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Gamerdingers Fußball-Kolumne

04.02.2019 - Auch der 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga hat wieder einige Erkenntnisse ans Tageslicht gebracht: Bei Bayer und Bayern wissen die Verantwortlichen nun ganz genau, was sportlich alles möglich gewesen wäre und auch ist. In Mainz, dass Finnbogason kein Akteur der Augsburger Puppenkiste ist, sondern auch eine traumhaft gute Elfmeterquote hat. In Wolfsburg, dass Bruno Labbadia mit akribischer Arbeit und ausgeglichenem Kader mit Kontinuität das Abstiegsgespenst vertrieben hat. In Berlin, dass die Europapokal-Träume wohl (mal wieder) nur Träume bleiben und in Hannover, dass mit Thomas Doll auch der vierte ehemalige Hamburger nicht in der Lage sein wird, die 96er zu retten.

  • Nicht nur als ZDF-Experte macht Christoph Kramer eine gute Figur. Der Weltmeister von 2014 brachte auch Borussia Mönchengladbach mit seinem Treffer auf Schalke zum jubeln. © picture alliance / dpa / Fotostand /

    Nicht nur als ZDF-Experte macht Christoph Kramer eine gute Figur. Der Weltmeister von 2014 brachte auch Borussia Mönchengladbach mit seinem Treffer auf Schalke zum jubeln. © picture alliance / dpa / Fotostand / Ellerbrake

Reifeprozess

Solche Erkenntnisse hatte Gladbachs Coach Dieter Hecking in seiner Karriere auch schon das eine oder andere Mal, aber der frühere Übungsleiter des Nord-Regionalligisten VfB Lübeck ist – genauso wie seine „Fohlen“  –  in den vergangen Jahren mit seinen Aufgaben gereift und bildet zusammen mit dem in meinen Augen besten Manager der Liga, Borussen-Sportdirektor Max Eberl, ein kongeniales Duo. Sowohl Eberl als auch Hecking sind eher Vertreter des ruhigen, sachlichen Wortes und der akribischen, detaillierten Arbeit. Eine Mischung, die nicht nur für eine gut funktionierende Mannschaft gesorgt hat, sondern auch für Stabilität im gesamten Verein. Ein kollektiver Reifeprozess, der sich aktuell mit dem zweiten Platz in der Liga unterstreichen lässt! Falls denn das Torverhältnis aktuell auch in München gewertet wird...

Transfergeschick

Maßgeblich ausschlaggebend ist meines Erachtens vor allem die gute Einkaufspolitik in Mönchengladbach, die eng verbunden mit der zehnjährigen Amtszeit von Max Eberl ist. Die Zeit der ganz großen Deals begann allerdings mit einem großen Missverständnis, als er 2012 Luuk de Jong für zwölf Millionen Euro von Twente Enschede per Rekordtransfer zur Borussia lotste. Der Niederländer erzielte zwar in 45 Spielen acht Treffer, den wirklichen Durchbruch schaffte er aber nicht. Doch in der Folge erwies sich der Manager nicht nur als guter Ein-, sondern auch als (verhandlungs-)geschickter Verkäufer: Seit der Saison 2008/09 nahm der 45-Jährige für die Borussia mehr als 180 Millionen Euro durch Transfererlöse ein. Die Namensliste der Ein- und Vekaufsliste liest sich dabei kaum ohne mit der Zunge zu schnalzen: Mahmoud Dahoud, Matthias Ginter, Christoph Kramer, Max Kruse, Marco Reus, Marc-André ter Stegen, Jannik Vestergaard, Granit Xhaka sowie aktuell Alassane Plea, den er für 23 Millionen beim OGC Nizza loseiste. Plea wurde damit zwar vor der Saison zum neuen Gladbacher-Rekordtransfer, aber er zahlt den Preis mit Toren zurück: Aktuell sind es deren zehn in 20 Einsätzen!

Hecking 2.0

Aber was nutzen all diese (guten) Transfers, wenn die sportliche Entwicklung dabei stagniert? Und genau das tat sie in den vergangenen drei Spielzeiten in Gladbach. Zweimal in Folge Rang neun nicht nur für Eberl und Hecking unbefriedigend, denn die ehrgeizigen Ziele der Klubverantwortlichen waren nach zwei Champions-League-Teilnahmen zuvor deutlich höher angesiedelt. Und so kam es zwischenzeitlich gleich mehrfach – zumindest öffentlich – zu Trainerdiskussionen, weil man dem Coach mit seinen 17 Jahren Bundesliga-Trainer-Erfahrung als zu eingefahren, nicht flexibel genug und taktisch zu starr einstufte. Doch alle Kritiker wurden eines Besseren belehrt: Nach intensiven Gesprächen zur künftigen sportlichen Ausrichtung zwischen Sportdirektor und Trainer tat Dieter Hecking vor dieser Saison das, was ihm keiner mehr zugetraut hatte: Er stellte vom jahrelang durchaus erfolgreich praktiziertem 4-4-2-System auf eine deutlich flexibere Spielweise um, die dem vorhandenen Personal gerechter wird. Das Ergebnis lässt sich in der aktuellen Tabelle wunderbar ablesen. Da sage noch einer, „alte“ Trainer (ob mit oder ohne Laptop) können sich nicht mehr hinterfragen oder gar ihre Arbeitsweise umstellen. Respekt, Herr Hecking 2.0!

Ein guter Weg

Das Wichtigste bei allen Umstellungen, Anpassungen im Umfeld der Mannschaft, Veränderungen in der Struktur des Funktionsteams und der sportlichen Ausrichtung ist aber, dass die Gladbacher nicht nur attraktiven Offensivfußball wie beim Spitzenspiel in Dortmund auf den Platz bringen, sondern auch abgezockten erfolgsorientierten Fußball, der mit viel Geduld zum Erfolg führt. Die neue Flexibilität im Gladbacher Spiel - mit einer oder drei Spitzen, mit einem Sechser, der auch mal hinter der eigenen Viererkette aufbaut - könnte der Schlüssel für eine neue, nachhaltig positive Ära rund um den alten Bökelberg sorgen. Die Fußballfans in Deutschland danken es Hecking und Co., denn dank die Architekten des Gladbacher Aufblühens haben dafür gesorgt, dass der Kampf um die Bundesligaspitze endlich wieder spannend ist. Der FC Bayern sollte auf der Hut sein, denn im „Westen“ gibt es nicht nur eine Borussia, die drauf und dran ist, dem Münchner Erfolgsensemble wieder dauerhaft ein ernster Widersacher zu werden. Mein alter Lieblings-Klub aus den siebziger Jahren ist auf einem guten Weg, denn die Fohlen sind erwachsen geworden!

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