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Kolumne: Nominierung nicht vermittelbar

28.05.2018 - Manchmal sollen die Wege des „Herren“ ja unergründlich sein. In diesem Fall handelt es sich um den „Herrn“ Joachim Löw, dessen gedankliche Wege mir sich nicht erschließen wollen. Dass der Bundestrainer dazu neigt, vor großen Turnieren für Überraschungen im Kader zu sorgen, ist ja gemeinhin bekannt. Beispiele gefällig? Odonkor für Kuranyi (2006), Adler für Hildebrand (2008), Badstuber für Hitzlsperger (2010) oder Kimmich, Sané und Weigl für die Weltmeister Durm, Ginter und Kramer (2016) – Jogi Löw hatte in der Vergangenheit immer Unerwartetes in petto. Die Nominierung von Manuel Neuer will mir aber nicht in den Kopf.

  • Der Trainings-Weltmeister: Manuel Neuer wirkt zwar gesund und engagiert – doch sein hohes Niveau konnte er seit Ewigkeiten in keinem großen Stadion unter Beweis stellen - Foto: Marvin Ibo Güngör © dpa – Deutsche...

    Der Trainings-Weltmeister: Manuel Neuer wirkt zwar gesund und engagiert – doch sein hohes Niveau konnte er seit Ewigkeiten in keinem großen Stadion unter Beweis stellen - Foto: Marvin Ibo Güngör © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Marc Andre ter Stegen absolvierte 37 der 38 Ligaspiele für den FC Barcelona und machte auch im DFB-Dress eine gute Figur. Niemand hätte ein Problem damit, mit ihm als Nummer eins ins Turnier zu gehen – Foto: Stefan Matzke ©...

    Marc Andre ter Stegen absolvierte 37 der 38 Ligaspiele für den FC Barcelona und machte auch im DFB-Dress eine gute Figur. Niemand hätte ein Problem damit, mit ihm als Nummer eins ins Turnier zu gehen – Foto: Stefan Matzke © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Der Chef hat alles im Griff: Joachim Löw dirigiert seine Nationalmannschaft derzeit im Trainingslager in Rungg Eppan – hat sich in der Torwartfrage aber ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. - Foto: Revierfoto © dpa – Deutsche...

    Der Chef hat alles im Griff: Joachim Löw dirigiert seine Nationalmannschaft derzeit im Trainingslager in Rungg Eppan – hat sich in der Torwartfrage aber ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. - Foto: Revierfoto © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Das 1:0: Mit dem Fehler von Loris Karius geriet der FC Liverpool auf die Verliererstraße. Doch wie geht seine Karriere nun weiter...?  – Foto: FrankHoermann/Sven Simon  © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH	 / dpa – Deutsche...

    Das 1:0: Mit dem Fehler von Loris Karius geriet der FC Liverpool auf die Verliererstraße. Doch wie geht seine Karriere nun weiter...? – Foto: FrankHoermann/Sven Simon © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ohne Spielpraxis keine WM

Seit seinem Mittelfußbruch im September hat der 32-jährige Keeper des FC Bayern kein Spiel mehr bestritten. Im Gegenteil: Auf seinem Genesungs- und Reha-Weg ist er immer wieder mal von Rückschlägen getroffen worden. Deshalb ist die Aussage des Bundestrainers, dass „Manu“ ohne Einsatzzeiten als Aktiver nicht mit zur Weltmeisterschaft nach Russland fahren könne, inhaltlich auch völlig richtig. Weil es nämlich fahrlässig wäre, einen Keeper ohne Spielpraxis (und ohne finales Wissen um die gesundheitliche Stabilität) in ein solches Turnier zu schicken. Und weil es aus rein sportlicher Sicht den Mitstreitern wie Marc-Andre ter Stegen vom FC Barcelona oder Bernd Leno aus Leverkusen weder sachlich noch als fair vermittelbar wäre.

