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Knopflers Spätwerk: Klasse-Songs in der Komfortzone

21.11.2018 - Mit unerschütterlicher Souveränität spielt Mark Knopfler seit über 20 Jahren seine warmen, gediegenen Solo-Songs, das Stadionrock-Kapitel Dire Straits liegt lange hinter ihm. Auch das neue Album präsentiert einen Altmeister, der offenkundig mit sich im Reinen ist.

  • Mark Knopfler fliegen die Songs zu. Foto: Universal Music/Derek Hudson © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mark Knopfler fliegen die Songs zu. Foto: Universal Music/Derek Hudson © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mark Knopfler hat etwas hinbekommen, das nur wenige Weltstars in Würde schaffen: Der Sänger und Gitarrist ist aus freien Stücken in die zweite Reihe zurückgetreten.

Er macht kleinere Platten und spielt kleinere Konzerte als damals mit seiner Platin- und Stadion-Rockband Dire Straits. Aber das macht er eben sehr, sehr gut - auch jetzt wieder, auf dem gravitätischen «Down The Road Wherever».

Sein neuntes Soloalbum kommt ohne Gaststars und teure Produzenten aus, die ein Mark Knopfler selbstverständlich rekrutieren könnte. Immerhin ist der 69-Jährige bestens vernetzt, seit er mit den Dire-Straits-Hauptwerken «Love Over Gold» (1982) und «Brothers In Arms» (1985) eine Zeitlang die Weltherrschaft im Mainstream-Rock innehatte. Aber nein, der Schotte spielt jetzt ganz bescheiden mit alten Freunden wie Co-Produzent und Keyboarder Guy Fletcher, Bassist Glenn Worf und Schlagzeuger Ian Thomas.

Mit dem britischen Quartett Dire Straits hatte Knopfler Wohlklang für Millionen HiFi-Fetischisten gemacht - das über 30 Millionen Mal verkaufte «Brothers In Arms» etwa war eines der ersten digital produzierten Alben der Pop-Geschichte und ein Referenzwerk für die damals neu aufkommende CD. «Es war mir alles zu laut und zu groß geworden. Es ging nicht mehr um die Musik», sagte Knopfler kürzlich bei einem Interview in seinem Londoner Studio über das Ende von Dire Straits.

Als Solokünstler wählt der mehrfache Grammy-Gewinner seit dem Debüt «Golden Heart» (1996) einen anderen Ansatz: Die Alben sind natürlich immer noch fantastisch produziert, aber weniger poliert und auf Oberflächenreize getrimmt. Auch auf «Down The Road Wherever» widmet sich der Brite - wie auf den Vorgängern «Privateering» (2012) und «Tracker» (2015), die beide Platz 1 der deutschen Albumcharts erreichten - ohne große Kompromisse seiner Lieblingsmusik.

Das gute Dutzend neuer Lieder umfasst wieder melancholische Balladen, auf Anhieb sympathische Singer-Songwriter-Stücke, Celtic-Folk, Americana und ambitionierten Poprock, teilweise mit Latin-, Soul- und Jazz-Elementen. Besonders die von Tom Walshs Trompete verzierten Tracks «When You Leave» und «Slow Learner», das Funk-Stück «Nobody Does That» und das bluesige «Floating Away» stechen aus dem warmen, erdigen Songmaterial hervor.

Ein weiteres Highlight: das nostalgische, wohl auch autobiografische Lied «Just A Boy Away From Home», wo Knopfler mit seiner Gitarre die Fußballhymne «You'll Never Walk Alone» einbaut. Überhaupt: Diese zurückhaltende Virtuosität, diese sanft dahinfließenden, uneitlen Soli beeindrucken immer wieder - wie auch die Lässigkeit, mit der Knopfler seine eher begrenzte, sonore Baritonstimme einzusetzen weiß.

«'Down The Road Wherever' fühlt sich für mich passend an, weil es das ist, was ich schon immer gemacht habe: Wenn ich ein Album aufnehme, versuche ich meine eigene Geschichte in den Songs zu verpacken», sagte Knopfler laut Label Universal über die Hintergründe seines neuen Werks. Und dem Interview-Gesprächspartner in London sagte er: «Ich sehe keinerlei Anzeichen, dass die Songs am Austrocknen wären. Im Gegenteil, es kommen mehr und mehr.»

Neben den vielen neuen Liedern von «Down The Road Wherever» hat er zuletzt ein Musical komponiert - eine Bühnenversion des Films «Local Hero», dessen Soundtrack er 1983 veröffentlicht hatte. «Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich so etwas einmal machen würde.»

Obwohl Knopfler insgesamt etwas kürzer treten will, geht er nächstes Jahr von April bis September auf eine Welttournee mit Konzerten in größeren Hallen. Es könnte die letzte sein, sagte der Altmeister in London: «Wenn man eine Wahl treffen muss, fällt zuerst das weg, was am meisten harte Arbeit bereitet. Tourneen - das wird wohl der Baum sein, der zuerst gefällt wird.»

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