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Gamerdingers Fußball-Kolumne

14.08.2018 - Die DFL hatte bewusst darauf verzichtet, im Vorwege viel „Tam Tam“ um das Supercup-Spiel zwischen dem deutschen Pokalsieger Eintracht Frankfurt und dem Meister FC Bayern München zu machen, denn der Fußball sollte im Fokus stehen. Das glückte zwar einigermaßen (im Fernsehen allerdings gerade mal mit 5,44 Millionen Zuschauern gegenüber 5,18 Mio. bei der Leichtathletik), doch zumindest die Eintracht-Fans, die naturgemäß in der heimischen Commerzbank-Arena deutlich in der Überzahl waren, mussten am Ende dann doch ziemlich enttäuscht den Nachhauseweg antreten. Die 0:5-Demütigung der Bayern hatte den zuvor noch so hoffnungsvollen Frankfurter Anhang doch ziemlich getroffen. Nach dem überraschenden Pokalsieg eine Erdung par excelence – allerdings auf einem sehr soliden Fundament!

  • Die Eintracht spielt im Konzert der Großen mit – auch international, wo die Hessen in der Europa League auflaufen. Doch im Supercup wurden dem Team um Luka Jovic (l., gegen) Javi Martinez die Grenzen aufgezeigt - Foto: nph/Bratic...

    Die Eintracht spielt im Konzert der Großen mit – auch international, wo die Hessen in der Europa League auflaufen. Doch im Supercup wurden dem Team um Luka Jovic (l., gegen) Javi Martinez die Grenzen aufgezeigt - Foto: nph/Bratic © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Fredi Bobic hat offensichtlich einen Plan und ist auf viele Eventualitäten vorbereitet. Der ehemalige deutsche Nationalspieler geht in seine dritte Saison in Frankfurt, war zuvor vier Jahre lang Manager beim VfB Stuttgart – Foto: firo...

    Fredi Bobic hat offensichtlich einen Plan und ist auf viele Eventualitäten vorbereitet. Der ehemalige deutsche Nationalspieler geht in seine dritte Saison in Frankfurt, war zuvor vier Jahre lang Manager beim VfB Stuttgart – Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Er gibt nun den Ton bei der Eintracht an: Adi Hütter absolvierte als Aktiver 14 Länderspiele für Österreich. Als Trainer wurde er vor drei Jahren von Ralf Rangnick in Salzburg entlassen... - Foto: Bild-Pressehaus ©...

    Er gibt nun den Ton bei der Eintracht an: Adi Hütter absolvierte als Aktiver 14 Länderspiele für Österreich. Als Trainer wurde er vor drei Jahren von Ralf Rangnick in Salzburg entlassen... - Foto: Bild-Pressehaus © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Zum Abschluss seiner 14-jährigen Eintracht-Karriere durfte Alex Meier den Pokal in die Höhe recken. Er hätte wohl gern noch ein Jahr lang das Frankfurter Trikot getragen – Foto: Revierfoto © dpa – Deutsche...

    Zum Abschluss seiner 14-jährigen Eintracht-Karriere durfte Alex Meier den Pokal in die Höhe recken. Er hätte wohl gern noch ein Jahr lang das Frankfurter Trikot getragen – Foto: Revierfoto © dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH

Damit scheint zwar einmal mehr klar, dass die Machtverhältnisse im deutschen Fußball sich auch in dieser Saison unverändert darstellen werden, denn der FC Bayern bleibt das Maß aller Dinge. Zu deutlich war die Überlegenheit, als dass man glauben könnte, die Phalanx des zuletzt sechsmal in Folge amtierenden Titelträgers könnte ins Wanken geraten. Es würde mich schon arg überraschen, wenn eines der ambitionierten Teams aus Dortmund, Gelsenkirchen, Hoffenheim, Leverkusen, Leipzig, Mönchengladbach oder eben Frankfurt ernsthaft um den Titel mitspielen würde (Wenn ich dann noch lese, dass Hertha BSC, VfB Stuttgart, Werder Bremen und der SC Freiburg auch einen einstelligen Tabellenplatz anpeilen, wird's aber langsam eng...).

Kovac-Erbe

Insbesondere die Eintracht gilt aber völlig zu Recht als einer der Hoffnungsträger der Liga. Das liegt und lag vor allem an drei Personen: zum einen am nunmehr ehemaligen Coach Niko Kovac, dem das beachtenswerte Kunststück gelang, binnen zwei Jahren aus einem Abstiegskandidaten einen Pokalsieger zu formen, der mit erfrischendem Offensivfußball auch in der Liga mehrfach „Ausrufezeichen“ setzen konnte. Kovac hat bekanntermaßen die Trainerbank gen München gewechselt, andere Architekten der neuen Eintracht aber sind geblieben.

