Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Gamerdingers Fußball-Kolumne

24.07.2019 - „Turek, Du bist ein Teufelskerl. Turek, Du bist ein Fußballgott!“ So jubelte TV-Kommentator Herbert Zimmermann einst in Bern. Mit dem Düsseldorfer Toni Turek war schon 1954 ein deutscher Torhüter der Garant für den ersten WM-Titel. 1974 war es Sepp Maier, der die niederländischen Top-Stars um Johan Cruyff zur Verzweiflung brachte, und 2014 bildete Manuel Neuer als bester Keeper der Welt das Bollwerk im DFB-Tor. Auch wenn das Team 1990 wohl auch ohne Bodo Illgner Weltmeister geworden wäre, lebte der deutsche Fußball über Jahrzehnte von dem Neid der anderen Nationen und dem Ruf, auf dieser Position absolut federführend zu sein. Doch das ist nun vorbei: Die Bundesliga ist in der (deutschen) Torwartkrise.

  • Kein neuer in Sicht: Hinter dem zuletzt selten glänzenden Manuel Neuer klafft auf dem deutschen Torhüter-Markt derzeit eine riesige Lücke. Der Nationalmannschafts-Kapitän ist inzwischen auch schon 33 Jahre alt. ©...

    Kein neuer in Sicht: Hinter dem zuletzt selten glänzenden Manuel Neuer klafft auf dem deutschen Torhüter-Markt derzeit eine riesige Lücke. Der Nationalmannschafts-Kapitän ist inzwischen auch schon 33 Jahre alt. © picture alliance / dpa / Gladys Chai von der Laage

Ich weiß ja ein bisschen, wovon ich rede, stand selbst in diesem Rechteck, das die Fußball-Welt bedeutet. Diese 2,44 Meter nach oben und 7,32 Meter in der Breite (8x24 englische Fuß) faszinieren alle Leute, auch wenn in meiner Zeit noch der Rückpass aufgenommen werden durfte, die Vier-Schritte-Regel galt und der Ersatzkeeper selbstverständlich auch die Rückennummer eins trug. Ein Um-den-Pfosten-Lenken oder eine sehenswerte „Robinsonade“ hebt meine Stimmung noch heute viel mehr als ein Fallrückzieher im Mittelfeld oder ein Abstaubertor. Eigentlich müssten doch wesentlich mehr Torhüter jubelnd zur Eckfahne oder in die Fankurve rennen und sich das Trikot ausziehen – das könnte ich gefühlsmäßig wenigstens nachvollziehen.

 Torwarttraining ohne Hand

Klar, gerade das Torwart-Spiel hat sich immens gewandelt. Und damit meine ich noch nicht einmal meine Zeit, als ich bei eigenem Angriff höchstens bis zum Elfmeterpunkt ging und den Abstoß von meinem Libero ausführen ließ. Nein, ich meine die vergangenen zehn Jahre, in denen der Torwart viel mehr eingebunden wurde. Inzwischen ist er oft der erste Aufbauspieler, muss mit den Füßen mehr können als mit den Händen. Ich war in der vergangenen Woche beim Training eines Hamburger Zweitligisten und habe das Torwarttraining verfolgt: Dabei spielten sich die beiden Keeper 45 Minuten lang die Bälle über verschiedene Entfernungen zu, mal als Bogenball, mal scharf und flach, mal in schwierigen Höhen. Auf keinen Fall durften die Hände benutzt werden. Danach wurden zehn Minuten lang Eins-gegen-Eins-Situationen gegen Stürmer geübt, und dann gab's noch zehn Minuten lang Torschüsse aus 20 Metern. Der Rest war dann ein Spiel mit der Mannschaft, in dem jeder Torwart vielleicht dreimal am Ball war...

Ersatzkeeper in der Nationalelf

Natürlich war das eine Momentaufnahme, und wahrscheinlich haben irgendwelche Sportwissenschaftler in nächtlicher Videoanalyse festgestellt, dass die „Belastungssteuerung“ für Torhüter in diesem Bereich an einem Mittwochvormittag den optimalen Biorhythmus trifft. Aber irgendwie ist mir dann die gute, alte Gerry-Ehrmann-Schule doch lieber... Ich stelle einfach fest, dass sie deutschen Keeper im internationalen Vergleich die Entwicklung verschlafen haben, bzw. ihre traditionellen Qualitäten gar nicht mehr einbringen können. Endgültig einen Schreck bekam ich, als das Bundestrainer-Duo Joachim Löw/Marcus Sorg neulich für die EM-Qualifikation zwei Torhüter des FC Bayern nominierte – und ich feststellte, dass dies völlig zu Recht so war. Okay, Marc-Andre ter Stegen, der verhinderte WM-Held 2018, war verletzt. Aber hinter Manuel Neuer, der gegen Weißrussland und Estland tatsächlich gefordert wurde und dabei brillierte, klaffte nur noch ein großes Loch, sodass letztlich Sven Ulreich mitfahren durfte. Und unsere U21-Nationalmannschaft, von der ich ja spielerisch so begeistert war, hat das letztlich gegen Spanien verlorene Endspiel eher trotz als wegen des Schalke-Torwarts Alexander Nübel erreicht und in fünf Spielen sieben Gegentore kassiert – zu viel für einen Titel.

Die Rangliste lügt nicht

Man mag ja von unserem führenden Fußball-Magazin, das jeden Montag und Donnerstag am Kiosk liegt, halten was man will – von altbacken bis langweilig oder endlos analysierend. Aber Ahnung haben sie in den diversen Redaktionen zwischen Nürnberg und Peine schon: In der berühmt-berüchtigten Rangliste werden im Sommer 2019 die ersten fünf Torhüter-Plätze von ausländischen Sportlern belegt, allen voran vom Leipziger Peter Gulacsi. Der nächste ist Kevin Trapp (war von Paris an Frankfurt verliehen...) vor Neuer – der von den beiden Absteigern Christian Mathenia (Nürnberg) und Michael Esser (Hannover) gefolgt wird. Insgesamt hatten wir bei den 18 Bundesligisten nur noch elf deutsche Stamm-Torhüter, wobei bei den letzten zehn Klubs der Tabelle neun einen deutschen Torhüter hatten. Und selbst in der 2.Liga wird der U21-Europameister von 2017, Julian Pollersbeck, gerade aussortiert...

Start in die Zweitliga-Saison

Apropos 2.Liga: Dort geht es am Freitag – endlich – wieder los. Stuttgart gegen Hannover 96 heißt die erste Partie. Natürlich steht auch dort ein Torwart in Blickpunkt, denn der sechsmalige Nationalkeeper Ron-Robert Zieler wechselte gerade aus dem Ländle zurück zu den Niedersachsen. Insgesamt reden die Experten dank der diversen Aufstiegsfavoriten mit viel Geld im Hintergrund mal wieder von der „besten 2.Liga aller Zeiten“. Ob das so richtig ist, darf angesichts der Vorstellungen des Vorjahres und der immer mehr auseinander gehenden Schere bezweifelt werden. So richtig anschauen kann man sich die diversen 0:0-Montagsspiele ja nicht – wenigstens die Torhüter freuen sich darüber...

 

P.S.: Vielleicht hat hier jetzt jemand das eine oder andere Wort zu Uli Hoeneß vermisst. Tut mir leid, aber zu ihm fällt mir seit einigen Jahren schon nichts mehr ein...

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren