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Weltmeistercoach Löw vertraut seiner Goldenen Generation

24.05.2018 - Joachim Löw richtet in Südtirol den Fokus auf das Wesentliche. Der Turnierspezialist verströmt im Trainingslager ein «gutes Gefühl» für die WM. Vor allen die Brasilien-Champions sollen es in Russland noch einmal richten. Ein hoffnungsvolles Signal sendet auch der Kapitän.

  • Bundestrainer Joachim Löw schaut der WM in Russland optimistisch entgegen. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bundestrainer Joachim Löw schaut der WM in Russland optimistisch entgegen. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Torwarttrainer Andreas Köpke (r-l) beim Training mit Bernd Leno, Kevin Trapp und Manuel Neuer (r). Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Torwarttrainer Andreas Köpke (r-l) beim Training mit Bernd Leno, Kevin Trapp und Manuel Neuer (r). Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • England-Legionär Ilkay Gündogan gönnt sich in Eppan eine kurze Pause. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    England-Legionär Ilkay Gündogan gönnt sich in Eppan eine kurze Pause. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Assistenztrainer und DFB-Rekord-Torjäger Miroslav Klose (r) beim Austausch mit Angreifer Mario Gomez. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Assistenztrainer und DFB-Rekord-Torjäger Miroslav Klose (r) beim Austausch mit Angreifer Mario Gomez. Foto: Christian Charisius © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Probleme? Sorgen? Nöte? Alles kein Thema für Joachim Löw, der drei Wochen vor dem WM-Start vollkommen in sich ruht.

Der Weltmeistercoach und Turnierspezialist glaubt fest an einen letzten großen Fußball-Sommer der «Goldenen Generation» um Sami Khedira (31), Mats Hummels, Jérôme Boateng, Mesut Özil (alle 29), Thomas Müller und Toni Kroos (beide 28) und vielleicht auch Kapitän Manuel Neuer (32).

Bei seiner ersten großen Ansprache an die Fußballnation in Südtirol vermittelte der lässig Espresso schlürfende Bundestrainer eine bemerkenswerte Zuversicht und Gelassenheit. Obwohl Fragezeichen wie die um den ohne Spielpraxis angereisten Torhüter Neuer oder den nach einer Verletzung noch nicht voll belastbaren Weltklasseverteidiger Boateng im Trainingslager erst noch aufgelöst werden müssen.

«Ich habe ein sehr gutes Gefühl», berichtete Löw, der überzeugt ist, dass die vier Jahre älter gewordenen Champions von Brasilien noch einmal zur WM-Höchstform auflaufen können. «Was nach dem Turnier mit dieser Goldenen Generation passiert, weiß ich nicht. Es ist denkbar, dass es danach einen Umbruch gibt. Aber wenn es um die WM geht, sind alle Spieler unter Strom», erklärte Löw.

Einen Anlass für lautstarke Parolen nach innen und außen sah der nimmermüde Bundes-Jogi zum Start in die Vorbereitung auf die am 14. Juni beginnende WM in Russland nicht: «Eine neue Gier, einen neuen Enthusiasmus muss ich nicht ins Leben rufen. Die Gier und der Ehrgeiz sind ungebrochen, auch bei denen, die Weltmeister geworden sind!»

Umringt von Fotografen und Kameramännern schritt der Turniertrainer Löw, der die Nationalmannschaft bislang bei jeder EM (2008, 2012, 2016) und WM (2010, 2014) mindestens ins Halbfinale führte, auf das Podium im DFB-Medienzelt in Eppan. Vor mehr als 100 Reportern sprach er am Donnerstag fast eine Fußball-Halbzeit lang über alle möglichen Themen und gewährte am Ende sogar noch einige Zusatzfragen. «Tutto bene», alles klar, lautete Löws zentrale Botschaft in Norditalien.

Schönes Hotel, ideale Trainingsbedingungen, Südtiroler Ambiente - diese Melange gefällt Löw. Beim ersten richtigen Training mit allen 19 verfügbaren Akteuren war sein Tatendrang sichtbar und auch auf der kleinen Tribüne hörbar. «Pass, Pass, Pass», rief er energisch bei den Spielformen. Der Fokus soll bis zum 7. Juni ausschließlich auf der Trainingsarbeit liegen.

«Jedem ist klar, dass das Trainingslager dazu dient, sich die notwendige Kraft und Power zu holen für das Turnier. Der Treibstoff muss immer vorhanden sein», sagte der 58-Jährige. Parallel dazu muss sich ein Teamgeist entwickeln, wie Löw betonte: «Jeder muss wissen, dass er nur ein Puzzleteil ist für den Erfolg. Keiner kann alleine Weltmeister werden.»

Ob Manuel Neuer erneut ein entscheidendes Puzzleteil wie 2014 in Brasilien sein kann, ist offen. Beim Torwarttraining strahlte der 32-Jährige auf dem Platz schon wieder eine Präsenz aus wie vor seinen Mittelfußbrüchen. «Er kann alle Belastungen tolerieren, auch allerhöchste Belastungen wie Sprünge», berichtete Löw. Aber das Ende bleibt ungewiss: «Wenn er das Gefühl hat, er kann 100 Prozent Leistung bringen, kann er bei der WM dabei sein.» Ansonsten nicht.

Am Freitag werden die Bayern-Profis Mats Hummels, Thomas Müller, Joshua Kimmich und Niklas Süle als Nachzügler zum Kader stoßen, ebenso Torwart Marc-André ter Stegen und Antonio Rüdiger. Boateng könnte dagegen erst am Wochenende in Südtirol eintreffen. Der Innenverteidiger wird in München erst noch einmal untersucht. «Wir wollen bei seiner Muskelverletzung keinen Fehler machen», sagte Löw. «Schlüsselspieler» Toni Kroos wird das 27-köpfige Aufgebot erst nach dem Champions-League-Finale mit Real Madrid komplettieren.

In vielen Trainingseinheiten, zwei Trainingsspielen gegen die deutsche U20-Auswahl sowie den Testpartien gegen Österreich (2. Juni in Klagenfurt) und Saudi-Arabien (8. Juni in Leverkusen) sollen die Abläufe wieder eingeschliffen werden. «Wir haben eine gute Basis. Aber wir tun gut daran, die Dinge wieder zu automatisieren», sagte Löw. Teammanager Oliver Bierhoff ergänzte: «Wir wissen, welche Schwierigkeiten die Weltmeister bei den letzten drei Turnieren hatten. Da sind wir gewarnt, müssen aufpassen.»

Vier Akteure müssen am 4. Juni noch aus dem Kader gestrichen werden. Löw will jedem eine faire Chance einräumen. «Keiner ist nur zur Bewährung hier.» Die Wunschelf für den WM-Start gegen Mexiko am 17. Juni in Moskau wird sich aber weitgehend aus den Weltmeistern von 2014 zusammensetzen: Boateng, Hummels, Kroos, Khedira, Müller, Özil sind fest eingeplant - Neuer bleibt Wackelkandidat. «Sie können nach wie vor ein gutes Tempo gehen», sagte Löw über Hummels und Co.

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