Einsatzgarantie ohne Not

Doch Joachim Löw scheint sich seiner Sache sicher, denn er ging am Samstag in der „Sportschau“ sogar noch einen Schritt weiter und gab seinem Stammkeeper sogar noch eine Einsatzgarantie mit auf den Weg. Auf die Frage des ARD-Kollegen Jürgen Bergener, ob Manuel Neuer, wenn er den am 12. Juni mit nach Russland fliege, auch fünf Tage später gegen Mexiko im Tor stehe, antwortete der Bundestrainer sinngemäß: „Ich denke schon. Manuel ist bislang immer als Nummer eins zu einem Turnier geflogen, das wird dann auch diesmal so sein!“

Risiko ohne Not

Auch wenn eine erneute Kernspintomografie des bereits dreimal gebrochenen Mittelfußes im Rahmen des Vorbereitungs-Trainingslagers aufgezeigt hatte, dass es scheinbar keine Probleme mehr gibt und der vierfache Welttorhüter des Jahres bis dato allen Belastungen Stand halten konnte, hat die Nominierung für die Konkurrenz ein „Geschmäckle“ und bedeutet ein Risiko, das Löw sich selbst schafft. Manuel Neuer wird das nicht interessieren, denn der kämpft – und das ist ihm hoch anzurechnen – wie ein Löwe um seine Chance. Die kann er nur dann wahren, wenn er die geforderte Spielpraxis noch sammelt. Möglichkeiten dazu bekommt er am heutigen Montag gegen die eigene U20 sowie im abschließenden Test am 2. Juni gegen Österreich – nicht gerade Wettkampfbedingungen, die die gesamte Physis abfordern…

Ter Stegen mehr als ein Backup

Da wirken am Ende sogar die unterstützenden Worte seines Mannschaftskameraden Jeromé Boateng, dass „Manu nun mal eine ganz andere Ausstrahlung hat und dies nichts mit einer minderen Qualität der anderen Torhüter zu tun hätte“, eher kontraproduktiv, weil nicht gerade den Teamgedanken stärkend. Das machte Jogi Löw dann ein wenig geschickter, indem er betonte, überhaupt nicht beunruhigt zu sein, wenn es mit Neuers Comeback (letztes Länderspiel im Oktober 2016!) nicht klappen sollte, denn er habe keine Bedenken auch mit Marc-Andre ter Stegen als Nummer eins in das Turnier zu gehen. Darf er auch nicht haben, denn es geht hier um den gestandenen und international erfahrenen Torhüter des FC Barcelona (!), der sich als Neuer-Vertreter nichts zu Schulden kommen ließ. Dass Löw dann aber Bernd Leno oder Kevin Trapp aus dem vorläufigen Kader streichen muss, wird ihm hingegen kein Problem bereiten, denn er ordnet dem Erfolg alles unter – Härtefälle sowieso!

Loris Karius - Tränen statt Triumph

In der Diskussion stand zuletzt aber noch ein weiterer deutscher Torhüter: Loris Karius. Sein Transfer 2016 von Mainz 05 zum FC Liverpool wurde noch belächelt. Dabei darf man eines nicht vergessen: Er stand zwischen 2008 und 2014 in jeder deutschen U-Nationalmannschaft. Seit Jahresbeginn ist Karius nun die Nummer 1 in Liverpool - und so sind alle "Experten", die meinen, man hätte den 24-Jährigen niemals für ein so großes Spiel wie das Champions-League-Finale aufstellen dürfen, auf dem Holzweg. Natürlich: Solche zwei Fehler steckt niemand so schnell weg, und wahrscheinlich wird Karius auch niemals wieder so ein großes Finale spielen. Aber wie sich die Fans des FC Liverpool verhielten und ihr berühmtes "You never walk alone" für ihn anstimmten, nötigt Respekt ab und zeigt, warum wir alle den Fußballsport immer noch so mögen.

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