Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Gamerdingers Fußball-Kolumne

17.07.2019 - In was für einer kranken (Fußball-)Welt leben wir eigentlich? Ich war bis zu meinem Hochzeitstag wirklich in dem Glauben, Neymars absurde Ablösesumme von 222 Millionen Euro, die Paris St. Germain an den FC Barcelona überwies, wäre das Höchste der Gefühle gewesen. Diesen Glauben habe ich verloren, denn mit seiner Unterschrift bei „Barca“ besiegelte Weltmeister Antoine Griezmann, der nunmehr an der Seite von Superstar Lionel Messi auflaufen wird, auch seine neue Ausstiegsklausel, die sich auf schlappe 800 Millionen Euro beläuft. Da spielt der von Atletico Madrid geforderte 80-Millionen-Nachschlag auf die Ablöse von 120 Millionen (ist Ihnen auch schon ganz schwindelig?) kaum noch eine Rolle.

  • Vor einem Jahr schoss Antoine Griezmann die französische Nationalelf mit vier Treffern und zwei Vorlagen zum WM-Titel. Nun hat er nicht nur eine neue Frisur, sondern auch einen neuen Verein. © picture alliance / dpa / Frank...

    Vor einem Jahr schoss Antoine Griezmann die französische Nationalelf mit vier Treffern und zwei Vorlagen zum WM-Titel. Nun hat er nicht nur eine neue Frisur, sondern auch einen neuen Verein. © picture alliance / dpa / Frank Hoermann / SVEN SIMON

Sie fragen sich jetzt, was das mit meinem Hochzeitstag zu tun hat? Eigentlich gar nichts! Außer, dass dieser eben auch am Sonntag war. Als ich meiner Frau abends in der Tapas-Bar (!) unseres Vertrauens von dem Barcelona-Schnäppchen erzählte, meinte diese doch glatt, dass ich offensichtlich den falschen Beruf gewählt hätte. Ich konnte ihr nur entgegnen, dass ich zwar nicht annähernd das Talent eines Messis hätte, aber gern auch wie ein solcher mit ihr leben könne... Dass dessen Ausstiegsklausel nur auf 700 Millionen taxiert wurde, ist übrigens genauso absurd wie meine Antwort!

Schnäppchenjäger

Das würden Kalle Rummenigge, „Brazzo“ Salihamidzic und Uli Hoeneß wohl auch so sehen die seit Wochen händeringend nach frischem Wind suchen, um zumindest die nationale Konkurrenz aus Dortmund und Leipzig in Schach halten zu können. Schon im Februar kündigte Hoeneß in einer launigen Sport1-Runde eine große Transfer-Offensive an: Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die neue Saison. Ja, Herr Präsident, so langsam wüssten wir das wirklich gern! In München begnügte man sich nämlich im Vergleich mit einem echten Schnäppchen: Läppische 80 Millionen, also gerade einmal zehn Prozent der Griezmann-Ausstiegs-Kohle, blätterte der Rekordmeister für immerhin auch einen Weltmeister hin. Lucas Hernandez war der Wunsch-Abwehrspieler und soll in die schemenhaft noch vorhandenen großen Fußstapfen seines Landsmanns Bixente Lizarazu treten. Ein stolzes Sümmchen, das die Bayern ebenfalls an Atletico Madrid überweisen. Eigentlich kann man ja in Deutschland eher bei Real günstiger einkaufen... Für die Höhe der Ablöse konnte Hernandez allerdings nichts, denn auch diese war vertraglich festgeschrieben, nachdem der 23-Jährige im Sommer 2018 einen Sechs-Jahres-Vertrag bei Atletico (wo einst auch schon sein Vater Jean-Francois spielte) unterschrieben hatte.


(Un-)Verhältnismäßigkeiten

Einer für 80 Millionen (Max Giesinger lässt grüßen) – und das ist dann „nur“ einen Verteidiger? Macht nichts, denn er ist laut „KHR“ auch ohne Ballberührung jetzt schon der beste der Liga. Ich bin gespannt… Doch der Wahnsinn nimmt kein Ende, denn der FCB sucht noch händeringend nach einem Vollblutstürmer als adäquates Pendant zu Robert Lewandowski. Und ich kann jetzt schon versichern: Einen solchen Stürmer wird es auf internationalem Niveau nicht unter 100 Millionen geben (oder man setzt doch lieber auf Fiete Arp und die Zukunft...) 100 Millionen!!! Dieses System ist genauso krank wie der Immobilienmarkt in Deutschland. Verhältnismäßigkeiten gibt es schon lange nicht mehr. Und die Zeiten, als hohe Ablösesummen noch zur Belastung von Spielern wurden, sind längst vorbei. Die sind nämlich mittlerweile so dermaßen unverhältnismäßig hoch, dass es den Akteuren völlig egal sein kann und muss, wie teuer sie waren oder sind. Das sieht übrigens auch Kerem Demirbay so, der vor drei Jahren in Hamburg vom Hof gejagt wurde und nun mit 32 Millionen Euro Bayer Leverkusens teuerster Transfer der Vereinsgeschichte ist: Die Zahl interessiert mich nicht, sie ist eher eine Bestätigung meiner Arbeit.


Gewinnmaximierung

Weil das so ist, besuche ich Bundesligaspiele seit geraumer Zeit nur noch aus beruflichen Gründen. Ich sehe einfach nicht ein, diesen kaputten Markt noch zu unterstützen, um ihn noch kaputter zu machen. Solange wir bereit sind, uns zu total überhöhten Preisen in die Stadien zu begeben und drei Pay-TV-Anbieter im worst case gleichzeitig „unterhalten“, solange wir bereit sind, völlig überteuerte Merchandising-Artikel und Trikots zu kaufen, solange wir also diesen ganzen Zirkus unterstützen, genauso lange wird sich auch nichts verändern. Gewinnmaximierung auf allen Ebenen ohne Rücksicht auf Verluste. In wenigen Jahren wird es für heutige Drittligisten, wie auch für das Gros der Zweitligisten, keine wirtschaftliche (und damit auch keine sportliche) Möglichkeit mehr geben, die Bundesliga in Angriff nehmen zu können. Der Fußball ist ein Spiegel der Gesellschaft – auf den Rängen wie im wirtschaftlichen Bereich: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer und sorgt dafür, dass die Mittelschicht mehr und mehr im Sumpf des Kapitalismus verschwindet. So wie einer unter 80(0) Millionen!

 

P.S.: Falls sich jetzt jemand Sorgen wegen des sportlichen Aderlass' bei Atletico Madrid macht: Die haben gerade einen 19-jährigen Portugiesen namens Joao Felix verpflichtet  für 126 Millionen Euro...

 

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren