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Corona-Warn-App: Eine erste Bilanz

13.10.2020 - Lange hat es gedauert, doch seit Juni 2020 können iOS- und Android-Nutzer die Corona-Warn-App der Bundesregierung herunterladen. Bislang tun die Deutschen das aber nur in begrenztem Maße. Wenig überraschend: Bedenken wegen des Datenschutzes, mangelnde Ausgereiftheit und der lange Sommer dürften für eine bislang eher enttäuschende Bilanz gesorgt haben.

  • Die Corona-Warn-App benötigt zum Funktionieren Bluetooth und arbeitet dadurch nicht sonderlich genau © unsplash.com / Cedrik

    Die Corona-Warn-App benötigt zum Funktionieren Bluetooth und arbeitet dadurch nicht sonderlich genau © unsplash.com / Cedrik Wesche

  • Die Maske gehört im Freien noch nicht überall zum Pflichtprogramm, aber im Herbst zieht es die Menschen in Restaurants und Kneipen © unsplash.com / Engin

    Die Maske gehört im Freien noch nicht überall zum Pflichtprogramm, aber im Herbst zieht es die Menschen in Restaurants und Kneipen © unsplash.com / Engin Akyur

  • Der Infizierte im Nachbarwaggon wird von der Corona-Warn-App auch schon mal als Sitznachbar identifiziert © unsplash.com / Davyn

    Der Infizierte im Nachbarwaggon wird von der Corona-Warn-App auch schon mal als Sitznachbar identifiziert © unsplash.com / Davyn Ben

Nur 18,2 Million Downloads

Nach Angaben der Analytics-Firma Sensor Tower haben sich bislang nur 18,2 Millionen Bundesbürger die Corona-Warn-App auf ihr Smartphone geladen. Das ist natürlich viel zu wenig, denn die Corona-Warn-App hat somit nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zusammen mit anderen Maßnahmen nur einen Wirkungsgrad von 22%. Erst ab einer Nutzerzahl ab 50 Million aufwärts sprechen Deutschlands oberste Virologen von einer hohen Wirksamkeit.

Zwar fährt die Bundesregierung eine groß anlegte Kampagne, doch die blieb bislang weitgehend wirkungslos. Der Herbst könnte das ändern, so die Hoffnung. Steigende Zahlen von über 2.000 Neuinfektionen pro Tag und die Verlagerung des Aufenthalts vom Freien in geschlossene Räume sollen die Menschen dazu bewegen sich die Corona-Warn-App doch noch herunterzuladen.

Wo bleibt der Datenschutz?

Meine Prognose: Die Corona-Warn-App wird im Herbst mehr Nutzer finden, aber nicht signifikant mehr. Das liegt vor allem an der Sorge der Bundesbürger um den Datenschutz. Diese ist hierzulande traditionell besonders ausgeprägt – anders als in Südkorea, wo die erste weltweit entwickelte Corona-Warn-App hervorragend funktioniert. Dort sieht man in erster Linie die technischen Möglichkeiten, was man auch an der im Vergleich zu uns extrem schnellen Einführung von 5G sieht. Bei uns zählen erst einmal die Bedenken.

Andererseits kann ich auch diejenigen verstehen, die bei ihrer Verweigerung auf einige Fauxpas der Behörden beim Umgang mit Corona-Daten verweisen. So wurden zahlreiche Fälle in Bremen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hamburg bekannt, wo die Polizei auf Gästelisten von Restaurants und Kneipen zugriff, um Verbrechen aufzuklären. Aus Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern sind keine solche Fälle bekannt, aber auch dort ist dieses Vorgehen rechtlich möglich.

Wenn man für das Herunterladen einer App wirbt, die theoretisch das Erstellen eines kompletten Bewegungsprofils ermöglicht, sind solche Nachrichten natürlich nicht förderlich. Die Unart beim Restaurant- oder Kneipenbesuch mit „Robin Hood, Sherwood-Forest-Weg 1, Nottingham“ zu unterzeichnen, bleibt eine Unart, aber auch ich muss zugeben, dass ich es gar nicht gut finde, wenn ich meine Daten auf einem simplen Zettel hinterlegen muss, auf den z.B. beim Gewusel in einer Düsseldorfer Altstadtkneipe Hinz und Kunz zugreifen könnten. Besser ist da das Einscannen des QR-Codes auf dem Tisch und das Eintragen der Daten auf Plattformen wie Hygiene Ranger.

Corona-Übertragung durch Wände

Ich gebe zu: Auch ich gehöre bis dato zu den Corona-Warn-App-Verweigerern. Zum einen empfinde ich das Hinterlassen meiner persönlichen Daten in Restaurant und Kneipe schon als recht großen Eingriff in meine Privatsphäre, fülle aber trotzdem brav Zettel oder Online-Formular aus. Zum anderen ist die Corona-Warn-App alles andere als technisch ausgereift.

Schuld daran ist mal wieder der Datenschutz. Um diesen zu gewährleisten, funktioniert die Corona-Warn-App nur in Zusammenhang mit Bluetooth. Diese drahtlose Schnittstelle muss immer aktiv sein, denn das Smartphone kann so nach anderen Smartphones in der Umgebung suchen, die ebenfalls die Corona-Warn-App installiert und Bluetooth aktiviert haben.

Zwar funktionieren die meisten älteren Handys mit Bluetooth der Klasse 3, also bis zu einer Entfernung von einem Meter, aber immer mehr neue Smartphones unterstützten Bluetooth 5 mit Reichweiten von bis zu 200 Metern ohne Hindernisse. Das reicht locker aus, um auch den infizierten Nachbarn hinter der Wohnungswand für die Corona-Warn-App zum Sicherheitsrisiko hochzustilisieren, obwohl man Herrn Müller wochenlang nicht gesehen hat. Es soll auch schon Fälle gegeben haben, wo Infizierte auf der Straße liefen, im Nachbarwaggon der S-Bahn standen oder auf dem baulich getrennten Damen-Klo saßen und die Corona-Warn-App trotzdem Alarm schlug.

Lieber AHA statt Corona-Warn-App?

Die Corona-Warn-App ist also gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Deshalb werde ich sie persönlich jetzt erst einmal noch nicht installieren und mich lieber an die guten, alten AHA-Regeln halten: Abstand, Hygiene und Atemschutzmaske. Auch der gesunde Menschenverstand ist zwar keine Garantie gegen eine Infektion, aber er minimiert das Risiko. So gehe ich im Herbst weniger oft aus, um mich nicht zu lang in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Ich vermeide weitgehend den ÖPNV zu Stoßzeiten und weite Reisen mit dem Flieger sowieso. Auch die Geburtstagsfeier wird in diesem Jahr Corona-bedingt ausfallen, so schwer mir das fällt.

Dennoch kann ich es verstehen, wenn Sie sich die Corona-Warn-App heruntergeladen haben sollten. In Kombination mit den erwähnten AHA-Regeln kann das nicht schaden, aber man sollte sich auch nicht in eine falsche Sicherheit wiegen lassen, denn das Virus ist (noch) auch mit modernster digitaler Technik nicht beherrschbar.

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