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Rettungsschiff «Aquarius» in Spanien eingetroffen

17.06.2018 - Italien wollte sie nicht haben. Nun können die von der «Aquarius» geretteten 629 Flüchtlinge auf eine bessere Zukunft hoffen. Nach Einschätzung des Roten Kreuzes ist Spanien allerdings oft nur ein «Eingangstor».

  • Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffes «Aquarius». Italien hatte dem Schiff mit Hunderten erschöpften Migranten an Bord die Einfahrt in einen Hafen des Landes verwehrt. Foto: Kenny Karpov/SOS Mediterranee/MSF/ © dpa -...

    Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffes «Aquarius». Italien hatte dem Schiff mit Hunderten erschöpften Migranten an Bord die Einfahrt in einen Hafen des Landes verwehrt. Foto: Kenny Karpov/SOS Mediterranee/MSF/ © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Flüchtlinge gehen im Hafen von Valencia in Spanien an Land. Foto: Alberto Saiz/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Flüchtlinge gehen im Hafen von Valencia in Spanien an Land. Foto: Alberto Saiz/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Ein Schiff der italienischen Küstenwache legt am Dienstag an der «Aquarius» an. Foto: Salvatore Cavalli/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schiff der italienischen Küstenwache legt am Dienstag an der «Aquarius» an. Foto: Salvatore Cavalli/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Ankunft in Spanien: Die aus Seenot geretteten Flüchtlinge kommen mit der «Orione» im Hafen an. Das Schiff italienischen Marine fuhr im Convoy mit der «Aquarius». Foto: Alberto Saiz/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ankunft in Spanien: Die aus Seenot geretteten Flüchtlinge kommen mit der «Orione» im Hafen an. Das Schiff italienischen Marine fuhr im Convoy mit der «Aquarius». Foto: Alberto Saiz/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

  • Aus Seenot gerette Flüchtlinge kommen mit einem Schiff der italienischen Küstenwache im Hafen von Valencia an. Foto: Alberto Saiz/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Aus Seenot gerette Flüchtlinge kommen mit einem Schiff der italienischen Küstenwache im Hafen von Valencia an. Foto: Alberto Saiz/AP © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Drama um 629 Bootsflüchtlinge ist nach tagelanger Irrfahrt im Mittelmeer beendet. Das vor einer Woche von Italien abgewiesene Flüchtlings-Rettungsschiff «Aquarius» und zwei weitere Schiffe fuhren am Sonntag in den Hafen der spanischen Stadt Valencia ein.

Nachdem Italien und Malta der «Aquarius» die Einfahrt verweigert hatten, erklärte sich die neue sozialistische Regierung Spaniens zur Aufnahme bereit. Die Odyssee der Bootsflüchtlinge erregte international Aufsehen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Partei Lega kündigte an, Italien werde weitere private Rettungsschiffe mit Migranten abweisen.

Die «Aquarius» erreichte mit 106 Migranten an Bord kurz vor 11 Uhr den Hafen von Valencia. Auch die italienischen Schiffe «Dattilo» (274) und «Orione» (249) trafen in Spanien ein. Bei der mehr als 1500 Kilometer langen Überfahrt nach Valencia kämpften die Schiffe zum Teil mit meterhohen Wellen.

Das von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée gecharterte frühere Vermessungsschiff «Aquarius» hatte vor einer Woche 629 afrikanische Migranten, die vor der libyschen Küste auf verschiedenen Booten unterwegs waren, aus Seenot gerettet. Zur Überfahrt nach Spanien wurden Hunderte dieser Flüchtlinge auf die Schiffe «Dattilo» und «Orione» verteilt.

Das Küstenwachen-Schiff «Dattilo» legte am Morgen als erstes der drei Schiffe am Hafen von Valencia an. Die 274 Migranten an Bord - darunter 60 Minderjährige ohne Elternbegleitung und eine schwangere Frau - gingen nach einer ersten ärztlichen Untersuchung an Bord im Laufe des Vormittags alle an Land. In Abständen von zwei bis drei Stunden folgten die Insassen der «Aquarius» und am frühen Nachmittag auch die der «Orione».

«Der Gesundheitszustand ist bei allen 274 den Umständen entsprechend gut. Wir haben keine größeren Verletzungen festgestellt», sagte der Regionalpräsident des spanischen Roten Kreuzes, Rafael Gandía, nach der Abwicklung des ersten Schiffes. Auch auf den beiden anderen Schiffen war nach ersten amtlichen Angaben kein Schwerverletzter.

Der italienische Innenminister und Vizeregierungschef Salvini kündigte indessen an, sein Land werde nicht mehr zulassen, dass Organisationen im Mittelmeer aufgenommene Migranten routinemäßig nach Italien bringen. Die guten Zeiten für diese Gruppen seien vorbei, erklärte er via Twitter. «Wir sind die Herren in unserem eigenen Haus», schrieb der Lega-Chef. Zuvor hatte er angekündigt, zwei Schiffen deutscher Helfer die Einfahrt in italienische Häfen zu verweigern. Die «Seefuchs» und «Lifeline» werden von den Nichtregierungsorganisationen Sea-Eye und Mission Lifeline genutzt.

Anders als private Flüchtlingsretter haben italienische Küstenwache und Marine weiter Zugang zu den Häfen des Landes. Mit insgesamt 523 Migranten nehme das Schiff «Diciotti» Kurs auf Italien, teilte die italienische Küstenwache am Sonntag mit. An Bord seien auch die 40 Überlebenden eines Flüchtlingsunglücks vor der Küste Libyens, die das US-Schiff «Trenton» am Dienstag gerettet hatte und deren Schicksal tagelang unklar war.

In Valencia wurden die Migranten zunächst von knapp 300 Angehörigen des spanischen Roten Kreuzes empfangen und betreut. An der Empfangsoperation nahmen insgesamt rund 2300 Menschen teil. Unter den Migranten sind den amtlichen Angaben zufolge insgesamt 123 Minderjährige und mindestens sieben schwangere Frauen.

Die Sprecherin von SOS Méditerranée France, Sophie Rahal, erklärte, die Migranten seien an Land zuerst in einem Zelt medizinisch und psychisch betreut und anschließend registriert worden. Alle Schwangeren sollten zunächst in Krankenhäuser gebracht werden. Die Kinder erhalten eine spezielle Betreuung.

Alle volljährigen Migranten sollten nach amtlichen Angaben vorerst im Aufnahme-Zentrum in Cheste etwa 30 Kilometer westlich von Valencia unterkommen. Zusätzliche Unterkünfte müsse Spanien nicht organisieren. «Wir haben genug Aufnahmekapazitäten», sagte der Chef des Rettungsdienstes des spanischen Roten Kreuzes, Iñigo Vila.

Spanien will die Geretteten wie alle anderen Migranten behandeln. «Sie werden so behandelt werden, wie alle Flüchtlinge, die bei uns etwa auf Booten eintreffen», erklärte Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Jeder Fall werde einzeln geprüft, hieß es.

Es ist aber davon auszugehen, dass viele versuchen werden weiterzureisen. Die stellvertretende Regierungschefin Carmen Calvo erklärte, Madrid werde das Angebot der französischen Regierung annehmen und alle Flüchtlinge, die das wünschten, ins Nachbarland schicken.

Spanien, das in den zurückliegenden zehn Jahren 200 000 Flüchtlinge empfangen habe, sei für die Migranten ohnehin «nur ein Eingangstor», sagte Vila vom Roten Kreuz. «Asyl beantragen viele woanders.»

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