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Lang Lang spielt Bachs «Goldberg Variationen»

07.09.2020 - Für Pianisten gelten Bachs «Goldberg Variationen» als Meister- und Reifeprüfung. Star-Pianist Lang Lang hat sich dafür Zeit gelassen - und bringt das Werk mit 38 Jahren gleich zweimal auf CD heraus.

  • Pianist Lang Lang 2014 in Baden-Baden. Foto: Uwe Anspach/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Pianist Lang Lang 2014 in Baden-Baden. Foto: Uwe Anspach/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Komponiert hat Johann Sebastian Bach seine «Goldberg Variationen» - so geht jedenfalls die Geschichte - für den russischen Gesandten am Dresdner Hof, Hermann Carl von Keyserlingk. Bach sollte für Keyserlingks Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg ein Werk schreiben, das diesen in schlaflosen Nächten erheitern sollte, lautete der Auftrag des Grafen.

Vielleicht ist das alles nur eine Legende. Aber Fakt ist: Johann Sebastian Bach (1685-1750) schuf mit seinem Spätwerk eine der bedeutendsten Kompositionen für Klavier. Mit einem musikalischen Anfangsthema und den 30 Variationen zählt das Stück zu den schwierigsten für das Instrument überhaupt.

Piano-Star Lang Lang hat sich deswegen auch viel Zeit gelassen, bevor er diese Meisterprüfung für Tastenkünstler anging. Nun hat er das Werk aufgenommen - und bringt das musikalische Examen mit 38 Jahren gleich zweimal in einer CD-Box heraus. Neben einer Studioeinspielung hat die Deutsche Grammophon die Aufnahme eines Konzerts beigelegt, das Lang Lang im März 2020 in der Leipziger Thomaskirche gab, nur wenige Meter entfernt von Bachs Grab. Dazu strahlt der Kulturkanal 3sat am 12. September (22.35 Uhr) eine Dokumentation zum Album aus.

«Die Zeit war gekommen für diesen Schritt», sagt der Musiker im Zoom-Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur aus Shanghai, wo er wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie festsitzt - und leidet. «Es ist eine Katastrophe, nicht spielen zu können.» Dutzende Auftritte habe er absagen müssen, darunter auch ein Konzert mit Daniel Barenboim in Berlin. Auch sein Goldberg-Projekt hat der chinesische Künstler auf Eis gelegt.

Nach der inzwischen legendären Aufnahme von Glenn Gould aus dem Jahr 1955, die angesichts der manchmal atemberaubenden Tempi von Kritikern auch gerne mit dem Rattern einer Nähmaschine verglichen wurde, haben sich Pianisten immer wieder an den Variationen gemessen. Alfred Brendel, Andras Schiff, Igor Levit (der das Werk mit etwas über 20 aufnahm) oder der Jazz-Pianist Keith Jarrett - der Kritiker Joachim Kaiser attestierte allen Goldberg-Interpreten mehr oder weniger gute Noten. Wer sich überhaupt an die Variationen mit ihren vertrackten Passagen traue, «kann sie nicht ganz schlecht spielen.» Immerhin.

Auf den langsamen Einführungssatz, die Aria, lässt Bach ein hochkomplexes Klanggebilde folgen, ein auf der Basslinie aufgebautes Werk, das ein Musikwissenschaftler einmal mit Rubiks Zauberwürfel verglich. So kommen bei den «Goldberg Variationen» Pianisten oft an ihre Grenzen.

Lang Lang versuchte sich früh an dem Werk. Mit 17 Jahren spielte er in einem leeren Konzertsaal - «auswendig, perfekt studiert, mit enormem Stilvermögen», wie sich der Pianist und Dirigent Christoph Eschenbach erinnert. Nicolaus Harnoncourt war kritischer. «Du spielst sehr schön, aber es klingt nicht einsam genug», sagte der Dirigent, nachdem ihm Lang Lang 2006 in Salzburg das Werk am Cembalo vorgespielt hatte. «Du ruhst nicht genug in dir selbst.»

Tatsächlich passten die großen spätromantischen Klavierkonzerte von Sergei Rachmaninow und Peter Tschaikowsky am Anfang seiner Karriere besser zum umtriebigen Lang Lang, der sich damit seinen weltweiten Ruf erspielte. «Bach ist ein anderer Planet», sagt er.

Harnoncourt, so berichtet Lang Lang, habe ihm den entscheidenden Hinweis gegeben - und ihm die Furcht vor dem angeblich strengen Herrn Bach genommen. «Er zeigte mir, dass Barockmusik viel mit Emotion zu tun hat und uns sehr berühren kann». Vom Cembalisten und Pianisten Andreas Staier lernte er alles über Artikulation und Verzierungen bei Bach. Und im thüringischen Arnstadt, wo Bach 1703 seine erste Organistenstelle übernahm, spürte er bei seinen Nachfolgern dem Originalklang des Barocks nach. «Das löste in mir eine unglaubliche Freude aus.»

Hörbar ist eine Mischung aus Ehrfurcht vor dem großen Meister und viel Freude - was Barock-Puristen nicht unbedingt beglücken muss. Denn Lang Lang lässt sich zuweilen viel Zeit für sein Spiel, dehnt Passagen aus - manchmal Minuten länger als andere Interpreten. Aber die Begegnung mit Bach könnte ein Wendepunkt in Lang Langs Karriere bedeuten. «Es hilft mir enorm, vor allem die deutschen Komponisten neu zu verstehen», sagt er. Bei den großen Brocken der Spätromantik, den Werken von Rachmaninow oder Tschaikowsky, komme es vor allem auf die Melodien an. «Bei Bach kann jede Stimme zur Hauptstimme werden.»

© dpa-infocom, dpa:200907-99-462416/3

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