschaft sportlich nach vorn bringen können. Das spricht für sich.


Vorgezeichneter Weg

In Hamburg können die Fans ganze Romane zu Trainerwechseln schreiben, und das Ende der Geschichte kennen wir alle: die 2.Liga! In Stuttgart - trotz der vor Saisonbeginn geäußerten Europacup-Hoffnungen - wird mit Hochdruck dran gearbeitet, denn (sehen wir mal Hannes Wolf mit 1,5 Jahren Haltbarkeit als Ausnahme an) wenn die durchschnittliche Halbwertzeit der übrigen vergangenen sechs Stuttgarter Trainer kaum sechs Monate erreicht, dann stinkt der Fisch vom Kopf her. 

Das Hoch im Norden

Apropos: Was ist grün und stinkt nach Fisch...? Ja, natürlich Werder Bremen, wo sich selbst die eigenen Fans über diesen Spruch lustig machen (und gern zum nächsten Fischbrötchen greifen). An der Weser allerdings ist die „K-Frage“ schon längst gelöst, denn Bremens Fußball-Lehrer Florian Kohfeldt, der bereits in der Rückserie der vergangenen Saison eine beeindruckende Performance mit seinem grün-weißen Ensemble auf den Platz brachte, erntet im Frühherbst bereits Punkte wie viele Landwirte im Bremer Umland Äpfel und Birnen. Er ist ganz eindeutig erheblich mitverantwortlich für das „Hoch im Norden“, das für eine neue Euphorie rund um das Weserstadion gesorgt hat. „Schuld“ daran ist aber auch Bremens Sportchef Frank Baumann, der seinen Coach im Frühjahr mit einem erheblichen Vertrauensbonus von drei Jahren, also vertraglich, ausstattete. Mutiger Offensivfußball und wieder gewonnene Abwehrstabilität sind die Währung, in der Kohfeldt seit geraumer Zeit zurückzahlt. Seinen 36. Geburtstag hätte er kaum schöner als mit dem 2:0 gegen den VfL Wolfsburg feiern können. Wenn er dann in vier Jahren das Alter seines weiterhin unglaublich wertvollen Profis Claudio Pizarro noch als Werder-Trainer erleben würde, wäre das für Bundesliga-Verhältnisse sensationell. Aber in Bremen ist nach langer (finzanzieller) Durststrecke wieder einiges mögich - selbst, dass „Fußball-Opa“ Claudio Pizarro nochmal Europapokal spielt... Logisch, oder?


Logisch unlogisch

Aber was ist schon noch wirklich logisch? Diese Frage stellt sich vermutlich der nur wenige Jahre ältere Niko Kovac, seines Zeichens Trainer des Rekordmeisters Bayern München, aktuell auch. Geht es nach einigen – vor allem Münchener – Medienkollegen, wäre die „K-Frage“ dort schon seit dem Wochenende gelöst. Ihre Formel ist ganz einfach: „Wer viermal in Folge mit dem Starensemble nicht gewinnt, muss den Trainerstuhl des FCB räumen!“ Doch Kovac erhielt quasi postum Unterstützung von ganz oben, denn Bayern-Boss Uli Hoeneß verlautbarte gegenüber den Kollegen vom Kicker, dass er Kovac bis aufs Blut verteidigen wolle. Nach der Logik des Fußballs dürfte allerdings damit das Ablaufdatum für Niko Kovac in greifbare Nähe gerückt sein - die nächste Länderspielpause kommt bestimmt... Aber was ist schon logisch!?

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