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Gamerdingers Halbzeitbilanz: Es lebe die Tradition

18.12.2017 - Gleich 13 Treffer bescherten uns am gestrigen dritten Advent die letzten beiden Partien des 17. Spieltags der Fußball-Bundesliga, wobei insbesondere das 4:4 zwischen Hannover und Leverkusen die Zuschauer begeistern konnte. Völlig zu Recht, denn bei bis dato durchschnittlich nur 1,3 Treffern pro Team und Spiel (vor 20 wie auch vor zehn Jahren lag die Quote übrigens bei 1,4) war es ein schöner und für mich auch versöhnlicher Abschluss einer Hinrunde, die aus meiner Sicht wenig Überraschendes — zumeist zu Erwartendes, aber auch Unnötiges wie den Video-Schiri — mit sich brachte.

  • Die Bayern bleiben im Jubelrausch. Selbst der eigentliche Ersatztorwart Sven Ulreich zeigte seine Klasse und krönte seine gute Hinrunde mit dem gehaltenen Elfmeter in seiner alten Heimat Stuttgart - Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON...

    Die Bayern bleiben im Jubelrausch. Selbst der eigentliche Ersatztorwart Sven Ulreich zeigte seine Klasse und krönte seine gute Hinrunde mit dem gehaltenen Elfmeter in seiner alten Heimat Stuttgart - Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Der Trainer der Hinrunde: Domenico Tedesco durfte nicht nur mit Amine Harit jubeln, sondern sorgte auch für einen ungeahnten Schalker Aufschwung – Foto: iro Sportphoto/ Christopher Neundorf © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH /...

    Der Trainer der Hinrunde: Domenico Tedesco durfte nicht nur mit Amine Harit jubeln, sondern sorgte auch für einen ungeahnten Schalker Aufschwung – Foto: iro Sportphoto/ Christopher Neundorf © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Es ist doch noch immer gutgegangen...: Auch mit Sechs-Millionen-Einkauf André Hahn landete der Hamburger SV mal wieder in der Abstiegszone – Foto: Revierfoto © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur...

    Es ist doch noch immer gutgegangen...: Auch mit Sechs-Millionen-Einkauf André Hahn landete der Hamburger SV mal wieder in der Abstiegszone – Foto: Revierfoto © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Auch wenn der Effekt von Trainerwechseln fraglich ist, durfte Peter Stöger zwei Dortmunder Siege in vier Tagen feiern - Foto: Martin Meissner
 © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur

    Auch wenn der Effekt von Trainerwechseln fraglich ist, durfte Peter Stöger zwei Dortmunder Siege in vier Tagen feiern - Foto: Martin Meissner © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Enttäuschend ist sicherlich, dass der FC Bayern in weitestgehend eher durchschnittlicher Verfassun ohne große Mühe an der Spitze der Liga thront. Das sorgt schon früh für gähnende Langeweile in der Meisterschaftsfrage. Gab es zu Saisonbeginn noch die große Hoffnung, Borussia Dortmund könne zumindest Schritt halten – immerhin führte der BVB unter dem jüngst geschiedenen Peter Bosz bis Spieltag sieben das Tableau mit fünf Punkten Vorsprung an – so schwand diese Hoffnung mit dem zeitweiligen Absturz der Schwarz-Gelben sehr schnell. Dass dagegen die erste Europapokal-Teilnahme der Vereinsgeschichte von RB Leipzig eher zu einem „Schnupperkurs mit Negativ-Auswirkungen für den Alltag“  verkommen würde, entsprach zumindest meiner Erwartung.
Dass die Traditionsklubs der Liga auch social-mäßig mit der Zeit gehen, zeigt die Tabelle der Facebook-Aktivitäten auf. Dort sind nämlich die Top Four der Liga mit gravierendem Vorsprung unter sich. Tradition trifft Moderne!