"Architekten" mit Langzeitvertrag

In der vergangenen Woche haben Sportvorstand Fredi Bobic sowie Marketingvorstand Axel Hellmann ihre Verträge gleich um fünf (!!!) Jahre verlängert. Dies war ein eindeutiges Signal nach innen wie auch an die Konkurrenz, denn die gute Arbeit des Strategen Hellmann und des bestens vernetzten Bobic haben bereits Begehrlichkeiten geweckt. Beeindruckt hat sicherlich auch ein weiteres Signal, nämlich die Weiterverpflichtung des Kroaten Ante Rebic, der sowohl beim Pokalsieg als auch bei der Weltmeisterschaft nachhaltig auf sich aufmerksam machte.

Newzugänge mit Potenzial

Als neuen Coach haben die Frankfurter Adi Hütter verpflichtet. Der Österreicher ist mit der Empfehlung, die Young Boys aus Bern zur ersten Schweizer Meisterschaft seit 32 Jahren geführt zu haben, zur SGE gewechselt. Zudem wurde auf dem Spielermarkt gleich neunmal zugeschlagen. Mit Torhüter Frederik Rønnow (Brøndby IF) und Mittelfeldmann Lucas Torró (CA Osasuna/Real Madrid), den beiden Portugiesen Chico Geraldes (Sporting Lissabon) und Goncalo Paciencia (FC Poto) sowie Evan N'Dicka (AJ Auxerre) haben Bobic & Co. nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Augenmaß zählt

Allerdings mit Auge (und in dem Bewusstsein, dass ein Europa-League-Kader deutlich größer sein muss - der Supercup war ja das erste von knapp 30 Pflichtspielen bis Weihnachten), denn Fredi Bobic und Axel Hellmann haben einen Plan, den sie konsequent verfolgen. Ex-Stürmer Bobic ist bemüht, mögliche Abgänge bereits vorzeitig zu kompensieren und setzt bei Neuzugängen nicht auf teure, fertige Spieler, sondern auf entwicklungsfähige Talente. Hellmann gilt als Stratege und guter Rhetoriker, der verstanden hat, dass ein Fußballklub nur dann die Chance hat, dauerhaft im ersten Drittel der Liga und damit auf internationalem Parkett zu spielen, wenn er wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt wird und eine entsprechende finanzielle Potenz da ist. Daran arbeitet Axel Hellmann bereits auf internationalem Parkett, um die Voraussetzungen für den sportlichen Bereich zu schaffen. Da wächst etwas in Frankfurt!


Bleibt die Tradition auf der Strecke?

Fußball-Romantiker wie ich - und auch viele Eintracht-Fans - finden bei der Kaderplanung aber auch ein Haar in der Suppe: Alexander Meier. Im Prinzip kann ich eine Eintracht ohne den schlaksigen Stürmer nicht ernst nehmen. 14 Jahre lang hielt der gebürtige Buchholzer seine Knochen für die Eintracht hin, war sich auch nicht zu schade, 2011 mit in die 2. Liga zu gehen, wo er mit 17 Saisontoren am direkten Wiederaufstieg beteiligt war. Okay, der "Fußball-Gott" ist inzwischen 35 Jahre alt und war lange verletzt - aber der Umgang mit Meier erscheint nach außen so gar nicht Eintracht-like: Nach seinem dreiminütigem Sensations-Comeback beim 3:0 gegen seinen Ex-Klub HSV inklusive Torerfolg wurde Meier nicht mehr nominiert - nicht einmal für das Pokal-Endspiel. Dass er keinen neuen Vertrag - ob als Stand-by-Profi oder als B-Jugend-Co-Trainer oder was auch immer - bekam, habe ich nicht begriffen. Aber das lag wohl doch eher an Meiers (zu großen) sportlichen Ambitionen. Jedoch: Damals im Mai hieß es zur Entschuldigung von Eintracht-Seite, Meier würde im feierlichen Rahmen des Supercups verabschiedet werden. Aber sein Handy blieb stumm - vielleicht hatte er es ja auch einfach ausgeschaltet, weil er sich gerade beim FC Admira in Österreich in Form bringt und seinem Ex-Klub Auslands-Telefonkosten ersparen wollte...