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Kampf gegen Dämonen: «Wanderer» von Cat Power

05.10.2018 - Nach Indie-Folk, Soul und Elektropop ändert die als Cat Power bekannt gewordene US-Sängerin Chan Marshall abermals ihren Kurs. Das neue Album «Wanderer» setzt auf intensive Pianoballaden.

  • Cat Power (Chan Marshall) tritt mit neuem Album an die Öffentlichkeit. Foto: Eliot Lee Hazel/ Domino Recording Company © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Cat Power (Chan Marshall) tritt mit neuem Album an die Öffentlichkeit. Foto: Eliot Lee Hazel/ Domino Recording Company © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es gibt ein Lied auf «Wanderer», dem zehnten Album von Charlyn Marie «Chan» Marshall alias Cat Power, mit dem sie ihrem Ruf als eine der besten weißen Soul-Sängerinnen gerecht wird.

Das kämpferische, hochintensive «Woman» zelebriert die 46-Jährige aus Atlanta mit eindrucksvoller Stimmwucht als Country-Soul, im Hintergrund singt Pop-Superstar Lana Del Rey mit.

Doch «Woman» ist ein stilistischer Solitär auf einem Album, das ansonsten zwar ebenfalls stark auf den dunklen Gesang von Cat Power setzt, aber mit klassischem Südstaaten-Soul nur noch wenig zu tun hat. Das mag schade finden, wer Marshalls Durchbruch-Album «The Greatest» (2006) für ihr Meisterwerk hält, das sie in Memphis mit renommierten schwarzen Musikern aufgenommen hatte. «Wanderer» indes enthält überwiegend reduzierte, zerbrechliche Balladen mit viel Klavier und Akustikgitarre.

Aus einem aktuellen Interview des Musikmagazins «Rolling Stone» geht hervor, dass dieses Album mehr ist als lediglich eine Sammlung von elf Liedern in knapp 40 Minuten Spielzeit. Marshall verarbeitet demnach in den Songs quasi ihre Dämonen: komplizierte Trennungen, die schwierige Beziehung zu den Eltern, den Verlust von Freunden, Drogenmissbrauch und Depressionen. Tatsächlich galt Cat Power in den Nuller-Jahren zeitweise als Musikerin, bei der man nicht wusste, ob sie ein Konzert zu Ende bringt.

So sind die Singer-Songwriter-Stücke von «Wanderer» zwar oft verhalten und traurig, aber definitiv viel überzeugender als der arg bemühte, obgleich durchaus erfolgreiche Elektropop des Vorgängers «Sun» (2012). Und es scheint in diesem Leben inzwischen ja auch bergauf zu gehen: Das Albumcover zeigt unter anderem den blonden Haarschopf ihres kleinen Sohnes - ein Hinweis auf Chan Marshalls spätes Mutterglück in ihren Vierzigern.

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