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Neue Therapie für Prostatakrebs-Patienten erprobt

11.05.2018 - Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Patienten haben bisher die Wahl zwischen der Entfernung des Organs, Bestrahlen oder Abwarten. Eine neue Therapie birgt Hoffnung - für Einige.

  • Bei Prostatakrebs mit geringem Risiko ist auch eine Minimalinvasiv-OP möglich. Ärzte der Dresdner Urologie haben das sogenannte Tookad-Verfahren nun getestet. Foto: Axel Heimken/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bei Prostatakrebs mit geringem Risiko ist auch eine Minimalinvasiv-OP möglich. Ärzte der Dresdner Urologie haben das sogenannte Tookad-Verfahren nun getestet. Foto: Axel Heimken/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei Prostatakrebs mit geringem Risiko gibt es jetzt eine schonendere Behandlung. Urologen am Universitätsklinikum Dresden haben ein solches Karzinom erstmals minimalinvasiv operiert.

Es war die Deutschlandpremiere für das sogenannte Tookad-Verfahren außerhalb klinischer Studien. Der Chef der Dresdner Urologie, Professor Manfred Wirth, sprach von einem «Meilenstein der Urologie», denn die Therapie konzentriert sich nur auf die vom Krebs betroffene Stelle des Organs. «Das Verfahren füllt die Lücke zwischen radikaler Behandlung und aktiver Beobachtung», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Professor Paolo Fornara.

Bisher konnten Ärzte nur zwischen der Bestrahlung des Tumors, der Entfernung des ganzen Organs oder «dem sogenannten aktiven Abwarten wählen - also zwischen Schwarz oder Weiß», sagte Fornara. Mit der nun vierten Möglichkeit könne der Krebs gezielt behandelt werden, unter Nutzung des Wirkstoffs Padeliporfin (Tookad), der auf Strahlen reagiert. Bei der Operation werden Laserfasern in die vom Tumor befallene Region eingebracht. Mit ihrer Hilfe aktivieren Ärzte das Tookad-Medikament, wodurch es örtlich zur Gefäßzerstörung und verminderten Blutzufuhr kommt. Das vom Tumor befallene Gewebe stirbt dadurch ab.

Bestrahlung oder radikale Entfernung der Prostata seien bei Karzinomen mit geringem Risiko nur im Ausnahmefall zu empfehlen, wegen der erheblichen möglichen Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz, sagte Wirth. Das bisherige Standardverfahren der aktiven Überwachung des Tumors durch regelmäßige ärztliche Kontrollen ohne Therapie aber sei eine fortwährende psychische Belastung. Das Tookad-Verfahren indes sei so schonend, dass die Patienten das Krankenhaus bereits am dritten Tag nach der OP verlassen könnten.

Die Therapie wurde 2016 am israelischen Weizmann-Institut entwickelt und deren Wirksamkeit durch eine multizentrische europäische Studie mit Beteiligung der Dresdner Uniklinik bestätigt. Damit können nun laut Fornara nur die vom Tumor befallenen Bereiche der Prostata behandelt werden, wie das bei der Niere bereits Praxis sei. «Im Ergebnis bleibt die Funktion der Prostata teilweise erhalten.» Die gezielte Zerstörung von Tumorzellen werde in anderen Fachgebieten der Onkologie schon mit Erfolg praktiziert wie etwa der Dermatologie und bei Lungen- oder Blasenkrebs. «Wir zerstören den Tumor statt bisher das ganze Organ», sagte Fornara.

Ob die Tookad-Therapie in der Praxis hält, was die Studie verspricht, wird sich dem DGU-Chef zufolge in einigen Jahren zeigen, da das Prostatakarzinom langsam wachse. «Es ist gut, dass die Dresdner in die Offensive gehen.» Die Kollegen hätten eine große Expertise und seien innovativ.

Laut DGU erkranken jährlich 90 000 Männer in Deutschland an Prostatakrebs. «Im Schnitt könnten 10 bis 15 Prozent mit guter Prognose von Tookad profitieren», schätzte Fornara. «Im Zuge weiterer Studien soll nun untersucht werden, ob die Technik auch für Prostatakarzinome mit höherem Risiko anwendbar ist», sagte Wirth.

Mit der Methode wird die individualisierte Medizin verfeinert. «Wir versuchen, für jeden Patienten die optimale Behandlungsmöglichkeit herauszufiltern», sagte Fornara. Die Heilungschancen beim lokal begrenzten Prostatakarzinom liegen bei 90 Prozent. «Und wir haben nun den Luxus, zwischen vier individuellen therapeutisch effektiven Möglichkeiten wählen zu können, das ist wirklich gut.»

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