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Fahrzeugsteuerung per App: Sinnvoll oder gefährlich?

03.03.2020 - Immer mehr Autohersteller – allen voran Premium-Marken wie Tesla, Porsche, Audi, Mercedes-Benz und BMW – bieten ihren Kunden die Fahrzeugsteuerung per App an. Die Kunden nutzen den bequemen Service gern, aber kann das auch gefährlich sein?

  • Die Türen und Klimaanlage von BMW-Fahrzeugen kann man ab Baujahr 2014 via Connected-App steuern ©

    Die Türen und Klimaanlage von BMW-Fahrzeugen kann man ab Baujahr 2014 via Connected-App steuern © BMW

  • Aus Sicherheitsgründen können Audi-Fahrer ihren Wagen nicht aus der Ferne ver- und entriegeln ©

    Aus Sicherheitsgründen können Audi-Fahrer ihren Wagen nicht aus der Ferne ver- und entriegeln © Audi

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  • Porsches Connect-App bietet Services wie einen Car-Finder ©

    Porsches Connect-App bietet Services wie einen Car-Finder © Porsche

  • Die Tesla-App bietet die meisten Service-Funktionen aller verglichenen Apps, darunter auch das Herbeirufen des Autos ©

    Die Tesla-App bietet die meisten Service-Funktionen aller verglichenen Apps, darunter auch das Herbeirufen des Autos © Tesla

Vorreiter Tesla

Insbesondere der Elektroautobauer Tesla ist seit Jahren Vorreiter auf dem Gebiet der Fahrzeugsteuerung per App. Man kann bequem aus der Ferne den Stand des Akkus seines Teslas abfragen, die KIimaanlage steuern oder den Standort des Autos abfragen, falls man ihn vergessen haben sollte.

So weit, so gut! Es gibt bei Tesla auch Funktionen, die man aus Sicherheitsgründen nicht immer nutzen sollte. Der Tesla-Besitzer kann z.B. sein Fahrzeug via Internet, also theoretisch von jedem Ort der Welt mit Internet-Zugang aus, entriegeln. Deshalb sollten Teslas über Nacht nicht auf frei zugänglichem Gelände stehen, um nicht Dieben die Tür zu öffnen, falls man seinen Wagen aus Versehen aus der Ferne geöffnet haben sollte.

Für Unannehmlichkeiten kann auch der sogenannte Valet-Modus sorgen, mit dem man aus der Ferne Kofferraum und Handschuhfach verriegeln kann. Diese ursprünglich für Parkplatzpersonal gedachten Funktion sollte bei einem Werkstattaufenthalt tunlichst deaktiviert sein.

Der Komfort geht bei Tesla so weit, dass man sein Auto auch per App herbeirufen kann, z.B. um es aus einer engen Parklücke heraus zu manövrieren. In Deutschland ist dies zwar nur über Bluetooth möglich und der Nutzer darf sich auch nur in maximal 15 Meter Entfernung aufhalten, um den Wagen vorsichtig vor- und rückwärts zu steuern, doch grundsätzlich stellt sich mir da die Frage, ob diese Funktion nicht lieber nur in absoluten Ausnahmesituationen genutzt werden sollte.

Das Auto brav wie ein Hündchen

Wer seinen Tesla wie ein Hündchen zu sich ruft anstatt das Auto selbst aus der Parklücke zu fahren, könnte im Straßenverkehr überfordert sein, wenn er plötzlich auf engem Raum zwischen zwei Fahrzeugen oder einem Auto und einer Wand rangieren muss. Noch schlimmer dürfte es werden, wenn so ein verwöhnter Tesla-Fahrer ein Auto der alten Schule ohne technischen Schnickschnack sicher in eine Parklücke steuern muss.

Der Mensch muss das Autofahren genauso trainieren wie alle anderen erlernten Fähigkeiten, um sie nicht zu verlernen. Das zeigt eine Studie der OECD zum autonomen Fahren. Danach bringt das autonome Fahren zwar Sicherheitsgewinne, weil die Fahrzeuge vernetzt sind und sich so gegenseitig vor Gefahrenstellen warnen können, doch selbst defensive und vorsichtige Fahrer, die im konventionellen Auto keinen Unfall bauen würden, könnten unvermittelt in Gefahrensituationen kommen, wenn sie von der Maschine übernehmen müssten.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie der Uni Salzburg. Die Fahrer, und zwar auch solche, die aufgrund von vielen Kilometern mit normalen Autos als versiert gelten dürfen, verlernen, wie sie in Gefahrensituationen eingreifen können, falls die Maschine doch versagt.

Sicherheit geht vor

Insofern finde ich es gut, dass die deutschen Premium-Hersteller zwar Apps für die Fahrzeugsteuerung anbieten, diese im Vergleich zu Tesla aber weniger Funktionen enthalten. Bei Porsche bietet die hauseigene Connect-App einen Car-Finder, das Öffnen und Verriegeln des Fahrzeugs sowie Hupen und Blinken (nur bei verschlossenem Fahrzeug). E-Fahrzeuge und Hybridmodelle bieten analog zu Tesla erweitere Funktionsumfänge im Bereich Laden.

Ein Mercedes-Fahrer kann zwar den Schlüssel außerhalb des Fahrzeugs verwahren und den Wagen trotzdem über das Smartphone öffnen und verschließen, doch das funktioniert nur, wenn er sich in der Nähe des Autos aufhält. Außerdem ist die Ortung des Wagens via GPS möglich. Besitzer von Elektro- und Hybridfahrzeugen können sich via Mercedes-Me-App über den Ladestand des Akkus informieren lassen.

Über die myAudi-App sind das Ver- und Entriegeln des Autos, das Erfragen der Parkposition und das Abrufen von Tank- und Ölfüllstand möglich. Darüber hinaus kann der Kunde die optionale Standheizung über die App programmieren. Bei den e-tron-Modellen kann der Audi-Fahrer via App den Ladezustand und die elektrische Reichweite abrufen und ggf. den Ladevorgang aus der Ferne aktivieren.

BMW-Kunden können ihren Wagen ab Baujahr 2014 abschließen und entriegeln – jederzeit und von überall aus. Zudem ist es möglich die Klimaanlage in einem BMW aus der Ferne zu steuern. Und auch ein Car-Finder gehört zum Angebot des Münchner Autobauers.

Autofahren wie anno dazumal

Solche Komfort-Funktionen sind sicherlich eine feine Sache, so z.B. der Car-Finder, wenn man den Wagen vor einer durchzechten Nacht irgendwo geparkt hat und dann hat stehenlassen. Und wenn der Winter besonders frostig ist, ist ein wohliges Fahrzeuginneres dank vorheriger Aktivierung der Standheizung per App ebenfalls nicht zu verachten.

Trotzdem bin ich froh, dass ich mit meinem alten Mercedes von anno dazumal unterwegs bin. Man bekommt die Türen mit einem analogen Schlüssel auf, das Cockpit ist übersichtlich und dann großer hinterer Scheibe kann man trotz fehlender Einparkhilfe recht problemlos einparken. Elektronik, die nicht verbaut ist, kann nicht kaputtgehen, und einige mechanische Bauteile kann ich sogar selbst ersetzen.

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