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«Mortal Engines» - Fantasy vom «Herr der Ringe»-Meister

11.12.2018 - Peter Jackson machte sich mit seiner «Herr der Ringe»-Trilogie auf der Leinwand unsterblich. Vor- und nachher knüpfte er nie an diesen Erfolg an, dafür beaufsichtigt er als Produzent nun junge, aufstrebende Regisseure. Bei «Mortal Engines: Krieg der Städte» geht das meist gut.

  • Jihae als Anna Fang in «Mortal Engines: Krieg der Städte». Foto: Universal Pictures © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jihae als Anna Fang in «Mortal Engines: Krieg der Städte». Foto: Universal Pictures © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit zwischen dem Bombast-Regisseur Peter Jackson und dem Newcomer Christian Rivers, aber die erste, für die es eine Art Rollentausch gab. Fortan arbeitet Rivers nicht mehr Jackson zu, sondern andersherum.

Bereits für die «Herr der Ringe»-Trilogie sowie die darauffolgende «Der Hobbit»-Prequel-Reihe, «King Kong» und «In meinem Himmel» lieferte Rivers Teile der Storyboards. Für seinen allerersten Spielfilm, «Mortal Engines: Krieg der Städte», zeichnete Jackson nun für das Drehbuch und die Produktion verantwortlich. Das merkt man.

Die Verfilmung des ersten von insgesamt vier Romanen atmet die Luft großer Fantasy-Epen. Das lässt sich ihm bisweilen negativ auslegen, denn hier finden sich von besagten «Herr der Ringe»-Abenteuern auch Spurenelemente von «Star Wars», «Jules Verne» und «Mad Max», um nur ein paar zu nennen. Die eigentliche Prämisse dagegen steht komplett auf eigenen Beinen. Oder besser Rollen, denn in dieser Welt haben sich ganze Städte zu rollenden Ungetümen entwickelt.

In einer mehrere hundert Jahre in der Zukunft gelegenen Welt haben die Menschen nach einer verheerenden Katastrophe die meisten Ressourcen aufgebraucht. Wer Glück hat, ist Bewohner einer fahrenden Stadt. Die gigantischen Ungetüme, die aus vielen kleinen Städten bestehen und von monumentalen Motoren betrieben werden, fahren unter Kontrolle ihrer Herrscher durch das karge Ödland, um sich kleinere Dörfer einzuverleiben und dadurch mächtiger und mächtiger zu werden. Eine der größten von ihnen ist die ehemalige britische Hauptstadt London, deren Herrschern der verschwenderische Umgang mit den noch verbleibenden Ressourcen jedoch langsam zum Verhängnis wird.

Die dadurch entstehende Unsicherheit an Bord nutzt die maskierte Hester (Hera Hilmar) aus, um einen Anschlag auf den Anführer Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) zu verüben, den die junge Frau für den Tod ihrer Mutter verantwortlich macht. Doch der Versuch schlägt fehl und wenig später finden sich Hester und der Historikerlehrling Tom Natsworthy (Robert Sheehan) auf offenem Feld wieder, wo sie für die rollenden Städte zur leichten Beute werden...

Die dystopische Welt, eine dem Untergang geweihte Menschheit, der Kampf zwischen Gut und Böse und mittendrin eine junge weibliche Heldin, die sich (fast) alleine gegen die Obrigkeit auflehnt - «Mortal Engines: Krieg der Städte» vereint diverse Versatzstücke eines Genrestrends, der von «Die Tribute von Panem» eingeleitet und von angefangenen, aber nicht immer zu Ende erzählten Reihen wie «Divergent», «The Giver» und «Die fünfte Welle» zu Grabe getragen wurde. Irgendwann wurde alles so austauschbar - die Figuren, die Welten, die Filme.

Das lässt sich von «Mortal Engines: Krieg der Städte» nun nicht behaupten. Das von Philip Reeve geschaffene Buch- (und jetzt auch Film-)Universum sieht nicht bloß verflucht gut aus und punktet mit wuchtigen Effekten, die dem Zuschauer das Gefühl geben, es hier gerade wirklich mit fahrenden Riesenstädten zu tun zu haben. Die Macher geben darüber hinaus Acht auf eine innerfilmische Logik. Nur die Prämisse selbst muss man natürlich so nehmen, wie sie einem hier vorgesetzt wird. Aber das ist im klassischen Fantasykino ja eigentlich immer so.

Das Herzstück des Films sind die Städte, insbesondere London, die noch so klar und deutlich als britische Hauptstadt erkennbar ist, dass die Kreation der Metropole als fahrendes Gebäude umso beeindruckender ist. Erzählerisch dagegen ist für den anvisierten zweiten Teil noch Luft nach oben, vor allem bei den mitunter recht platten Dialogen. Was «Mortal Engines: Krieg der Städte» nämlich fehlt, ist eine Ordnung. Im ersten Teil der Reihe handeln die Macher vom Aufbau der Welt über die Rebellion der Abtrünnigen bis hin zur finalen Zerstörung einen Stoff ab, der ebenso gut in drei Filme gepasst hätte. Es ist einzig und allein dem aufgeräumten Skript von Fran Walsh, Philippa Boyens und Peter Jackson (verantworteten im Trio die «Der Herr der Ringe»-Trilogie) zu verdanken, dass man hier nicht die Übersicht verliert.

Auch zur zweistündigen Schlacht verkommt das Leinwandspektakel nie. Selbst wenn gerade im letzten Drittel vorwiegend gekämpft wird, finden sich am Rande immer wieder emotionale, rührende Details wie etwa Hesters herzzerreißende Lebensgeschichte, die ihr Verhältnis zum eigentlich als Widersacher etablierten Roboterwesen Shrike (Stephen Lang) plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Dadurch ist «Mortal Engines: Krieg der Städte» von Grund auf sympathisch - und das ist ein Prädikat, dass sich absolut nicht jedem Hollywood-Blockbuster zuschreiben lässt.

- Mortal Engines: Krieg der Städte, NZL/USA 2018, 128 Min., FSK ab 12, mit Hera Hilmar, Hugo Weaving und Stephen Lang.

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