Junges Blut als Frischzellenkur

Erstaunlicher ist da schon eher, dass seit dem Schalwechsel von Peter Stöger (von rot-weiß auf schwarz-gelb), dem Kölns neuer Sportchef Armin Veh übrigens die FC-Misere in die Schuhe schob („Wir haben die Mannschaft in einem miserablen Zustand vorgefunden“), der BVB wieder ins Rollen kommt. Rechtzeitig zum Pokal-Achtelfinalkracher am Mittwoch bei den Bayern haben die Dortmunder ihre Blockade gelöst. Und für den schlechten Zustand der Kölner Spieler hat sich Stöger weltmännisch und augenzwinkernd per TV Kamera beim FC entschuldigt. Die Annahme, dass Ausnahmen die Regel bestätigen sollen, weisen mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund ausgerechnet die beiden auf internationalem Parkett  zuletzt erfolgreichsten deutschen Klubs nach, die in Sachen „Trainerwechsel“ mit Heynckes und Stöger jeweils eher auf Erfahrung setzten. Der Trainer-Trend geht nämlich ganz klar in Richtung U-40, ob Mehmet Scholl das nun gefällt oder nicht!  Das größte Objekt der Begierde ist dabei Hoffenheims Noch-Coach Julian Nagelsmann, dessen Verbleib ab der nächsten Saison zur größten Spekulations-Aktion seit dem Börsengang der Telekom zu werden scheint.

Unterschätzte Erfahrung

Dass viele der aktuell auf deutschen Trainerbänken Platz nehmenden Jung-Coaches noch gar nicht genug Erfahrung hätten sammeln können und reine „Taktik-Tafel-DFB-Theorie-Trainer“ wären, bemängelte zuletzt nicht nur der bereits genannte Ex-Nationalspieler Scholl. Doch weit gefehlt, Ihr Experten: Sogar der mittlerweile ins Alter gekommene Freiburger Trainer und Sympathieträger Christian Streich ist dem SCF-Leistungszentrum entsprungen und hat dort wie seine jüngeren Kollegen nachweislich hervorragende Arbeit geleistet. Nicht anders sieht es unter anderen bei Bremens Florian Kohfeldt, Kölns Stefan Ruthenbeck, Schalkes Domenico Tedesco und Julian Nagelsmann aus, wobei Letztgenannte sogar den gleichen Hoffenheimer „Stallgeruch“ haben.

Überschätzte Eigenwahrnehmung

Ein weiterer Trend wurde zum Ende der Hinrunde immer deutlicher: Die Einschätzung der eigenen Leistung, oder besser des Leistungsvermögens wird (wohlmeinend) nur allzu gern schön geredet. Ganz vorn dabei ist man da beim HSV – übrigens mittlerweile genauso traditionell, wie in den vergangenen Jahren der Abstiegskampf an der Elbe. Sich von alten Erfolgen und alter Tradition leiten zu lassen, ist in Hamburg nach wie vor kein guter Berater. Sowohl Offizielle als auch Spieler nutzten zuletzt Floskeln wie „wir hätten mit etwas mehr Glück deutlich mehr Punkte haben könne“, wir sind deutlich stabiler als letztes Jahr“, „unsere Qualität ist da“, „der Kader ist stark genug“… Die Realität: Platz 17, nach den abgeschlagenen Kölnern mit 15 am wenigsten Punkte (wie Werder) und nur 15 erzielte Treffer. Glaubt man die Theorie der vorhandenen Qualität (und selbst Sportchef Jens Todt gab zu, dass der Spieleretat im oberen Mittelfeld anzusiedeln ist), dann schafft es der HSV einfach nicht diese auf den Platz zu transportieren. Wird das verkannt, geht es diesmal auf sicher runter in Liga 2.

Mut wird belohnt

Ganz anders sieht es da bei meiner bisherigen Saisonüberraschung Nrummer 1 aus. Auf Schalke waren sie mutig und installierten mit Domenico Tedesco einen der ach so ge(SCHOLL)tenen Konzepttrainer, nämlich Domenico Tedesco. Das war gut so, denn mit erfrischendem Offensivfussball (man denke an das sagenhafte 4:4 in Dortmund) mischten die Schalker die Liga ein Stück weit auf und stehen völlig zu Recht (und genauso wie der FC Augsburg!) deutlich besser da als vor Saisonbeginn erwartet. Und fünf, sechs Punkte blieben unterwegs sogar sorglos noch liegen. Da ist also scheinbar noch Luft, nach der sich die Leipziger, Dortmunder, Leverkusener mächtig strecken müssen.

Möge also die Rückrunde in 2018 den Mutigen gehören! Ich melde mich erst nach Weihnachten wieder und wünsche Ihnen, liebe Leser, ein schönes Weihnachtsfest mit einer realistischen Selbsteinschätzung und vielen positiven Erfahrungen. Es lebe die Tradition – gerade zu Weihnachten!

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